Kuddelmuddel

Couch oder Bett?

Diese Frage hat sich mir gestern Abend nicht gestellt. Ich wollte nur kurz noch das heute-journal gucken, weil ich den ganzen Tag noch keine Nachrichten gehört hatte. Vorher war ich den ganzen Tag beschäftigt – erst im Garten, dann mit den Junioren spazieren, sie zur Bandprobe kutschieren (der Probenraum ist in einem Keller, ohne Aufzug). Mein Gartenarbeitsrücken – ich bin das nicht gewohnt – jubelt Stufe für Stufe, jeder Wirbel zwirbelt. Es ist zwingend nötig, dass ein anderer Raum gefunden wird, denn zwei Rollis in einen Keller zu schaffen, um dort Musik zu machen, ist harte Arbeit nicht nur für mich. 

Zwischendurch bin ich kurz heim. Betten beziehen. Auch das für Großmutti, die heute kommt. Da steht die Pastorenfreundin vor der Tür und will mir von ihren Krankheiten erzählen.

Schnell wieder los, die Junioren abholen. Abendessen richten – hätte ich mir sparen können, es wurde nicht gegessen – mit Carsten diskutieren, ob am Abend noch oder erst am nächsten Morgen rasiert wird. Ich habe verloren! Wiebkes fröhliches singen hört abrupt auf, ich höre nur noch leises Gemurmel und mein Töchting macht ihre Tür zu. Nachtigall, ick hör dir trapsen! Mist, alles nass. Rollstuhl trieft, es tröpfelt regelrecht – Wiebke hat ganze Arbeit geleistet. Nichts ist mehr trocken. Doch! Ihre langen Haare! Aber ansonsten alles – sogar die Strümpfe. Carsten ist somit auch ums Zwangsrasieren herumgekommen.

Meine Aufgabe war klar. Putzen. Sauber machen. Die junge Frau trocken legen, Den Rollstuhl abziehen. Den Teppich einschäumen. Diskutieren, ob schon Schlafanzug oder noch mal normale Hose? Diesmal habe ich gewonnen! Mein Gartenarbeitsrücken jubelt!  Durst habe ich auch. Carsten wird kurzerhand auch gleich bettfein gemacht. Ich klatsche mir ein bisschen warmes Wasser ins Gesicht, Wasche mir notdürftig Make-up und Wimperntusche ab und denke nicht mehr daran, dass ich ja noch telefonieren wollte…

Nur kurz noch Nachrichten gucken – ganz kurz ein Gläschen Zitronensprudel und dann ins Bett. Pustekuchen! Wach bin ich geworden mit dem Gedanken, dass ich auseinanderbreche. Mein Rücken hat jeden Wirbel entgleisen lassen und irgendwie wo hingelegt – natürlich nicht da, wo er hingehört. Es tut höllisch weh. Eine Couch, meine Couch ist kein Schlafmöbel. Viel zu schmal und auch nicht lang genug. Es ist viertel vor zwei – die Zeit, den Kerle zu drehen! Passt ja!

Endlich im Bett war ich wieder wach. Und wenn ich jetzt eine Schmerztablette hätte nehmen können, dann wäre mein Rücken mir auch egal gewesen. Manchmal verfluche ich meine Schmerzmittelallergie. Notiz an mich: dringend ein Rezept für verträgliche Schmerzmittel verschreiben lassen! Heute Nacht musste ich durch den Schmerz. Nach einer heißen Dusche konnte ich um drei für 2Stunden schlafen. Auf dem Kopf sehe ich aus, wie ein wild gewordener Handfeger und mein Gesicht hat eine Farbe, die zwischen grau und kalkweiß wechselt.

Kaffee weckt müde Kriegerinnen, die Morgenzeitung liefert die Informationen, die ich gestern aus dem Fernseher nicht mehr aufnehmen konnte und mittags kommt meine Mutter.

… na, denn man prost!

Veröffentlicht von piri

✨ In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschafft habe, anzuschauen. Dann geht's wieder. ✨

4 Gedanken zu „Couch oder Bett?“

  1. Weena sagt:

    Ich beame dir mal ein riesengroßes Paket Kraft rüber!
    Liebe Grüße Weena

    1. piri ulbrich sagt:

      Passt schon, wird schon alles gut!

  2. christine b sagt:

    oh mann, das war eine grausige nacht nach einem voll anstrengenden tag, ich hoffe, du erfängst dich so halbwegs bis mitttag! schicke dir viele gute gedanken!

  3. Manuela sagt:

    Dann gute Besserung Petra. Eine gesegnete Zeit mit Großmutter. Liebe Grüße an die junge Frau und den jungen Mann

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