Behinderung

nicht können

Wie oft habe ich diesen Spruch schon gehört: •Ich glaube, ich könnte das nicht, was du tagtäglich machst!•

Was meint ihr? Könntet ihr euch vorstellen, das zu schaffen?

Veröffentlicht von piri

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

20 Gedanken zu „nicht können“

  1. Bea sagt:

    Ich würde das nicht wollen, für ein paar Wochen notfalls ja – mehr nicht. Ich will selber Leben.

    1. piri sagt:

      Ach, du meinst ich lebe nicht? Ich vegetiere dahin wenn ich meine Junioren versorge? Es ist okay, wenn man das, was ich mache – überhaupt Pflege – nicht machen will. Ich kenne Eltern, die können das nicht und ich verurteile niemandem deswegen.

      Eine weitere Frage drängt sich mir auf: ist das Leben meiner Junioren, überhaupt das von behinderten Menschen, nicht lebenswert?

      1. Bea sagt:

        Du hast nach den Meinungen deiner Leser gefragt, ich habe geantwortet. Wenn dir meine Meinung nicht zusagt, ist das ok für mich.

        Ich kriege nur mit, wie sehr du alleine mit 2 Schwerstbehinderten gestresst bist,
        ich schrieb nirgends, dass das Leben Behinderter Menschen nicht lebenswert ist, das war auch nicht deine Frage.

        1. piri sagt:

          Oh, oh, bitte nicht aufregen!

  2. Jane sagt:

    Nu, man muss das von zwei Seiten betrachten:
    Wenn man jetzt so einfach – schwupps – in diese, deine, Situation geworfen wird, dann ist das eine schier unlösbare Aufgabe.
    Wenn man aber, so wie du, da hineinwächst, dann kennt man es ja nicht anders. Die Automatismen entwickeln sich.

    Als außenstehende Person ist es immer schwer. Für involvierte Person ist es auch schwer, keine Frage, aber eben anders. Anders schwer …

    Der Ausspruch: – Ich glaube, ich könnte das nicht, was du tagtäglich machst! -, ist nichts mehr als eine Phrase. Die aber aber nicht negativ, sondern positiv behaftet ist. Sie soll ausdrücken, dass man größten Respekt vor deinem täglichen Alltag und den damit verbunden Schwierigkeiten hat.

    Ich könnte mir so ad hoc auch nicht vorstellen, dass ich das schaffen würde.
    Ich habe wirklich großen Respekt vor deiner Leistung!
    Und ja, es ist eine Leistung! Es gibt eben bestimmt auch viele, die zwar in diese Situation hineinwachsen, aber denen sie eben nicht gewachsen sind. Und daher das Handtuch werfen.
    Deine Junioren haben die beste Mama der Welt. (Eine Phrase – aber ernst gemeint und von Herzen kommend!)

    1. piri sagt:

      Danke für deinen so ausführlichen Kommentar! Ja, du bist nicht in der Situation und meine Frage ist auch hypothetisch. Was wäre wenn sind immer Fragen, auf die es nur momentbehaftete Antworten gibt.

      Danke auch für den Respekt – das weiß ich sehr zu schätzen!

  3. dergl sagt:

    Als eine, die den Spruch kennt (auch wenn Psychiatriepflege ein anderes Kaliber ist, aber es gibt genug Leute, die meinen Ist doch nur ein bisschen den „Psycho“ bespaßen): Ich weiß, dass ich behinderungsbedingt den körperlichen Aspekt nicht könnte. Rein vom psychischen Aspekt oder dem sogenannten „Mental Load“ her vermute ich, dass ich das vielleicht kurzzeitig (!) könnte, je nach meiner eigenen Verfassung. Weil ich eben durch M. erfahren bin und das weitaus mehr ist als „bespaßen“ (auch wenn das ähnlich wie bei euch vielleicht niemand sieht).

    Tauschen würde ich trotzdem nicht mit dir wollen.

    Generell empfinde ich persönlich diesen Spruch oft als abwertend. Er suggeriert, dass die zu pflegende/betreuende/begleitende Person bzw. Personen eine Belastung sei(en). Ich vermag aber nicht zu sagen, ob das den Leuten, die ihn sagen immer klar ist. Wahrscheinlich ist es eher „gut gemeint, aber nicht gut gemacht“.

    1. piri sagt:

      Ja, das ist so, wie immer! Gut gemeint, aber manchmal ist es eben nicht gut!

  4. isa sagt:

    Du fragst, ob es jemand könnte oder nicht. Wenn das Leben mich da hingeführt hätte, dann würde ich es können. Eben, weil ich es können wollte, so wie du auch. Ich würde da reinwachsen wie du auch und das Bestmögliche tun.

    1. piri sagt:

      Du sagst es. Genau so ist es!

  5. Leela sagt:

    „ich glaube, ich könnte das nicht“, las ich und betrachtete das Bild. Bunte Klekse und ein paar Striche… sieht gekonnt und interessant aus… aber vielleicht könnte ich das auch…
    Dann sah ich, dass es um etwas anderes geht… was sein musste, konnte ich immer und da war so manches Unschöne mit dabei… Könnte ich? keine Ahnung… aber was wäre die Alternative? die Kinder weggeben? Das könnte ich nicht… Also, was blieb übrig? ich müsste können. Die Frage würde sich erübrigen…

  6. piri sagt:

    Was wäre die Alternative? Ja, was? Der Gedanke gefällt mir nicht.

    Es gibt einen Spruch: Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben! Daran ist sehr viel Wahrheit!

  7. fundevogelnest sagt:

    Wie oft habe ich diesen Spruch schon gehört?
    Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich noch immer keine richtige Antwort weiß.
    Gemeint ist wohl, dass Respekt geäußert werden soll.
    Ankommen tut bei mir, dass meine Kinder eine Zumutung sind und ich selbst schuld bin mit ihnen zu leben.
    Und der oder die andere das auf keinen Fall wollen würde, sprich meine Kinder(oder zumindest das jüngere) schrecklich findet.
    Es ist ein Lob, das auf Distanz geht. Irgendwo habe ich tatsächlich noch einen halb fertigen Blogartikel, der diesem zweifelhaften Lob gewidmet ist, vielleicht sollte ich den mal fertig schreiben.
    Zu deiner Frage: Wären die Junioren meine Kinder, wäre ich ziemlich zuversichtlich es zu können. Auch wenn ich mir manches sehr verschleißend vorstelle.
    Wünsche einen schönen Mittsommerabend.

    1. piri sagt:

      Ein neues Wort hast du geschrieben: Lob, das auf Distanz geht, schreib den Beitrag fertig, je öfter darüber geredet wird, umso mehr ist dieses zweifelhafte Lob in den Köpfen und wird eventuell überdacht! Denn ein Wort ist schnell ausgesprochen und damit hat sich das Gegenüber gerechtfertigt und mögliche Hilfe wird im Keim erstickt.

      1. fundevogelnest sagt:

        Wird auf die To-Do-Liste gesetzt

        1. piri sagt:

          Super

  8. Pe sagt:

    Was ich darüber denke hast du oben bereits beschrieben …
    Und ja… so ist es…
    Du bist da „reingewachsen“
    Ich bekam früher auch oft zu hören „Ich könnte das ja nicht… sooo viele Kinder…“ und meine Antwort war immer „Ich habe sie ja nicht auf einmal bekommen, sondern nach und nach… Ich bin da reingewachsen“
    Und jetzt bekomme ich oft zu hören „Ich könnte das ja nicht, wie du mit deiner Krankheit umgehst…“ und nun antworte ich meistens „doch, das könntest du, denn der Mensch wächst mit seinen Aufgaben“

    Liebe Grüße an dich und die Junioren

    1. piri sagt:

      Es ist doch so: Wir tragen so viel, wie wir auch tragen können! Liebe Grüße auch an dich und alles Gute.

  9. christine b sagt:

    ich weiß es nicht, aber da ich meine kinder liebe wie du deine, würde ich alles versuchen, dass ich es kann, dass ich sie versorgen kann und alles andere tun, was wichtig für die junioren ist.
    aber ich denke, die müdigkeit und erschöpfung wäre zum teil gast bei mir und glaube, ich bräuchte jemanden, der mich öfter mal ablöst und ich mal einen tag weg kann um abzuschalten und mich zu erholen.

    1. piri sagt:

      Müdigkeit und Erschöpfung sind, je älter ich werde, immer stärker präsent. Liebe ist aber der größte Antriebsmotor und das hilft über so manch schwere Phase hinweg.

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