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Sonntagslesen

Ernesto Cardenal – Das Buch von der Liebe. Es entstand1957/58 in der Stille und Abgeschiedenheit eines Klosters in Kentucky. Die Betrachtungen gehören zu den schönsten in der damaligen lateinamerikanischen Dichtung und ich möchte sagen, sie haben an Schönheit nie verloren.

Schön ist es auch, dass ich es heute nicht gesucht, aber gefunden habe – in einer Ecke des Bücherschranks, in die ich sonst nie gucke.


Der Durst

Der Präriewolf, der einsam heult in der Nacht, heult nach Dir. Und nach Dir schreit die Eule, wenn sie schreit in der Nacht. Nach Dir gurrt sanft die Taube und weiß es nicht, und wenn das junge Kälbchen seine Mutter ruft, ruft es Dich. Dich ruft der Löwe, wenn er brüllt, und alles Quaken der Frösche gilt Dir. Die ganze Schöpfungruft Dich in allen Arten von Sprachen. Sie ruft Dich auch mit der Sprache der Liebenden und der Dichter und mit den Gebeten der Mönche.

In den Augen aller Menschen wohnt eine unstillbare Sehnsucht. In den Pupillen der Menschen aller Rassen, in den Blicken der Kinder und Greise, der Mütter und liebenden Frauen, in den Augen des Polizisten und des Angestellten, des Abenteurers und des Mörders, des Revolutionärs und des Diktators und in denen des Heiligen: In allen wohnt der gleiche Funke unstillbaren Verlangens, das gleiche heimliche Feuer, der gleiche tiefe Abgrund, der gleiche unendliche Durst nach Glück und Freude und Besitz ohne Ende. Dieser Durst, den alle Wesen spüren und von dem auch im Gleichnis von der Samariterin am Brunnen gesprochen wird, ist die Liebe zu Gott.

Um dieser Liebe willen werden alle Verbrechen begangen und alle Kriege gekämpft, ihretwegen lieben und hassen sich die Menschen. Um dieser Liebe willen werden Berge bestiegen und die Tiefen der Meere erforscht, für sie wird geherrscht und intrigiert, gebaut und geschrieben, gesungen, geweint und geliebt. Alles menschliche Tun, sogar die Sünde, ist eine Suche nach Gott, nur sucht man Ihn dort, wo er am wenigsten zu finden ist.

Darum sagt der Kirchenvater Augustinus: »Suche, was du suchst, aber nicht dort, wo du es suchst.« Überall suchen wir Gott, auf Festen und Orgien und Reisen, in Kinos und Bars, und doch finden wir Ihn einzig und allein in uns selbst.

in jedem Innern leuchtet die gleiche Flamme, brennt der selbe Durst […]

Ernesto Cardenal


über: fotoblog | voller worte

Es ist bäh (Originalton Carsten) und es ist kuschelig in der Wohnung – vorzugsweise im Bett …

Autor: piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

ich freu mich über Kommentare

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