Sonne und sonne

Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, wie Kinder Carsten anstarren! Sich lustig machen und lachen – Carsten auslachen!
Wenn dann noch die Mütter kommen und mich anmachen, weil ich ihren Kindern gesagt habe, dass Carsten kein Ausstellungsstück ist – ihre Kinder doch nur neugierig gewesen wären, dann ist dieser Schei.tag nur noch für die Tonne.

Dabei hatten wir gestern einen, der fröhlicher und schöner nicht hätte sein können – abgesehen vom Tatort und meiner erbärmlichen Dampflokschieberei, die heute in Atemlos durch den Tag begann und auch so endet!

Veröffentlicht von

piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

19 Gedanken zu „Sonne und sonne“

  1. Mein Sohn ist mal zu einem dunkelhäutigen Mann hingegangen und hat gefraft: „Wenn ich dir jetzt die Hand gebe, ist dann meine Hand so dunkel wie deine?“ Ich hab gedacht, mir bleibt das Herz stehen. Aber der Mann hat nur gelacht und gefragt, ob sie es mal ausprobieren sollen. Das haben sie dann auch. Und alles war gut.
    Warum reden diese Mütter nicht mit ihren Kindern? Warum erklären sie nichts? Warum geht keiner auf Carsten zu? Ich finde das so traurig. Und noch trauriger finde ich, wenn sich jemand über einen anderen erhebt und ihn auslacht. Da läuft schon in Kindertagen eine Menge schief.

      1. „Weil immer noch alle behinderten Menschen …“

        Das ist viel zu allgemein, ich denke nicht, dass alle behinderten Menschen so angesehen werden, auch da gibt es deutliche Unterschiede/Veränderungen.

        Es gibt behinderte Menschen, die sehen sehr anders aus, da kann so was leider immer mal passieren.

        1. Ich habe nicht von allen behinderten Menschen geschrieben und garantiert nicht verallgemeinert. Es liegt mir fern Menschen über einen Kamm zu scheren. Jeder ist eigenständig! Es darf jeder neugierig sein, sogar fragen – mich stört das nicht. Es stört mich das Gaffen und die Ignoranz.

          1. Ich verstehe gut, was du meinst. „Man darf neugierig sein, man darf fragen“. Ja, eben. Da liegt das Problem. Es gibt so viele Tabus bei uns und Sachen, wo man lieber nicht hinkuckt. Ich halte das für falsch. Wenn man redet und etwas kennt oder weiß ist es nicht mehr fremd.

            1. Alles hängt an der Kommunikation. Reden, reden, reden miteinander reden, das ist unglaublich wichtig. – Heute beim Arzt war eine Mutter mit einem kleinen Mädchen und diese war neugierig und hat gefragt, ohne Ende …

  2. Das genaue Gucken – das Hingucken, das so leicht wie Gaffen aussieht – könnte bei den Kindern auch eine Vorstufe zum Verständnis sein. Nur was ich wahrnehme, kann ich respektieren. Furchtbar ist aber, wenn das Hingucken dann nicht zum Fragen und zur Annäherung führt, sondern der ungewohnt aussehende Mensch mit Spott bedacht wird. Das ist ganz schlechte Erziehung, und da sind die Eltern in der Pflicht.

    Man kann an Reaktionen der Kinder auf Behinderte sehr gut ablesen, wie der Tonfall zu Hause ist. Mir sind zwei Standardbeispiele bekannt von Kindern, die meine rollstuhlfahrende Mutter zum ersten Mal sahen. Zwei Dialoge.

    Warum sitzt du in so einem Ding?
    Weil ich nicht laufen kann.
    Hast du dir weh getan?

    Da konnte man gleich wissen: Das Kind erfährt zu Hause echtes Mitleid, wenn etwas nicht so funktioniert wie gewünscht. Ein Kind, das so fragt, wird in den Arm genommen, wenn es sich wehtut.

    Warum sitzt du in so einem Ding?
    Weil ich nicht laufen kann.
    Hast du dich nicht genügend angestrengt?

    Wirklich, der Dialog fand statt. Ein Kind, das so reagiert, wird zu Hause wohl bei allem, was ihm nicht gelingt, ermahnt statt getröstet. Das ist furchterregend.

  3. Hallo Frau Ulbrich, Frsu Spies hat mir did. eine Anfrage geschrieben. Ich möchte mich gerne mit Ihnen unterhalten.
    Schreiben Sie mir bitte eine PN
    LG Kurt Freischläger

    1. Hallo Herr Freischläger, ich weiß nicht, wer Frau Spies ist – jedenfalls ist mir der Name gerade nicht geläufig – über meine Seite Impressum/Kontakt können Sie mir gerne einen längeren Text schicken, den ich dann aufmerksam lese. Momentan weiß ich nicht – sehen sie es mir nach – was wir reden sollen. Ich kenne Ihren Standpunkt nicht, bin offen für jeden Standpunkt, würde aber im Vorfeld mehr wissen wollen.

      Ich freu mich auf den Kontakt, piri ulbrich

  4. es muß so unglaublich schwer sein petra, wenn die menschen so auf die geliebten kinder starren… oft abschätzig wahrscheinlich.
    wann lernen menschen endlich auf menschen , die eben etwas „anders“ sind zuzugehen und einfach nur ganz normal mit ihnen umzugehen, sie nicht so zu behandeln als kämen sie von einem anderen planeten.
    da ist so eine schranke die überhaupt nicht sein müßte und die mir richtig weh tut, wenn ich das beobachte.
    alle haben sich gott sei dank daran gewöhnt dass junge gleichgeschlechtliche paare hand in hand gehen und sich küssen. behinderte werden noch immer angestarrt 🙁

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