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Frage | 11. September 17

Fragezeichen Wie weit bist du bereit Kompromisse zu machen? Was würdest du für jemanden, eine Sache oder eine Idee aufgeben?

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Montagabend » « George Moustaki

10 Kommentare

  1. Ich halte Kompromisse für ein recht schweres und oft ziemlich privates Thema. Frage Zwei: Ich musste und zum Teil ist das ein nie endender, andauernder Prozess all das aufgeben, was mir meine Herkunftsfamilie in den ersten zwanzig Jahren mitgegeben und „gelehrt“ hat – für mich selber. Sonst wäre ich vermutlich mit Anfang zwanzig verreckt. Zur Erinnerung/Erklärung (ich weiß nicht ob die die diesbezüglichen Artikel bei mir kennst), ich kam ja nun von einer reletiv ideologischen Schule und nicht wenige derjenigen, die mit mir zusammen den Abschluss gemacht haben wurden gar nicht mehr 20, weil uns keiner beigebracht hatte außerhalb dieses Systems zu überleben. Ergebnis: Drogentote, Suizide und Sektenbeitritte, weil wir nicht klarkamen und es für uns keine Hilfe gab. Manchmal wundert es mich immer noch, dass gerade ich – das einzige Mädchen jener Abschlussgruppe – noch da bin.

    • Was ist denn das für eine Schule, die dazu führt, dass massenweise die ehemaligen Schüler am täglichen Leben scheitern?

      • Ich wurde von meinen Eltern auf eine Privatschule gegeben die sehr rigide Rollenvorstellungen hatte. Zum Beispiel wurden Mädchen eher in Haus- und Handarbeiten unterrichtet, denn in üblichem Sachwissen und den Jungen wurde von Anfang an eingetrichtert „Mit Geld und euren Zeugnissen geht alles, ihr seid die Größten.“ Ich war in meinem Jahrgang das einzige Mädchen, das mit den Jungen die Mittlere Reife machte. Tja und wenn du da raus kommst, dich für King Louie hältst und die Realität sagt dir zum Beispiel, dass dein Privatschulabschluss gar nicht als Schulabschluss anerkannt wird (muss nämlich nicht anerkannt werden), dann stehst du da und bist eigentlich in derselben Situation wie ein Sonderschüler oder zum Teil auch Hauptschüler, nur halt mit größerem Ego.

        Ich bin nach heutigem Wissenstand die einzige weibliche Abgängerin meines Jahrgangs, die Berufsabschlüsse vorweisen kann. Für die Mädchen „war klar“, Lebensziel hat zu sein gut zu heiraten, Kinder, Küche, Schlafzimmer.

        Das ganze war übrigens nicht billig, in so weit kann man da schon von elterlicher Ideologie im Sinne von um jeden Preis an uralten Rollenbildern festhalten sprechen.

        • Kann ich sehr gut nachvollziehen. Und da das die ganze Kindheit war,hängt das an einem wie ein schwerer Rucksack. Ich war 10 Jahre in einem Verein, der ähnliches denkt. Als Erwachsene.
          Ich habe aber nichts gegen Menschen, die genau diese Ideologie leben und damit sehr glücklich sind. Aber wenn es einem gezwungenermaßen übergestülpt bekommt, ist es sehr schwer sich davon zu lösen, es hat geprägt.
          Liebe Grüße und alles Gute für dich
          Weena

          • Es gab keine freie Entscheidung für die Kinder. Das wurde von ziemlich früh an aufgeteilt: Hier sitzen Jungen und lernen diesen Stundenplan und hier sitzen Mädchen und lernen jenen. Es wurde auch nicht gerne gesehen, wenn sich das in den Spielpausen vermischt hat. Wenn Gesellschaftsspiele waren ja, aber nicht wenn man draußen gespielt hat. Das gab richtig Ärger. Damals gab es die Fernsehsendung „A-Team“ und ich habe das immer mit den Jungs gespielt, wenn wir raus durften, da wurden wir zum Lehrer und mit dem zum Direktor geladen. Das machen Mädchen nämlich nicht…

  2. Kommt auf die Person drauf an. Für einen Partner, den ich liebe, kann ich große Kompromisse machen, auch manche Idee oder Gewohnheit aufgeben, aber niemals mehr mich ganz. Für eine Nachbarin, die ich nur vom Treppenhaus kenne, sehr viel weniger.

  3. Früher hätte ich gesagt, daß ich für eine ganz bestimmte Person alles aufgegeben hätte.

    Hab es sogar versucht.

    Heute will ich unter allen Umständen ich bleiben.

  4. Auf keinen Fall gebe ich mich und meine Selbständigkeit auf solange ich gesund bin. Alles andere kann ich so allgemein nicht beantworten.

  5. Die Frage kann ich nicht allgemein beantworten, es gab und gibt Kompromisse in meinem Leben, ich bin ja nicht auf einer einsamen Insel, will ich auch nicht. Ich glaube, ich orientiere mich an dem, was ich für menschlichen Fortschritt halte, um zu gutem Leben beizutragen. Aber es gibt ethische Grundsätze, die sind nicht verhandelbar.

  6. Das kann ich Dir nicht sagen. Ich handele aus meinem Bauch heraus, sogar, wenn ich es für nötig erachte wider meine Vernunft. Ich mache das sowohl von menschen als auch Situationen und Umständen abhängig, in wie weit ich bereit sein kann Kompromisse einzugehen. Manche Kompromisse oder für andere aufgegebene Träume würden mir erheblich schaden. Wenn ich krank werde, funktioniere ich nicht mehr (auch nicht für andere!) und dann hat die Vernunft den Vortritt.

ich freu mich über Kommentare

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