Behinderung, Kuddelmuddel

Quasseln ohne Ende

Um 16:00Uhr kommen die Junioren aus der Werkstatt heim. Wiebke zieht sich erst einmal in ihr Zimmer zurück und muss für sich alleine sein. „Mama, ich kann nicht gleich, komme später!“ Sie beschäftigt sich, spielt mit den Puppen oder guckt Videos beziehungsweise Bücher an.

Carsten dagegen braucht Aktion. „Was spielen wir? Wann kommt M.?“ Aber auch ohne spielen steht die Schnute nicht still. Es sprudelt nur so aus dem Kerle. „Du Mama, ich habe eine neue Freundin. Sie hat meine Hand gestreichelt und mir einen Kuss gegeben. Ich muss mich rasieren – du musst mich rasieren, ich kratze!“ Tatsächlich sieht Carsten wie ein Murtchen aus, Haare schneiden ist auch fällig. Aber das wird vermutlich wieder einer Vergewaltigung gleich kommen. Auch den Bart kann ich nur schneiden, wenn wir alle tiefenentspannt sind. Mir kommt zugute – und das werde ich gnadenlos ausnutzen – dass Carsten verliebt ist und seine Liebste die Stacheln moniert hat.

Inzwischen weiß ich gut Bescheid, über Regenbogenfische, dass sie gesnoezelt haben, er dabei eingeschlafen ist und dass er drei Erbsen gegessen hat, die Aushilfe nicht gekommen ist und dass sie trotzdem Musik gemacht haben. Er war für eine Stunde arbeiten – in der Lernwerkstatt und Ch. hat ihn dort gebeten nicht so viel zu reden, denn dass würde die anderen von der Arbeit abhalten. Was sie während der Musikstunde gesungen haben, weiß ich inzwischen auch, weil er mir jedes Lied vorgesungen hat – wirklich jedes! Auch das von der Nordseeküste!

Als Wiebke kam, hat sie auch gesungen! Haben wirklich beide die gleiche Musikstunde genossen?

Jetzt ist Stille. Carsten isst, ja er isst Krabben und Wiebke schaut ganz gebannt zu …

Wie geht ihr mit Dauerquasslern um?

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. ❤️ -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

14 Gedanken zu „Quasseln ohne Ende“

  1. mijonisreise sagt:

    Na besser so als lange Gesichter und schlechte Laune.

  2. Der Emil sagt:

    Das ist (tatsächlich) ein bißchen Musik in meinen Ohren.

  3. Violine sagt:

    Mit Dauerquasslern kann ich nicht umgehen. Irgendwann habe ich mich in Gedanken weggebeamt und sage nur noch ja, ja, ja.

    1. piri ulbrich sagt:

      Wenn ich nur noch ja, ja, ja sage, dann motzt er schon gewaltig.

  4. Ulli sagt:

    Ich höre erst zu und später, wenn der Strom nicht abreißt, nicht mehr so wirklich, was sich dann in -m- und ach ja, äussert … kann auch mal schief gehen 😉
    Aber ansonsten hört sich dein Familinleben gerade quietschvergnügt an, freut mich!

    1. piri ulbrich sagt:

      Ganz im Vertrauen, ich höre manchmal auch nicht richtig zu. Besonders wenn sich alles wiederholt.

  5. Gudrun sagt:

    Hach, die Liebe ist doch etwas Schönes. Da darf Carsten schon mal so richtig aufgekratzt sein und die Mutti muss sich einiges anhören. Ich wünsche euch viele Gute-Laune-Tage.
    (Ich habe damals immer gesagt, ich habe nun Hornhaut auf dem Trommelfell. Hach, lange ist das her.)

    1. piri ulbrich sagt:

      Mir scheint, die Liebe ist eher einseitig.

  6. wildgans sagt:

    Krabben?
    Für mich bäh.
    Dass er die speist, finde ich klasse!
    Und dass er verliebt ist, noch viel klasser…
    🙂

    1. piri ulbrich sagt:

      Immerhin isst er was…

  7. mo sagt:

    Oh, ist das ein liebes Bild! Vom Kerle?

    1. piri ulbrich sagt:

      Ja, eigentlich sollte Wiebke auch mit drauf sein.

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