Behinderung, Bücher, Bücher, Junioren, vorlesen

Nimmersatt

Buch- Raupe Nimmersatt Wir haben sie geliebt und Wiebke liebt sie immer noch sehr – die kleine Raupe Nimmersatt! Heute wird das gefräßige Wesen 50 Jahre alt. Mir schien, sie war schon immer da: Auch kleine Raupen können großen Hunger haben. Deshalb macht sich die Raupe Nimmersatt auf die Suche nach etwas zu essen – und wird fündig. Sie frisst sich von Montag bis Sonntag Seite für Seite durch einen Berg von Leckereien, bis sie endlich satt ist. Nun ist die Zeit gekommen, sich einen Kokon zu bauen, und nach zwei Wochen des Wartens schlüpft aus ihm ein wunderschöner Schmetterling. Die Kleinsten spielen mit der Kleinen Raupe Nimmersatt und sind fasziniert von den gestanzten Raupenfraßlöchern. Etwas größere Kinder entdecken mit ihr die Wochentage, Früchte, Zahlen und die Metamorphose in der Natur. Und jeder liebt ihre geheime Hoffnungsbotschaft, die ihr Schöpfer Eric Carle so beschreibt: »Ich kann auch groß werden. Ich kann meine Flügel (meine Talente) auch ausbreiten und in die Welt fliegen.«

Ihr kennt sie wahrscheinlich alle. Mein Töchting kann mir das Buch aufsagen und wehe, wenn ich ein Wort auslasse oder falsch sage, dann muss ich vorne wieder anfangen …

 

Bücher, Bücher, vorlesen

Lesezeichen

Ich gebe zu, ich bin jemand, der Eselsohren in Buchseiten knickt. Mal oben, mal unten und wenn ich in der Mitte knicken könnte, täte ich es auch da. Ich habe ein System, das niemand, außer mir durchschaut. Denn, meine, immer rechtwinkligen Knicke, sind verschieden groß und ich kann anhand dieser Größe lokalisieren, welchen Text ich mir merken wollte, ohne ihn anzustreichen.

In Bücher krickeln habe ich als Kind gemacht. Da habe ich unterstrichen und angemalt und eingekringelt, was der Stift nur hergab. Aber im Liegen malen oder gar schreiben ist verdammt schwer. Anmerkungen kommen nicht mehr in Frage. Inzwischen gibt es die wunderbaren Book Darts und ich muss nur noch manchmal frevlerisch mit Büchern umgehen. Wenn es aber doch sein muss, dass ich etwas nicht finde, drücke ich mit dem Fingernagel ganz fest auf das bestimmte Wort und ich streiche zum wiederfinden mit dem Daumen über die Seiten, wie bei der Brailleschrift.

Wenn ich den Junioren vorlese, dann habe ich auch schon mal ein papiernes Lesezeichen, das ich Zeile für Zeile – es muss die volle Buchbreite ausfüllen – bewege, damit ich nicht irrtümlich in eine falsche rutsche und möglicherweise den Faden verliere. Apropos Faden, Blütenblätter, gefaltete Schiffchen oder Einkaufszettel – alles das kann man, wenn man sucht in meinen Büchern finden. Oder ich stelle meine Tasse Kaffee ab und diese hinterlässt einen sepiafarbenen Ring. Such Life – Leben mit Büchern eben!

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Nachtrag um kurz vor 18:00 Uhr – Ulli hat wunderbare Scherenschnitte gemacht – ich hatte Zeit und mich auch dran versucht!

Ein Scherenschnitt frei aus der Hand.
Bücher, Bücher, vorlesen

Bettleserin

Lesen verbinde ich seit jeher mit dem Bett. Niemand hat mir Geschichten vorgelesen, immer nur erzählt und je nach Erzähler waren die Geschichten und Märchen anders, obwohl es die gleichen waren. Das hat mich als Kind schon geärgert. Als Asperger-Autistin, von der ich damals noch nichts wusste, eigentlich normal.

Trotzdem hatte ich als Kindergartenkind nicht die Möglichkeit lesen zu lernen. Ich kannte zwar die Buchstaben, aber das war es auch schon. Meinen Vater sah ich nie lesen. Er hatte entweder einen Pinsel in der Hand oder ein anderes Werkzeug, mit dem er etwas gestalten konnte. Meine Mutter hatte ihre Nähmaschine und mit sich und uns Kindern genug zu tun.

Mein Opa las Zeitung und meine Oma Groschenromane.

Weil ich aber eine rege Fantasie hatte und wissen wollte, was in der Welt passiert, Wissen anreichern wollte, musste ich selber lesen lernen. Einen Fernseher hatten wir nicht und Radio war laut – das störte meine Mutter. Meine Oma gab mir ein Buch, sagte: „Wenn du das gelesen hast, bekommst du ein Fahrrad!“ Das Buch habe ich gelesen – auf dem Bauch liegend. Im Bett meiner Großeltern – total unbequem, da die Matratze durchgelegen war.

Das Fahrrad wollte ich dann nicht mehr. Es war ein blödes Fahrrad. Ein altes schwarzes mit einem breiten Lenker und tiefer gelegten Sattel – überhaupt nicht kindgemäß. Stattdessen habe ich mir ein neues Buch gewünscht.

Als ich endlich ein eigenes Zimmer hatte, war ich eigentlich nur noch dort. Auf dem Bett liegend, ein Buch in der Hand. Ja, wenn ich nicht irgendwelche Aufgaben erfüllen musste.

Abends befahl mir eine gebieterische Stimme, doch endlich das Licht auszuschalten. Ich ging dazu über, wie alle lesenden Kinder, eine Taschenlampe zu benutzen, und erstickte förmlich unter der Bettdecke. Nur um Luft zu holen tauchte ich ab und zu auf. Bis mir meine Mutter die Taschenlampe wegnahm.

Ich kann auch heute nur im Bett gut lesen, oder vielmehr in liegender Position. Früher, mit den Beinen baumelnd auf dem Bauch, jetzt mit Kissen gestützt auf den Rücken liegend. Das Buch weit von mir ausgestreckt, weil mich Lesebrillen nerven. Ich muss mich aber dran gewöhnen, weil meine Arme nicht mehr lang genug sind. In der Badewanne kann ich besonders gut lesen. Lesen im Sitzen verbinde ich mit Schule, Arbeit und lernen. Nein, das ist nicht meins und schmälert mein Lesevergnügen.

Ohne zu lesen kann ich nicht einschlafen. Wenn es nur eine Seite ist, schnell noch diesen Abschnitt, diesen Satz und meistens schlafe ich mitten drin ein …