Gedicht, Gedicht

Unterbrechung

Du sollst dich selbst unterbrechen

Zwischen Arbeiten und Konsumieren
soll Stille sein und Freude,
dem Gruß des Engels zu lauschen:
Fürchte dich nicht!

Zwischen Aufräumen und Vorbereiten
sollst du es in dir singen hören,
das alte Lied der Sehnsucht:
Maranata, komm, Gott, komm!

Zwischen Wegschaffen und Vorplanen
sollst du dich erinnern an den ersten Schöpfungsmorgen,
deinen und aller Anfang,
als die Sonne aufging ohne Zweck
und du nicht berechnet wurdest
in der Zeit,
die niemandem gehört
außer dem Ewigen.

Dorothee Sölle

Veröffentlicht von piri

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. Eine kleine Aufmerksamkeit bringt uns näher an unser großes Ziel!

3 Gedanken zu „Unterbrechung“

  1. Madddin sagt:

    Das ist ja schön!

    1. piri sagt:

      Gell, Dorothee Sölle sollte man tatsächlich öfter lesen.

  2. Der Emil sagt:

    Ich lese gerade ihr „Mystik und Widerstand“, mir war aber nicht klar, daß sie auch Gedichte schrieb.

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