Schlagwort: Ausgrenzung

Nachtgedanken nach der Wahl

Wenn ich nachts aufwache und nicht mehr schlafen kann frag ich mich: Warum?

Kein Vollmond am Himmel, meine privaten Sorgen sind klein, dennoch vorhanden. Mein Geist schwirrt ziellos durch die Zeit. Meine Sorge gilt dem Land. Mir raubt schwarz-blau den Schlaf und tagsüber tatsächlich auch den Mut. Die Junioren bleiben heute Zuhause. 

Einsam sitze ich hier und frage: Warum? Niemand (?) aus meinem Umfeld hat AfD gewählt und doch ist sie auch hier im Dorf zweitstärkste Partei! Wem kann ich noch vorurteilsfrei begegnen? Diese Wahl schürt nicht nur Ängste, sondern auch Misstrauen. Was bedeutet das für Menschen mit Behinderung? Kommt es wieder soweit, dass mir vorgeworfen wird: Ihr lebt auf Kosten der Allgemeinheit! Ich bin aus der Schockstarre noch nicht erwacht. Dabei ahnte ich es vorher – gehofft habe ich anders! Mir ist kalt, ich friere auch der sozialen Kälte wegen.

 

Vorstellung

Das stelle ich mir gerade in bunt vor und finde es wundervoll!

Aber sind nicht alle Leben – ich kenne einige Familien mit behinderten Kindern und andere natürlich auch, wenn auch nicht so gut – sind nicht alle Leben irgendwie ein Krickelkrakel? 

Meine Kinder – und heute schreibe ich nicht Junioren – sind coole Socken. Von ihnen kann ich lernen was Zufriedenheit ist! Sie nehmen das Leben wie es kommt. Man kann sagen, sie haben noch weniger Möglichkeiten, als andere hier bei uns in Mitteleuropa, aber das wissen sie nicht. Und vielleicht ist das das gerade, dass sie um ihre fehlenden Möglichkeiten nicht wissen. Meine These diesbezüglich ist, dass Nichtwissen Vorteile hat. 

Manchmal möchte ich von der aktuellen Weltlage nichts wissen. Nichts vom Golf von Amerika, nichts davon, dass Autos in Menschenmengen rasen, nichts vom Wahlkampf, nichts von Bankmitarbeiterenlassungen, nichts von Turnskandalen und nichts vom winterlichen Wetter. Aber fahre ich damit besser, wenn ich mich dumm stelle oder meine Informationsquellen ausblende? Ich kann nicht, wie meine behinderten Junioren, die Augen zumachen oder einfach nicht sehen, ich muss  – und fühle mich überfordert. So, wie das Kuddelmuddelbild!

Nein, ich bin nicht uninformiert. Ich habe eine dezidierte politische Meinung – die, die rechts stehen sind mir zuwider! Manchmal möchte ich so cool, wie meine Kinder es sind, sein. dann wäre auch ich viel zufriedener. Ich übe und habe große Vorbilder …

Aufruhr

Ich denke, wünschen hilft. | Rahel Varnhagen von Ense 

Vorab – ich bin monothematisch und werde es vermutlich – aber wer weiß das schon?, noch nicht einmal ich selbst – in der nächsten Zeit immer wieder sein.

Die Zukunft von uns allen liegt vor uns. Inwieweit wir sie beeinflussen können, liegt nicht immer in unserer Hand. Ich habe die Zukunft von drei Menschen zu planen und einmal wieder eine Heidenangst. Auch in Anbetracht der letzten aufwühlenden Debatten im deutschen Bundestag, in der es um Zuwanderung von Migranten geht. (Ist das nicht doppeltgemoppelt, denn Migranten sind ja Menschen, die von einem Ort an den anderen übersiedeln.) Wer pflegt unsere Alten? Wer pflegt unsere behinderten Kinder und Mitmenschen? Wer versorgt sie? Sind es doch zum großen Teil ausländische Mitbürger!  Aber das ist eigentlich auch nur ein Thema am Rande. Denn meins ist, meine behinderten Kinder und deren Zukunft. Dabei ist es gar nicht unbedingt so, dass ich um sie Angst habe, es geht ihnen gut. Es wird ihnen auch gut gehen, ohne mich. Davon bin ich überzeugt. Sie sind im Grund zufriedene ausgeglichene Menschen und sie sind anpassbar – was ja in meinen Augen schon wieder nach hinbiegen klingt.

07:52 Uhr – Unterbrechung: Wiebke ist wach geworden und braucht ein bisschen Aufmerksamkeit.

Die Zukunft meiner Junioren ist abhängig von Assistenzkräften und so vielen mehr. Was mich allerdings in Aufruhr versetzt ist, dass ja auch noch meine Zukunft gibt.

07:58 Uhr – der Kerle hat schlechte Träume. Ich nehme ihn in den Arm.

Ihr lest/seht, ich scheue mich davor es auszusprechen: Meine Zukunft ist, wenn die Junioren ausziehen, ohne Aufgabe. Mein ganzes Leben lang  habe ich ich mich um die Belange anderer Menschen gekümmert. Seit ich denken kann. Schon mit 12 Jahren hatte ich Verantwortung für meine kleine Schwester. Ich kann nichts anderes! Dazu kommt, dass ich Einzelkämpfer bin (ich mag kein Kämpfer sein!). Schon von jeher war ich viel auf mich alleingestellt, hatte und habe kaum Freunde. Auch der Tatsache geschuldet, dass ich im Autismus-Spektrum bin, was mir erst sehr spät klar wurde. Wenn jetzt die Junioren nicht mehr bei mir wohnen würden, wäre ich isolierter denn je. Es gibt kaum Kontakte außerhalb der Pflege, die würden dann wegfallen. Ich habe es in meinem Leben nicht gelernt Kontakte zu knüpfen . Ein Fehler, ein vergangener Fehler! Aber ich bin inzwischen auch sehr menschenscheu geworden und habe eine ausgeprägte Sozialphobie  entwickelt. Dazu kommt die Angst. Auch Angst vor der Angst. Die Hilflosigkeit und das alleine gelassen werden, wenn ich um Hilfe bitte. Denn es ist nicht so, dass ich auf Hilfe pfeife – ich lasse sie mir nur ungerne überstülpen.

Natürlich weiß ich, dass ein Blog nicht das geeignete Medium ist und ich erwarte hier auch keine Ratschläge. Manche Kommentare machen mich sogar wütend. Aber abstellen mag ich sie dann dennoch nicht, weil hin und wieder sehr kluge Gedanken dabei sind. Ich weiß, ich weiß; jetzt habe ich wieder einmal Kommentatorinnen verprellt. Aber ich möchte gerne ehrlich sein können …

∙∙∙∙∙

Ich schreibe kein journalistisches Blog. Kein Blog, das Anspruch hat, vielen Menschen ihre Gegenwart zu spiegeln; ich möchte meine Gegenwart erzählen und da ist es eben nicht immer Sonnenschein und gute Laune. Ich habe kein sehr optimistisches Gemüt, aber eins kann ich euch sagen, in der Depression bin ich nicht gefangen.

Ich schreibe blind, denn durch meine Brille sehe ich nichts – sie ist voller Tränen. Es ist eben Kuddelmuddelgedankenchaos.

Copyright © 2025 voller worte

Theme von Anders Norén↑ ↑

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.