Kuddelmuddel

Leere Stühle

Überall leere Stühle. Im Lieblingscafé leere Plüschstühle gar und sowieso ist die Chefin nicht mehr da und ihr Mann, der etwas spröde, der kann auch kein Schwätzchen mehr halten. Das Töchting und der Kerle waren gern dort und Wiebke brauchte nicht bestellen, was sie wollte. Sie bekam es ungefragt! Jetzt stehen dort angekettete leere Stühle. Die Nachbesitzerin hat diese aufgehübscht und neu lackiert. Der Name hat sich geändert. Erst ein mal habe ich die Neue gesehen und sie sah sehr unglücklich aus. Sie stand am Fenster und guckte. Guckte einfach geradeaus ins Leere.

Die ehemalige Chefin sah dagegen, als ich sie im Laden traf, um einiges entspannter aus. Fast befreit und wie auf Wolken war sie unterwegs, nur kleine Mengen Milch, Joghurt, Käse und Brot zu kaufen. Sie hat losgelassen – rechtzeitig! Ihr geht es damit gut. Sie hat einen Job und ihr Mann wird einen finden, da ist sie zuversichtlich.

Zuversichtlich bin auch ich. Es wird sich alles fügen. Die Stühle werden zwar noch nicht so bald wieder aufgestellt, aber zumindest sind sie nicht weggeräumt. Carsten war gestern, nachdem er sein Anliegen erzählt und durchgesetzt hat, wie ausgewechselt. Als ob eine Last von seinem kleinen Körper gefallen ist. Er hat gelacht und sich ehrlich gefreut – nicht nur das pflichtbewusste Freuen, das wir normale Menschen von ihm erwartet haben. Wiebke ist lustig und fröhlich, macht Späßchen und schmeißt den Wasserball mal nicht in die Hände dessen, der ihn fangen soll, sondern ganz bewusst vor dessen Füße. Dann freut sie sich ein Loch in die Mütze.

Die leeren Stühle sind notwendig. Unsere Kontakte sind extrem reduziert. Es kommt nur noch die Pastorenfreundin. Wenn mir das zu viel wird, mache ich es wie meine Kinder – ich setze mich symbolisch auf einen anderen leeren Stuhl. Denn einer oder eine von uns Dreien findet immer einen in der Nähe der auch einsamen älteren Frau. Wie ich gestern schrieb: Wir richten uns häuslich ein. Manchmal muss man allerdings die Einrichtung ändern und Stühle verschieben, Nischen schaffen – immer wieder neue …

Wen ich schreibe, bleibt gesund, dann meine ich das nicht nur körperlich, sondern auch seelisch und geistig!

Veröffentlicht von piri

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein auch. -*-*-*-*-*-*-*-*- In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschaffen habe, anzuschauen. Dann geht's wieder ...

8 Gedanken zu „Leere Stühle“

  1. Grinsekatz sagt:

    Zuversicht. Das klingt doch gut. Die habe ich auch, Geduld wird gerade gelernt.
    Lieben Gruß!

  2. christahartwig sagt:

    Als Stuhl-Fetischistin sage ich: Stühle sehen leer meistens schöner aus als besetzt. Mit einem Stuhl kann man ein Zimmer möblieren. Gut, das ist ein bisschen übertrieben. Aber wenn Du in ein leeres Zimmer eine Kommode stellst, wirkt sie wie abgestellt, stellst Du einen Stuhl hinein, entsteht der Eindruck eines Gemäldes, der Anfang oder das Ende einer Geschichte, … Ich sollte Deinen Eintrag zur Anregung nehmen, und auf Foto-Tour gehen: Leere Stühle fotografieren.

    1. piri ulbrich sagt:

      Mach das und fotografiere. Ich bin mir sicher, dass viele verschiedene auftauchen.

    2. freiedenkerin sagt:

      Das ist eine hervorragende Anregung! Danke! Das Fotografieren leerer Stühle werde ich demnächst versuchen in die Tat umzusetzen…

      1. piri ulbrich sagt:

        Da freu ich mich auch drauf.

        1. piri ulbrich sagt:

          Super

  3. Paula sagt:

    Tja, soviel anders sieht’s in Hamburg auch nicht aus, nur ein paar mehr Leute auf den Straßen.

Kommentare sind geschlossen.