Kuddelmuddel

Regen fotografieren

Regenrinne

Eben wollte ich den Regen fotografieren, aber da habe ich bemerkt, dass ich meinen Fotoapparat gar nicht dabei habe – nach drei Tagen bemerkt! Meine Bilder sind im Kopf, sind da wo sie hingehören. Regen knipst sich nicht so einfach, ich lausche lieber. Heute Vormittag bin ich sehr nass geworden und hab’s genossen. Meine blanken Beine glänzten und unterm Regen hat niemand die einsamen Tränen gesehen.

Es war ein Versuch, ein guter Versuch allein zu reisen – ich werde es wieder tun, ich werde üben – ich bin nicht die einzige Reisende. Manchen fällt es leichter, mir fällt es verdammt schwer…

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Regen

Du gehst. Und der Asphalt ist plötzlich nass
und plötzlich ist das Grün der Bäume neu
und ein Geruch wie von ganz frischem Heu
schlägt dir in dein Gesicht, das heiß und blass
auf diesen Regen wohl gewartet hat.

Die Gräser, welche staubig, müd und matt
sich bis zur Erde haben hingebeugt,
sehen beglückt die Schwalbe, welche nahe fleugt,
und scheinen plötzlich stolz zu sein.

Du aber gehst. Gehst einsam und allein
und weißt nicht, sollst du lachen oder weinen.

Und hier und da sind Sonnenstrahlen, welche scheinen,
als ginge sie der Regen gar nichts an.

Selma Meerbaum-Eisinger

Veröffentlicht von piri

Ich danke fürs lesen. Hier gibt es die Möglichkeit etwas in den, wenn auch nur virtuellen Hut zu werfen. Herzlichen Dank! ✨ Ab sofort sind manche Kommentare geschlossen. Wer mag, darf mir gerne eine E-Mail schreiben.

5 Gedanken zu „Regen fotografieren“

  1. M. - K. sagt:

    Liebe Grüße aus dem Zug! Ich finde es klasse und mutig, dass Du alleine reist! Ja, manchen fällt es leicht(er), aber nicht allen.
    Du hast den Regen so schön beschrieben, wie Du ihn genossen hast.
    Ich habe auch genossen, einen aufregenden Städtetrip.
    Alles, was wir erleben, freiwillig, gewollt, mutig, bleibt uns erhalten, wenn wir in uns blicken. Du hast Deine Bilder in Dir. Die Tränen können sie nicht löschen, aber vielleicht sich neben sie gesellen. Ich kann nicht ermessen, wie es ist, so früh Witwe zu sein und ich habe keinen Trost für Dich dafür, aber ich finde Deinen Mut so klasse, mutig eben!

    1. C Stern sagt:

      Ich möchte M.-K.’s Worte unterschreiben, ich sehe Deinen Aufbruch auch als sehr mutig.
      Und Deine Gefühle kann ich sehr gut nachvollziehen. Es ist auch schwer, wenn man seine Erlebnisse, Erkenntnisse oder auch Abenteuer mit niemandem direkt teilen kann. Ich habe mich einige Male an Kinobesuchen allein versucht, mir fehlte aber jedes Mal der direkte Austausch nach einem Film.
      Ich wünsche Dir, dass Du jedenfalls weiterhin am Reisen dranbleibst. Irgendwie ist das Reisen im Außen auch immer eine Reise zu sich selbst, so jedenfalls ist meine Erfahrung!
      Herzliche Grüße!

  2. Elena sagt:

    Meine beiden Vorschreiberinnen M. K. und C Stern drücken so vieles so wunderbar und treffend aus.
    Ich finde es großartig, was Du machst! Du kannst und schaffst so vieles, bewundernswert, bleib Dir und all dem, was Dir wichtig ist treu; nun vor allem: genieße die Reise!

    Liebe Grüße
    E.

  3. ¨Marion Eve Stöckli sagt:

    Heutzutage wird so viel fotografiert: und dann wieder „deleted“. Erinnerungen im Herzen sind wertvoll und jederzeit abrufbar!
    Ein Bekannter, im Immobilienhandel tätig, hat mir erzählt, wenn immer eine Wohnung oder ein Haus „geleert“ werden muss, landen Foto Alben zuallererst in der Mulde!

    1. piri sagt:

      Diese Bilderflut – jetzt digital – ist gigantisch und macht mich irre.

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