Behinderung, Gedanken

was tun?

Noch haben wir etwas Zeit bis die Lebenswerkstatt wieder öffnet, aber soll ich in diesen Zeiten die Junioren hinschicken? Carsten hat schon signalisiert, dass er nicht möchte! „Wenn ich denn geimpft wäre, dann wäre das kein Problem. Aber ich habe Angst!“ Das sagt ein mehrfachbehinderter kleinwüchsiger Mann, der auf dem Rollstuhl sitzt und Freunde in der Werkstatt hat, die er schon lange nicht gesehen hat. Wiebke sagt gar nichts, sie zieht sich mehr und mehr zurück.

Die Einrichtung schreibt, sie hätte ein gutes Hygienekonzept – hat sie sicherlich auch, aber die Diskussion über einen weiteren Shutdown geht natürlich an behinderten Menschen nicht spurlos vorbei. Zumal besonders der Kerle zur Hochrisikogruppe gehört, aber dennoch nicht gleich geimpft wird. Hier im Landkreis haben noch nicht einmal die Impfzentren geöffnet. Ich bin unsicher, was ich entscheiden soll! Einerseits ist es gut, wenn die Junioren einen strukturierten Tag haben – so etwas gibt Sicherheit und die Eintönigkeit wird unterbrochen. Andererseits ist es ein Risiko – von dem die Verantwortlichen der Werkstatt sagen, dass es keins ist, weil das Konzept ein gutes sei. Ich weiß es nicht! Meine Tendenz geht dahin, die Junioren daheim zu lassen. 

[…]

Husten ist festverankert und das Gedankenkarussell dreht und dreht und dreht sich munter weiter. Wir haben bislang immer noch einen Weg gefunden … 

Veröffentlicht von piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

7 Gedanken zu „was tun?“

  1. dergl sagt:

    Klappt das mit Carsten und Videotelefonie überhaupt nicht? Wenn du ihm das einrichtest und einloggst, dann ist das doch gar nicht so anders wie ein Film auf dem Tablet, oder? Klar ist das vielleicht nicht möglich, wenn er mit anderen Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung quatschen mag, aber vielleicht gibt es ja irgendwen anderes, mit dem er gern mal ne halbe Stunde quatschen würde, so dass er sich ein bisschen weniger isoliert fühlt. Wenn es gar nicht anders geht. Ich weiß, dass das kompliziert ist, wenn er aber so Sehnsucht nach Kontakten hat (verständlicherweise) und gleichzeitig Angst vor Infektion (verständlicherweise) könnte es vielleicht minimaler Notbehelf sein. Es bringt ja auch nichts wenn er hingeht, sich ehrlich freut alle wiederzusehen und dann wieder nach Hause geholt werden muss, weil sein Magen vor Angst nicht so will, wie er soll.

    1. Gudrun sagt:

      Die Gedanken hatte ich auch schon. Ich wusste nicht, wie ich es schreiben soll. Danke.
      Vielleicht sollten wir es einfach ausprobieren, auch auf die Gefahr hin, dass es erstmal schief geht.

      1. dergl sagt:

        Bitte. Das müssten piri und Carsten, sofern er sich drauf einlässt vielleicht wirklich einfach probieren. Isa, weiter unten, hat da auch schöne Ideen. Vielleicht geht dann mit ein bisschen herumprobieren auch etwas für Carsten, falls er mag und sich drauf einlässt.

  2. Gudrun sagt:

    Eure Situation macht mich richtig hilflos. Es ist schwierig, etwas zu finden, wo man dir einpaar Freiräume schaffen kann und den Junioren kleine Erlebnisse.
    Ich kann nur wünschen, dass wir durchhalten und nach den Impfungen neu überlegen.
    Grüße ins Dörflein.

  3. isa sagt:

    Wenn Carsten das für sich entscheidet, dann ist das erst mal so. Er will sich schützen und muss die ihm bekannten Fakten abwägen. Die Sicherheitsmaßnahmen erlauben ihm ja auch in der Werkstatt nicht den nahen Kontakt mit seinen Freunden. Ich fände es eine gute Idee, wenn die Werkstatt einen virtuellen Raum einrichten könnte, wo Mitarbeiter*innen den Kontakt mit daheim gebliebenen und auch den unter Freunden ermöglichen könnten.

    In den Kitas waren auch viele Kinder traurig und allein. 2/3 müssen zuhause bleiben, weil die Eltern keinen systemrelevanten Beruf ausüben. Da wurden Briefe ausgetauscht oder WApps, Skype Threema oder Signal einvernehmlich genutzt. Da gabs auch Aufgaben die zuhause gemacht wurden und dann virtuell gezeigt wurden. Möglich ist einiges, das haben viele Einrichtungen gezeigt. Warum also nicht auch in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Vielleicht hat das noch niemand ernsthaft geprüft und angeregt.

  4. freiedenkerin sagt:

    Ich denke, dass deine Tendenz, die Junioren zuhause zu lassen, die Richtige ist… Und die Idee mit der Videotelefonie finde ich auch gut.
    Liebe Grüße euch!

  5. M. - K. sagt:

    Den wünsche ich Euch, den Weg.
    Ich finde viele Anregungen hier gut, weiß aber, dass Du keinen Rat magst und kenne auch Eure Umstände dafür nicht.
    So bleibt es bei mir bei lieben Grüßen!

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