Frage | 27. April 17

Heute lasse ich Carsten fragen: Die Menschen trauen mir nichts zu. Alle gucken immer so komisch, entweder sehen  sie mich nicht, oder wollen mich nicht angucken.  Das ist sehr schade, denn ich habe viel zu erzählen.

Was meint ihr, gibt es immer noch Menschen, die denken, dass eine Behinderung ansteckend ist?

Veröffentlicht von

petra ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen.

Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die – ähm, wie heißt sie noch – die Dings, die… ömpf… die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

10 Gedanken zu „Frage | 27. April 17“

  1. Hallöchen ihr Lieben… das es ansteckend ist glaub ich nicht aber Viele Menschen interessiert nur der erste Blick … hinter die Fassade oder jemanden anzusehen bedarf einiges an arbeit. Dazu sind viele zu faul zu bequem zu oberflächlich. Es tut mir im Herzen weh das solche besondere Menschen nicht gesehen werden. Denn ich zum Beispiel finde sie wundervoll … viel interssanter als die Menschen ohne Behinderung. Sie betrachten das Leben so farbig während die anderen alles trist und grau erleben und auch Leben wollen. Lieber Carsten ich hab dir zwar noch nicht in die Augen geschaut aber ich finde dich jetzt schon toll.

  2. Nein, ich glaube nicht, dass jemand denkt, Behinderung ist ansteckend. Ich glaube eher, es ist eine Art Hilflosigkeit, wenn komisch geguckt wird, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. In unserem hektischem Alltag, bei dem alles höher, schneller, besser gehen soll, ist oft keine Zeit für das Innehalten und Einlassen. Und ja, es ist sehr schade, aber die wirklich wichtigen Menschen werden es tun.

  3. Lieber Carsten,

    deine Mutti hat dir bestimmt schon mal von der Frau erzählt, die immer wieder versucht euch zu helfen Helfer zu finden. Falls nicht, ich bin Ina und ich bin ein Jahr älter als deine Schwester Wiebke. Eigentlich sollte ich auch so alt wie Wiebke sein, aber ich wurde statt 1981 noch 1980 geboren und bei meiner Geburt haben die Ärzte einen Fehler gemacht. Deshalb habe ich eine Behinderung.

    Als ich ein Kind war war das ziemlich normal, dass ich gerne mit nichtbehinderten Kindern spielen wollte, die aber nicht mit mir, weil sie gedacht haben: „Dann kriege ich [also sie selber]das ja auch“. Mehr Mädchen als Jungs dachten das, deshalb habe ich auch mehr mit Jungs gespielt, die waren da offener.

    Das ist schlimm und ich hätte mir eigentlich gedacht, dieses falsche Denken hätte sich bis heute erledigt.

    Hat es leider nicht. Weißt du, auch das hat deine Mutti dir vielleicht erzählt, in mein Kunstatelier kommt nachmittags immer ein gehörloser Junge, weil der nicht im Hort dabei sein kann, weil dafür keine Gebärdensprachdolmetscher bezahlt werden. Seine Eltern sind dann noch auf der Arbeit und sein kleiner Bruder bei einer anderen Frau. In seiner Familie sind alle gehörlos. Aber die Kinder möchten auch gerne etwas mit hörenden Kindern zusammen machen. Das ist gar nicht so leicht. Es gibt nämlich Kinder, die das auch möchten, zum Beispiel Fußballspielen oder Trommeln und Fußballbilder tauschen, also Sachen wo man gar nicht so viel reden muss, die das von ihren Eltern aus aber nicht dürfen, weil die Eltern denken, dass wenn die Kinder ein paar Gebärden lernen, dann verlernen sie das reden mit der Lautsprache. Das stimmt natürlich nicht. Es würde nur bedeuten, dass nicht immer ein Erwachsener zum Dolmetschen dabei sein muss. Alle Kinder finden es gleich doof wenn sich immer ein Erwachsener einmischt und alles kontrolliert, egal ob mit oder ohne Behinderung. Aber es ist genau so ein Irrglaube wie dass einige Menschen immer noch denken, man ist als behinderter Mensch anstecken.

    Es grüßt dich (und deine Mutti und deine Schwester)

    Ina

    Das ist hoffentlich Carsten-verständlich geschrieben und kann so weitergerecht werden

      1. Bitte. Auch wenn mir nicht bewusst ist, dass ich da irgendwas geschrieben habe, dass ich nicht schon irgendwo gesagt hätte. Ist wahrscheinlich leicht zu überlesen und vergessen (auch nicht schlimm), denn ich mache das ja eher so nebenher.

  4. Mein Sohn ist Autist und hat das in der Schule heftig zu spüren bekommen. Einige seiner Klassenkameraden waren stark genug zu akzeptieren, daß er anders ist als die meisten Kinder, anderen war es egal, wieder andere haben ihn nicht in ihrer Nähe geduldet, wenn er ihre Kreise störte. Am übelsten haben ihm jüngere Schüler unterer Klassen mitgespielt, die plötzlich ein ‚Opfer‘ hatten, das älter und größer war als sie selber und an dem sie ihren Frust ablassen konnten, den sie aus ihren mutmaßlich kaputten Familien mitbrachten – so stelle ich es mir zumindest vor. Behinderte stellen eben oft, wie auch andere schwächere oder wehrlose Menschen, eine Art Bltzableiter dar, die selber auch schwach sind.

  5. Hallo Carsten,

    ich glaube nicht, dass sie denken, die Behinderung sei ansteckend. Sie glaube
    eher, dass den (vermeintlich) Gesunden eine Unterhaltung mit Ihnen zu kompliziert ist und nicht in ihren Zeitplan passt. Außerdem fühlen sie sich unsicher. Das ist schade. So entgeht ihnen eine Menge!

    Sie könnten sich wahrscheinlich auch nicht mit Steven Hawking unterhalten, was genauso schade wäre.
    Sie, Carsten, befinden sich also in guter Gesellschaft!

    Viele Herzliche Grüße
    Katrin

  6. hallo carsten,
    ja es ist wirklich schade und echt traurig, dass viele menschen wegsehen und sich nicht einlassen auf dich, du hast sicher sehr viel interessantes zu erzählen. das entgeht den leuten dann.
    ich denke, die meisten menschen haben einfach keine erfahrung mit menschen mit behinderungen, sie wissen nicht, was sie erwartet, wenn sie sich auf ein gespräch einlassen. sie wissen nicht, wie sie reagieren sollen, sie sind sozusagen unsicher und unbeholfen und haben auch angst, was falsch zu machen.
    deshalb lassen sich wohl viele gar nicht auf ein gespräch ein, ihnen fehlt ein bisschen mut für etwas, das sie nicht kennen. jammerschade ist das.
    ganz liebe grüße an dich! christine

  7. Viele Leute haben es sehr gerne, wenn sie die Menschen ganz bequem in Schubladen stecken und vereinheitlichen können. Jemand mit Behinderung passt nicht in ihr Schema F. Das verunsichert sie. Ich denke schon, dass es immer noch Menschen gibt, die glauben, dass eine Behinderung ansteckend sein könnte, doch die sind ziemlich dumm, finde ich.
    Herzliche Grüße!

ich freu mich über Kommentare