Schlagwort: Ausgrenzung

Ableismus

Der Kerle ist im Krankenhaus sehr ableistisch behandelt worden. Der Arzt hat über des Kerles Kopf mit mir gesprochen. Als ich ihm sagte, dass der Patient mein Sohn sei, hat er doch gesagt: „Er kann mir doch keine Anamnese geben?“ Dieser Arzt hat nicht einmal ansatzweise versucht mit C. zu reden! Ein junger (ausländischer*) Arzt. Ich bin entsetzt! 

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*passiert aber auch mit jeder anderen Staatsangehörigkeit

morgens Wackersteine

Das erste Mal aufgewacht bin ich um kurz nach vier, mein Bauch brummelt und darin rumoren Wackersteine. Ein Ring von Angst liegt um meinem Körper, die Beine zappeln nur so viel, dass es unangenehm ist und nicht bedrohlich, die Füße sind bleischwer und rastlos. Mehr als das macht mir mein Magen zu schaffen – ich esse zu viel und das falsche. Zu viel Süßkram und zu wenig gesunde Mahlzeiten. Ein Teil meiner Bauchschmerzen kommt daher. Der größere Teil allerdings ist ein schwarzes Loch, das saugt und saugt und saugt, an den Rändern gärt, alles in sich verschlingt und nicht wieder rauslässt. Diese Ursuppe bekämpft sich gegenseitig und besteht zum größten Teil aus Angst. Manchmal kann ich es verquirlen, dann dreht sich der Strudel gleichmäßig und ich lasse mich einlullen. Gleichgewicht!

Das bleibt aber nicht so, ich muss aufstehen – auch wenn es zwanzig vor sechs noch nichts zu tun gibt. Die Angst vor dem Tag hält dich im Bett. Sie sagt dir, dass du da sowieso nicht schaffst. Nebenbei zwickt es am Oberschenkel und die Hautstelle auf der Schulter juckt verteufelt. Ich kratze sie mir blutig und kann doch nicht aus meiner Haut. Später schmiere ich kühlende Creme drauf.

Dass ich mit den Händen, von denen ich denke, dass sie keine Kraft haben das Handy zu halten, mit diesen Finger diesen Text tippe, so zittere, kann ich geschickt verbergen. Ein Außenstehender ahnt nichts, denkt nur; die ist noch nicht ganz wach.

Doch, wach bin ich inzwischen, hab auch schon einen Milchkaffee getrunken und sage mir jedesmal, dass das keine so gute Idee ist. Auf einen Magen der revoltiert, Kaffee kippen ist wie Öl ins Feuer gießen. Aber die Macht der Gewohnheit!

Juniorenherrschaften wecken. Aus einem Zimmer kommt Gebrumm, aus dem anderen wird mir ein Armband an den Kopf gepfeffert. „Ihr dürft doch noch 10 Minuten im Bett bleiben!“ Köpfe sinken auf Kissen. „Was wollt ihr zum vespern mitnehmen?“ Keine Antwort – pack ich eben irgendwas ein. Denke aber, dass das bestimmt nicht das richtige war und habe darüber ein schlechtes Gewissen.

Das Anziehen überspringen wir mal – ist eine eigene Geschichte. Klogang, Windeln wechseln, notdürftig waschen, Haare kämmen, rasieren, auf den Rollstuhl setzen.

Frühstücken tun wir ja schon lange nicht mehr. Jedenfalls wird nichts gegessen, nur getrunken und da darf/muss/will ich jeden Tropfen in die Münder reden. Und dann diskutieren beide mit mir warum was so nicht geht und weshalb das so gemacht werden muss, was aber nicht geht, weil ein bestimmtes Teil nicht da ist. Da wünsche ich mir entweder verstopfte Ohren, was aber die Folge hat, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich nicht zugehört habe. Oder ich wünsche mir vier Ohren und habe anschließend das Gefühl, mein Kopf platzt.

Über allem schwebt die Angst den behinderten Menschen nicht gerecht zu werden…

Wer bin ich?

Eine Frau,
– die auf einem anderen Weg ist als früher.
– die es nicht mehr jedem recht zu machen versucht.
– die ihren eigenen Willen hat und ihn auch äußert.
– die anderen gerne hilft, aber auch immer öfter nein sagen will.

Aber auch eine Frau,
– die zweifelt.
– die immer wieder in alte Strukturen verfällt.
– die oft zu viel auf einmal will.
– die immer noch lernen muss, geduldig zu sein – mit sich – und anderen.

Wo komme ich her?
Manchmal denke ich, aus einem schlechten Traum; als den ich meine ältere Vergangenheit bezeichnen möchte.

Wo will ich hin?
Ich möchte zu den Sternen – ein zugegebenermaßen großer, noch unerfüllbarer Wunsch – fehlt mir doch das nötige Kleingeld, um eine Raumfahrt privat zu finanzieren.

Wie wäre es mit kleinen Sternen?
Meine Sterne sind meine kleinen Ziele, die zu erreichen oft schwierig sind, aber ich behalte den Weg im Auge.

Einer meiner Grundsätze, nach dem ich mein neues Leben gestalte: Weil ich es mir wert bin!

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Nachtrag am Abend: Das hört sich vielleicht hochtrabend an, ist für mich aber ein wichtiger Leitsatz, mit dem ich mein Handeln oft hinterfrage. Nach und nach wird wahrscheinlich klarer, was ich mit diesen Aussagen meine.

 

 

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