Kuddelmuddel

Sonntagsvermissen

Mein Töchting singt. Ich sitze hier, hab acht gespannt, dass sie ruft, um aufs Klo gesetzt zu werden. Sie einfach nehmen, geht nicht – denn dann macht sie sich steif und einen steifen Menschen, kann man sehr schwer tragen, auch wenn sie nur 26 kg wiegt. Wenn sie denn aber ruft, muss ich schnell sein, sonst kann es sein, dass das Bett nass ist.

Okay, das geht euch nichts an. So vieles ist eine andere Routine bei uns/mir. Ob ich es mit meinen Beiträgen vermitteln kann, weiß ich nicht. Es ist in jedem Fall nur eine Momentaufnahme.

Es ist schon so lange her, dass mein Mann noch lebte und doch vermisse ich ihn gerade Sonntagmorgen sehr. Ob er das Töchting geschnappt hätte? Vermutlich auch nicht. Er hätte sie fröhlich singen lassen. Ihre Stimmung kann nämlich von einer Sekunde auf die andere umschlagen. Dann weint sie herzzerreißend und sagt aber nicht, was ist. Dann überkommt sie ein Schmerz – manchmal ein körperlicher, weil eine unbedachte Bewegung weh tut oder ihr eine Spastik in die Glieder fährt. Sie dann trösten zu können, ist nicht einfach. Wiebke ist unberechenbar. Sie hat den richtigen Namen dafür: Wiebke kommt unter anderen auch von Wigburg und das heißt: Die Unbezwingbare! Da kommt mir die Frage in den Sinn – hat nicht jeder den Namen, den er verdient und verkörpert der Name nicht auch ein bisschen dessen Inneres?  Oje, was treibt mich an diesem Morgen um! Demnach müsste ich ein Fels sein – aber ich komme mir eher vor, wie eine die sehr bröckelig ist […]

it’s Klotime!

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

5 Gedanken zu „Sonntagsvermissen“

  1. Karfunkelfee sagt:

    Für Deine Kinder bist Du der Fels in der Brandung.
    Die zerbrechlichen Felsen dieser Welt wirken nur deshalb
    so unzerstörbar, gewaltig und unverrückbar auf uns,
    weil wir anderen Wesen ihnen gegenüber
    schwach, klein und vergänglich sind.

    Petra ist ein Name für eine Felsin.
    Nomen est omen.
    Mein Name bedeutete: Blumen im Haar.
    Er war mir so dermaßen fremd, dass ich
    ihn für mich selbst ablegte.
    Meine Mutter wollte mich Amélie nennen.
    Mein Vater war dagegen. Nicht deutsch genug.
    Amélie ist der Name, den ich in mir fühle und
    endlich auch lebe.
    Namen sind wesentlich.

    Sei lieb gegrüßt

    Amélie

    1. piri ulbrich sagt:

      Danke Amélie oder Karfunkelfee? Stimmt, Namen sind nicht Schall und Rauch. Namen sind wesentlich, schreibst du! Ja, Namen machen auch das Wesen aus. Herzlichen Dank für diesen Denkansatz!

  2. dergl sagt:

    Deine Gedanken, ob man nicht immer den Namen hat, den man verdient und ob er nicht etwas vom jeweiligen Inneren verkörpert ist interessant. Ich glaube, dass der Name eine:n prägt. Man bekommt einen Namen, der hat eine Bedeutung (ob die den Namensgebenden, meistens denn Eltern, bewusst ist, ist eine andere Sache) und das formt den Charakter oder die Eigenschaften irgendwie. Ich habe mal ein Namensbuch aus Großbritannien besessen, wo der Name, der in meinem Pass steht so von der Bedeutung her erklärt wurde: She who is born to command. Und damals, das ist etwa 20 Jahre her, habe ich gedacht, wie bescheuert ich das finde, denn wer will schon qua Geburt dazu prädestiniert sein, andere zu scheuchen?! Ich habe “command” mit “kommandieren” übersetzt. Dann hat eine Freundin, die aus den USA kam, damals (!) schon gesagt, dass ich zu plump übersetze. Wer etwas “kommandiert”, der:die führt auch und Führung kann positiv sein. Ich kann den Namen nicht ausstehen, er existiert nur auf dem Papier, aber mir hat man immer wieder, egal ob in der Schule, im Beruf oder in der Selbsthilfe, in irgendwelchen Gruppenarbeiten, als ich noch Moderatorin auf einer Webseite war, als ich die Blog noch hatte, jetzt bei der Fernbeschulung – egal wo gesagt, ich sei eine außergewöhnlich fähige, kompetente, weitsichtige und faire Führerin. Also irgendetwas wird da wohl dran sein, vermute ich.

    Sprich dir dein Fels-Sein mal nicht klein bitte. Es kommt doch vor, dass auch mal an Felsen etwas abbröckelt, aber der Fels trotzdem fest verankert stehen bleibt.

  3. christahartwig sagt:

    Eine sehr berührende Momentaufnahme.
    Liebe Grüße.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.