Asperger Syndrom, Behinderung, Gedanken, Kuddelmuddelgedankenkarussell

Du Mama

Wir reden über den Krieg, die Flüchtlinge und werden am nächsten Samstag ins Kino gehen, den Film: Der Pfad angucken – ein Flüchtlingsfilm! Das Töchting erklärt den verrückten Russen für bescheuert, der Kerle lässt spenden und seine Spielzeugautos sind tatsächlich gerne genommen worden. Eher noch die liebzuhabenen Babypuppen von Wiebke.

Carsten möchte Menschen aufnehmen: „Mama, wir haben ein Gästezimmer mit Dusche!“ Aber damit ist es nicht getan. So gerne ich dieses Zimmer auch zu Verfügung stellen möchte, so sehr kann ich es dennoch nicht. Ein Zimmer allein reicht nicht. Es braucht mehr! Das kann ich nicht. So sehr ich es auch möchte. Mein Englisch ist Schulenglisch und das ist lange her. Andere Menschen um mich herum haben, fällt mir schwer und wenn dann noch Fremde bei uns mit im Haus wohnen würden, käme ich gar nicht mehr zur Ruhe. Wie soll ich da helfen?

Die Junioren sehen die Not. Sehen einen Ausweg und ich muss ihnen sagen, dass ich nicht kann! Verdammte Kacke…

… das Leben ist nicht fair. 

Einsamkeit, Gedanken, Gedicht, Kuddelmuddel, Kuddelmuddelgedankenkarussell

was sind Worte?

Kommen die Worte zurück?
Wann?
Wenn der Krieg Alltag ist?
Aber sind die Bilder
nicht stärker im Ohr?
Sehen Augen mehr, als
Gedanken fühlen?
Ist nicht jedes Wort schon gesagt?

Nicht nur ich habe meine Worte verloren.
Kann sie nicht finden.
Mag sie auch nicht suchen, aus Angst etwas aufzuspüren, was ich nicht entdecken will.

Meine Alltäglichkeiten erscheinen mir banal.
Hautausschlag – was ist das schon im Vergleich mit frierenden Kindern?
Aber es ist ja auch nicht mein Ausschlag!

Meine Urtikaria habe ich nicht gezeigt.
Habe sie versteckt – hinter der Fürsorge, hinter der Angst, hinter langen Ärmeln und unter Schuhen in dicken Socken.

Geht keinen was an, wem soll ich es auch erzählen – die meisten wissen doch auch nicht weiter.

© petra ulbrich