Wo bist du?

Ich weiß, dass du nicht auf dem Friedhof bist. Ich weiß, dass du mir nicht helfen kannst. Aber wo bist du? Ich suche dich! Und ich finde dich nicht. Am Anfang warst du im Regentropfen, der in der Tanne hing, du warst im Staub, der im Haus herumwirbelte. Auf dem Mark Knopfler Konzert, ein Dreivierteljahr nach deinem Tod warst du im Blättermeer dabei. Irgendwann warst du verschwunden, hast dich aus dem Staub gemacht und meine Sehnsucht wuchs. Dann haben mir Menschen gesagt, dass es nun an der Zeit wäre, das Trauern einzustellen und ich hatte noch gar nicht richtig anfangen können.

Im Ehebett konnte ich nicht schlafen, deine Seite war so leer – im neuen Bett kann ich nicht schlafen, deine Seite gibt es nicht mehr. Du bist mir abhanden gekommen. Wann? Wo? Was waren die Umstände?

Natürlich vermisse ich deine Berührungen, die Streitgespräche, dein Zuhören, auch deine Hilfe fehlt mir sehr – aber deine Wärme, deinen mir nicht immer verständlichen Witz, das vermisse ich noch viel mehr. Sind es die kalten Nächte, die einsam machen oder sind es die einsamen Nächte, die sie so kalt erscheinen lassen?

Wo bist du? Bist du in meinem Herzen? Dann hast du dich gut versteckt! Bist du in meinem Kopf? Dann dreh dich doch nicht immer im Kreis und guck mich endlich einmal an, damit ich Abschied nehmen kann…

Veröffentlicht von

piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

5 Gedanken zu „Wo bist du?“

  1. …….ich glaube wenn es für zurückgebliebene hin und wieder Zeichen gebe würde wären wir damit nicht zufrieden und wollten mehr. So wie piri beschreibt es fehlt an Wärme an witzige Sprüche, es fehlt so viel zu viel wird vermisst was vorher einfach da war.
    Aber Zeichen würden nicht weiterhelfen ……ich glaube wir wollten dann immer mehr.

    1. Da bin ich mir nicht sicher! Wichtig ist doch trauern zu können und wenn man das nicht kann oder darf, dann ist die Sehnsucht grenzenlos. Ich jedenfalls, muss mit einem Kapitel abschließen, bevor ich das neue beginne – und leider bin ich noch nicht fertig, habe kaum begonnen, zu trauern!

      1. Bei diesem Thema wäre es schön wenn man sich gegenübersitzen könnte. Dann würden die Sätze mit Mimik und Stimmlage eine andere Bedeutung bekommen als hier schwarz auf weiß.

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