Behinderung, Kuddelmuddel, pflegende Angehörige

wenn pflegende Angehörige müde sind

Das ist eigentlich schon ein Anachronismus, denn pflegende Angehörige können es sich nicht wirklich leisten, müde zu sein! Jedenfalls tagsüber nicht. Sie sollten tunlichst nachts schlafen.
Was ist aber, wenn diejenigen, die gepflegt werden sollen, nachts nicht schlafen? Was ist, wenn man aus verschiedensten Gründen nicht schlafen kann. Wenn man z. B. einen Lagerungswechsel machen muss, weil sonst der zu Pflegende Druckstellen bekommt? Schiete was, oder? Mein Töchting hat gestern das nächtliche Gewitter angeschnauzt, es solle doch endlich aufhören zu blitzdonnern, sie wolle schließlich pennen. Wenn der Kerle sich zwar keinen Deut darum schert, aber gedreht werden muss, dann ist mein Schlaf sowieso unterbrochen.

Wenn ich denn hätte wenigstens heute Vormittag schlafen können! Aber da hatte ich einen Arztbesuch, auf den ich ein halbes Jahr gewartet habe. Mal wieder könnte ich im Stehen einschlafen, wenn ich es denn dürfte. Aber wer bringt dann den Kerle und das Töchting ins Bett?

Eins weiß ich, heute werde ich die Junioren bitten – und ich bin mir sicher, sie erfüllen mir den Wunsch – nach der Tagesschau ins Bett zu gehen. Schlafen müssen sie ja nicht, aber ein bisschen von der Bildfläche verschwinden!

Behinderung, Gedicht, pflegende Angehörige

morgens zu lesen

Ich kriege schon, was ich will, sagtest du.
Und du täuschtest dich.

Kein gemeinsames Singen
vorm schlafen gehen
Noch kommen Drachen
die mich bewachen
Die Sterne leuchten
zwischen Fenster und Wand
Der Duft der Dunkelheit
ist ein Hauch Freiheit

Doch kommt der Tag
mit den Fesseln
der Vernunft
und ich kriege, das was ich will
Eine Aufgabe, die keiner
so macht, wie ich es tue.
Aber du täuscht dich dennoch.

© petra ulbrich

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manchmal eine Frage

Warum ist es eigentlich so viel leichter, in Rollen zu schlüpfen, als authentisch zu sein?

Ich habe gelernt, dass manche Menschen gerne Kategorien haben, in die sie ihr Gegenüber stecken möchten. Da war es oft für mich sehr schwierig, mein eigenes Ich positiv darzustellen. Als Kind habe ich nicht verstanden, warum meine Art nicht ankommt. So habe ich eine andere angenommen! Eine, die zumindest kein Stirnrunzeln hervorgerufen hat. Nur war ich nicht mehr mit mir im reinen.

Als Mutter von zwei behinderten Kindern bin ich auch in eine Rolle gesteckt worden. Man hat von mir verlangt, herauszufinden warum beide Kinder behindert sind. Verwandte wollten wissen warum die Behinderung da ist und ob sie auch betroffen sein könnten! Die Rolle von mir war vielfältig. Einerseits musste ich Forscherin sein, andererseits liebevolle, aufopferungsvolle, fürsorgliche Mutter und es wurde (damals) verlangt, dass ich mein Leben hintenan stelle. Der Vater war der Ernährer der Familie und MamS hat seinen Beruf vorangetrieben und Kariere gemacht. Außerhalb der Familie hat er auch seine Rolke gespielt.
Ich habe mich in der Behindertenarbeit engagiert – ja sogar noch eine Berufsausbildung angefangen, die in diese Richtung ging. Meine Interessen sind verebbt. Zum Glück hatte ich einen Partner, der mir Freiräume schuf, so sie denn machbar waren.

Aber, immer dann wenn ich authentischer werden wollte, bin ich auf Grenzen gestoßen, die mich ausgegrenzt haben – oder ich mich selbst ausgegrenzt habe. Selten habe ich Gleichgesinnte gefunden, die auf derselben Wellenlänge tickten. Zeit zum suchen fehlte mir. Ich war oft allein. Heißt authentisch sein, allein sein?

Kuddelmuddelgedankenchaos am Samstagmorgen.

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Realität und Wunschdenken

Wir entwickeln uns immer mehr auseinander! Dabei meine ich nicht einmal die Menschen, die geimpft oder es nicht sind. Ich habe das schon viel früher beobachtet – auch in der eigenen Ursprungsfamilie und es hat nichts mit Corona zu tun. Scheinbar herrscht in unserer kleinen Familie Stillstand. Daran wollen meine Geschwister nicht teilhaben. Bei ihnen geht das Leben weiter! Den normalen Gang. Bei uns ist nichts so wie woanders – auch nicht ansatzweise. Ich wickle zum Beispiel seit mehr als 45 Jahren meinen Sohn. Ich freue mich darüber, dass meine Tochter mit über 40 Jahren, sich alleine ausziehen kann. Mit einer Helferin zusammen filzen wir kleine Bälle und ich bin stolz, dass der Kerle seine beiden Hände benutzt. Ich stehe jede Nacht um 2:00 Uhr auf, um meine Junioren umzulagern. Nicht erst seit 10 Jahren! Die einzige Antwort einer meiner Verwandten: „Bring deine Kinder in ein Heim!“

Wenn ich das täte, brechen gewachsene Strukturen auseinander. Nicht nur die der Junioren. Auch meine. Meine Geschwister haben ihr eigenes Leben. Lassen mich nicht teilhaben und nehmen an unserem nicht Anteil. Wir wissen nichts voneinander – es tut mir weh!

… und ich glaube, der Titel passt nicht so ganz. Manch einer wird es als jammern sehen. Dann ist das eben so.

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Nachtrag: Ihr merkt, Familie beschäftigt mich gerade auch. Zusätzlich zu den anderen Kleinigkeiten wie Weihnachten, was soll ich kochen, Corona und dem allgemeinen Weltgeschehen.