Behinderung

Stark

Carsten lebt die Leichtathletikweltmeisterschaft in Doha. Im wahrsten Sinne des Wortes. Er macht Weltmeisterschaft im Krabbeln. Durchs Wohnzimmer, um den Kamin herum und völlig aus der Puste am Sofa vorbei – Hinderniskrabbeln! Völlig euphorisch und außerordentlich stolz erzählt er von der Bahn eins und vom Hochsprung, den er leider mangels Flugkraft nicht antreten kann.

Aber der Stadionsprecher verkündet seinen Sieg und dabei sein ist alles …

Behinderung

morgens

Ich bin wach, bin schon lange wach und sollte/könnte eigentlich noch schlafen – so, wie meine Junioren. Ob mein Schlaf gut war? Keine Ahnung! Ob es der, der Junioren ist, weiß ich auch nicht. Es ist grau draußen. Heute ist zumindest kein strahlender Herbst. Wolken und Regen – ich müsste raus gehen, so könnten die innerlichen Tränen auch an die frische Luft. Dieses schlechte Gewissen, das ich ständig mit mir herumschleppe, obwohl Carsten, als auch Wiebke gerade gut versorgt und zufrieden sind – das schlechte Gewissen ihnen etwas vorzuenthalten, das kann mir niemand (ab)nehmen. Sie sollen etwas erleben und ich kann‘s ihnen nicht bieten.

Es ist ja schon wieder alles ambivalent. Beide erleben, machen, erfahren eine ganze Menge im Rahmen meiner und ihrer Möglichkeiten. Mir schwebt aber mehr vor. Bin ich größenwahnsinnig? Dabei möchte ich nur einmal mit ihnen frühstücken gehen. Was das für ein Aufwand ist, das können sich Eltern vorstellen, die kleine Kinder haben – aber sobald die Herrschaften wach sind, gebadet haben und angezogen sind, werde ich sie mir schnappen und unter Leute gehen. Aber erst gucken, ob sie überhaupt wollen …

Behinderung

manchmal möchte ich es auch

 Nein, nicht Wäsche zusammenlegen, obwohl das sicherlich nötig ist – nein, etwas anderes! Einfach abkotzen! Carsten hat es getan – nach längerer Zeit einmal wieder. Jetzt wird es eben eine Weile unseren Alltag begleiten. 

Wiebkes Ohrenschmerzen werden auch nicht wirklich besser. Sie ist sehr weinerlich, inzwischen mit erhöhter Temperatur und kalkweiß im Gesicht. Ich werde in erreichbarer Nähe auf dem Sofa schlafen, um schnell zur Stelle zu sein. Vermutlich wird die Nacht nicht nur um zwei Uhr routinemäßig geteilt. In der Zeit, da ich diesen Beitrag schreibe (bestimmt 3mal unterbrochen), habe ich im Kerlezimmer ein Schüsselchen deponiert: „Mama, ich glaube, ich muss mich übergeben!“ und beim Töchting heiße Tränen getrocknet. 

Hört das denn nie auf? Ich möchte mal wieder eine Nacht durchschlafen! Jede Nacht um zwei oder kurz vorher oder etwas später tappe ich und drehe Carsten vom Bauch auf den Rücken, damit er nicht wund liegt und Wiebke schiebe ich ins Bett zurück, damit sie nicht herausfällt. Meinen Kritikern würde ich diesen Job gerne einmal eine oder zwei Wochen überlassen…

… ich schicke es ab. Wiebke wimmert – sie braucht mich jetzt.