Fragen, Gedanken, Kuddelmuddel

Schiete

Angst haben wir alle. Der Unterschied liegt in der Frage wovor.

Wenn ich denn wüsste wovor? Wenn ich beschäftigt bin, viel zu tun habe und nachdenken kann um Dinge, die wichtig sind, dann habe ich kaum Angst. Wenn ich nachdenke um des Nachdenkens willen, dann beschleicht sie mich und setzt sich fest.

Heute, über Mittag war die Pastorenfreundin da und wir waren lange draußen und sind mit den Junioren und deren Rollstühle spazieren gegangen. Unsere Runde war groß. Durch die Weinberge zum Wald, an den Schrebergärten vorbei zum See und zurück! Es war schön – wenn auch nicht körperlich anstrengend für mich, so suchte doch die ältere Frau eine Gesprächspartnerin. Sie hat ebenfalls etwas Angst – aber greifbare – sie wird morgen früh am Auge operiert! Es ist mir immer recht, wenn andere mein offenes Ohr suchen, dann brauche ich nicht über mich und meine Sorgen reden, geschweige denn nachdenken. Jetzt sitze ich hier, habe die ausstehenden Rechnungen bezahlt und kann in meinen Körper hineinhorchen. Nicht gut, gar nicht gut! Seit Tagen bahnt sich eine Blasenentzündung an, seit heute Morgen tuts richtig weh.  In Krankheiten verdrängen bin ich groß, das habe ich hervorragend von meiner Mutter gelernt – sie war Weltmeisterin darin. Ob sie wohl auch diese Ängste hatte? Ich bin ihr sehr ähnlich. Nicht nur äußerlich, auch vom Wesen her. Dieses zu erkennen, macht mir auch Angst. Aber, so hat mir eine Psychologin gesagt, ich soll nicht versuchen, genau das Gegenteil von ihr zu machen, denn das würde gehörig in die Hose gehen.

Ich merke gerade, dass ich vom Hölzchen aufs Ästchen zum Stöckchen komme und mich verzettele, mir meine Angst selbst aufbaue und wie ein Puma im Käfig im Kreis herumlaufe. Stopp! Es ist noch Kuchen da …

Veröffentlicht von piri

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

8 Gedanken zu „Schiete“

  1. Katrin sagt:

    Das ist komisch mit der Angst. Wenn ich arbeite, viel Stress habe, kann ich fröhlich sein, aber kaum habe ich freie Tage, beginne ich zu denken und bin traurig, ja, und dann ist da auch die Angst. Vielleicht sollten wir gar nicht soviel über große Dinge denken, sondern Schritt für Schritt unsere kleinen Dinge tun, und Tag für Tag erleben. Ich versuch das manchmal. Klappt nicht immer. Möge es dir schnell wieder gut gehen. Katrin

    1. piri ulbrich sagt:

      Wahrscheinlich stehen wir damit nicht alleine da – es geht bestimmt vielen ähnlich! So, wie du mir gute Zeiten wünscht, wünsche ich dir sie auch.

  2. Reiner sagt:

    Angst ist, solange ich denken kann, mein ständiger Begleiter. Schon lange habe ich aufgegeben, nach Ursachen zu forschen, möglicherweise steckt ein vererbtes Trauma oder ein Geburtstrauma dahinter. Unwichtig, weil nicht rückgängig zu machen. Mir hilft Vertrauen. In den großen Plan, den ich weder kennen noch verstehen muss. Gottes Wille eben.

    Lieben Gruß.

    1. piri ulbrich sagt:

      Gottes Wille – ich bin Christin, aber ich denke, dass Gott bei meinen Ängsten nur sehr peripher eine Rolle spielt!

      1. Reiner sagt:

        Das ist es ja, ER ist nicht bei dir, bei mir, wenn die Angst so groß ist. Das liegt aber nicht an IHM, sondern an uns. Wir entfernen uns von IHM, nicht umgekehrt.

        1. piri ulbrich sagt:

          Da sind wir nicht alleine. Sogar Jesus am Kreuz hatte Angst! Ich finde immer wieder zu Gott, das ist ein Trost.

  3. dergl sagt:

    Ich kann nur von mir sprechen und was für mich passt, muss für irgendwen anderes längst nicht passen: Ich kenn das. Ich hatte das eine zeitlang, trotz medikamentöser Begleitung (also verschrieben) auch, aber in der Variante, dass es immer um dieselbe Uhrzeit in etwa aufgetreten ist. Ich bin dann in einer Akutphase in die Peer-to-Peer-Beratung der Deutschen Angstselbsthilfe gegangen (die machen das online, kann man sich auf der Homepage registrieren und dann geht das auch per Mail) und die Frau, die mir da zugeteilt wurde hat mir ein paar für meine damalige persönliche Situation sehr hilfreiche Hinweise gegeben. Die helfen mir immer noch gut.

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