Gedanken, Kuddelmuddel

geschrieben

Das schlimmste ist, dieses Alleingelassengefühl!

 Das habe ich in einem Kommentar geschrieben! Bei dem Beitrag ging es um verquere Umstände in einer Notaufnahme – niemand fühlte sich zuständig. So fühle ich mich, sehr allein gelassen, weil ich ja sowieso die Expertin für meine Junioren bin. Das empfinde ich als Hohn. So ähnlich wie Chefs ihre ungeliebten Mitarbeiter hochloben, nur damit sie nichts mehr mit ihnen zu tun haben.

Heute mache ich Pause. Heute möchte ich mich nicht kümmern, nicht um Magensonden, nicht ums Kotzen, nicht um den schiefen Hals der Pastorenfreundin, nicht um dreckige Teppiche. Heute möchte ich auch keinen Anruf aus der Lebenswerkstatt. Heute will ich mich noch mal ins Bett legen und an nichts denken. Ob es mir gelingt? Keine Ahnung! Denn eigentlich – da ist es wieder mein liebstes Füllwort – eigentlich sehne ich mich nach verständnisvollen Gesprächen.

∙∙∙∙∙·▫▫▫▫ᵒᵒᵒᴼᴼ ᴼᴼᵒᵒᵒ▫▫▫▫∙∙∙∙∙·

Lieber Mensch,
du hast alles falsch verstanden.
Du bist nicht hier, um bedingungslose Liebe zu meistern.
Die ist da, wo du her kommst und wieder hin zurück gehst.
Du bist hier, um persönliche Liebe zu lernen,
universelle Liebe, schmuddelige Liebe, verschwitzte Liebe,
verrückte Liebe, zerbrochene Liebe, ganze Liebe,
erhellt von Göttlichkeit.
Gelebt durch die Eleganz des Stolperns.
Offenbart durch die Schönheit des Versagens – meistens.
Du bist nicht hier, um perfekt zu werden. Du bist es schon!
Du bist hier, um menschlich zu sein,
fehlerhaft und fabelhaft..
um dann wieder in die Erinnerung aufzusteigen.
Aber bedingungslose Liebe? Erzähl mir nichts.
In Wahrheit braucht Liebe keine Adjektive,
keine Veränderungen, keine Bedingungen der Perfektion.
Es braucht nur, dass du da bist und dein Bestes gibst.
Es braucht nur, dass du präsent bleibst und alles fühlst,
dass du strahlst und fliegst und lachst und schreist,
dich verletzt und heilst und fällst und aufstehst und spielst
und arbeitest und lebst und stirbst als DU selbst.
Das ist genug, das ist viel!

Courtney A. Walsh

Veröffentlicht von piri

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

4 Gedanken zu „geschrieben“

  1. Pe sagt:

    Ich drücke dir die Daumen das es dir gelingt…
    Ja…. eigentlich mag ich auch Gespräche, aber (ich kann jedoch nur von mir ausgehen, ich bin allerdings auch etwas „komisch“ lacht) Gespräche führen ist manchmal auch anstrengend, also erst ausruhen… Kräfte sammeln…

    Liebe Grüße Pe

  2. Reni´s Odds and Sods sagt:

    C. A. Walshs Worte sind sehr schön und beruhigend. Sie haben mich nachdenklich gemacht.
    LG Reni

  3. Verwandlerin sagt:

    Großartige Worte von Walsh!

  4. SamyBee sagt:

    Bei dem Gedicht musste ich an alle meine kleinen und großen „Pflege-Fails“ denken.
    „Gelebt durch die Eleganz des Stolperns.
    Offenbart durch die Schönheit des Versagens – meistens.
    Du bist nicht hier, um perfekt zu werden. Du bist es schon!
    Du bist hier, um menschlich zu sein,
    fehlerhaft und fabelhaft…“
    Jedenfalls ist meine Leistung als pflegende Angehörige oft fehlerhaft, weil ich meine Erfahrungen noch sammeln muss. Und irgendwie auch ganz fabelhaft, weil ich Sachen leiste, die ich vor einem Jahr noch von mir gewiesen habe.
    Danke für das Gedicht ❤️

Kommentare sind geschlossen.