Wenn,

…, ja dann!

  • dann hätte ich morgens keine Bauchschmerzen mehr.
  • dann würde jetzt die Sonne scheinen.
  • dann täte ich im Bett liegen und schlafen – so, wie es die Junioren tun.
  • dann würde ich andere Lieder singen.
  • … keine Gedanken darum machen, wie ich Helfern Absage, ohne dass sie sich gekränkt fühlen. (Was brauche ich Helfer, wenn die Herrschaften das Bett nicht verlassen wollen.)
  • dann hätte ich kein schlechtes Gewissen. Ich mag die Menschen und würde sehr gerne Zeit mit ihnen verbringen, aber ich fühlte mich verpflichtet, die Junioren aus den Betten zu holen – rechtzeitig, damit ich den „Ablauf“ nicht störe.
  • dann bräuchte ich nicht mit der Helferin – weil ich ganz bestimmt für den Nachmittag nicht absage – MenschÄrgereDichNicht spielen.
  • dann wären meine unruhigen Beine bereit zu tanzen.
  • dann hüpfte mein Magen, anstatt schwer da zu liegen.
  • dann hätten wir Kuchen, am liebsten fette Sahnetorte.
  • dann gäbe es etwas sehr gesundes zum Mittagessen.

Aber die Angst hat mich einmal wieder mehr als nötig in Griff und statt, dass sie mir Flügel verleiht, verteilt sie sekündlich mehr und mehr Bleiperlen an meinen Körper.

Sonntagslesen

Ernesto Cardenal – Das Buch von der Liebe. Es entstand1957/58 in der Stille und Abgeschiedenheit eines Klosters in Kentucky. Die Betrachtungen gehören zu den schönsten in der damaligen lateinamerikanischen Dichtung und ich möchte sagen, sie haben an Schönheit nie verloren.

Schön ist es auch, dass ich es heute nicht gesucht, aber gefunden habe – in einer Ecke des Bücherschranks, in die ich sonst nie gucke.


Der Durst

Der Präriewolf, der einsam heult in der Nacht, heult nach Dir. Und nach Dir schreit die Eule, wenn sie schreit in der Nacht. Nach Dir gurrt sanft die Taube und weiß es nicht, und wenn das junge Kälbchen seine Mutter ruft, ruft es Dich. Dich ruft der Löwe, wenn er brüllt, und alles Quaken der Frösche gilt Dir. Die ganze Schöpfungruft Dich in allen Arten von Sprachen. Sie ruft Dich auch mit der Sprache der Liebenden und der Dichter und mit den Gebeten der Mönche.

In den Augen aller Menschen wohnt eine unstillbare Sehnsucht. In den Pupillen der Menschen aller Rassen, in den Blicken der Kinder und Greise, der Mütter und liebenden Frauen, in den Augen des Polizisten und des Angestellten, des Abenteurers und des Mörders, des Revolutionärs und des Diktators und in denen des Heiligen: In allen wohnt der gleiche Funke unstillbaren Verlangens, das gleiche heimliche Feuer, der gleiche tiefe Abgrund, der gleiche unendliche Durst nach Glück und Freude und Besitz ohne Ende. Dieser Durst, den alle Wesen spüren und von dem auch im Gleichnis von der Samariterin am Brunnen gesprochen wird, ist die Liebe zu Gott.

Um dieser Liebe willen werden alle Verbrechen begangen und alle Kriege gekämpft, ihretwegen lieben und hassen sich die Menschen. Um dieser Liebe willen werden Berge bestiegen und die Tiefen der Meere erforscht, für sie wird geherrscht und intrigiert, gebaut und geschrieben, gesungen, geweint und geliebt. Alles menschliche Tun, sogar die Sünde, ist eine Suche nach Gott, nur sucht man Ihn dort, wo er am wenigsten zu finden ist.

Darum sagt der Kirchenvater Augustinus: »Suche, was du suchst, aber nicht dort, wo du es suchst.« Überall suchen wir Gott, auf Festen und Orgien und Reisen, in Kinos und Bars, und doch finden wir Ihn einzig und allein in uns selbst.

in jedem Innern leuchtet die gleiche Flamme, brennt der selbe Durst […]

Ernesto Cardenal


über: fotoblog | voller worte

Es ist bäh (Originalton Carsten) und es ist kuschelig in der Wohnung – vorzugsweise im Bett …

Wennˋs nicht flutscht, dann flutscht es nicht

Schon gestern habe ich überlegt, was ich schreiben soll und gestern ist mir schon nichts eingefallen, außer dieser Kopfschmerzengeschichte, die mich mit der chronischen Sinusitis sowieso den ganzen Winter plagt. Ist langweilig; genauso wie der Pickel auf der Nase, der aussieht, wie eine Hexenwarze…

Ich stecke mal wieder in einer Zwickmühle. Egal, was ich mache, alles ist grottig! Das Wetter ist es, weil es nicht richtig regnet und nicht richtig schneit – spazieren gehen ist abgesagt! Der momentane Roman ist es, weil ich nicht 10 Minuten am Stück lesen kann, denn einer der Junioren hat immer einen Wunsch. Verständliche Wünsche, richtig gute Wünsche, Wünsche, die keinen Aufschub dulden. Wenn Wiebke aufs Klo muss, dann ist das nötig. Wenn Carsten etwas trinken will, dann ist das sogar mehr als nötig, es ist wunderbar erfreulich – ich muss nicht bitten und betteln, dass er etwas trinkt, er will es aus freien Stücken und selbst. Wie kann ich da dickfellig sitzen bleiben und Romane lesen? Ich komme nur nicht wieder rein, ins Geschehen der verzwickten Geschichte!

Grottig ist das Licht am Himmel – da hilft nur: Eier kochen, duftendes Badewasser für die Herrschaften einlassen, Kerzen anzünden und auf dem Wohnzimmerteppich Picknick machen. Sonntaggrottentag muss nicht schlecht sein!