Sie ist doch meine Mutter

Warum? Warum nur nimmt mich das so mit? Die scheinbare Lieblosigkeit, dieses Verhalten so ganz ohne Empathie? Ich kann sie nicht mehr ansehen, kann ihr nicht ins Gesicht gucken und es schmerzt mich, wenn andere Menschen mir in ihrem Beisein sagen, dass ich krank aussehe und sie nur mit der Schulter zuckt.

Welchen Knacks hat sie, den sie an mich weitergegeben hat?

Keine Regung – in keine Richtung! Sogar meine Bitte nach einem Gespräch überhört sie demonstrativ. Der feinfühlige Carsten will heim. Wiebke ist krank – soll ich sagen, zum Glück – denn so hat sie die Kraft zum zicken nicht. Denn das gäbe mir den Rest! Ich tanze eh schon auf dem Seil…

Ich schwanke zwischen Mitleid und Zorn. Warum ist sie so? Wir waren als Kinder immer gut gekleidet, hatten genug zu essen, wir hatten Freizeitaktivitäten und jede Menge Bastelzeugs, Stifte, Pinsel, Schnitzmesser und sonst so Zeugs. Aber eine liebevolle Umarmung? Fehlanzeige!

Kriegskinderkind bin ich und meine Geschwister, die allesamt auch einen gehörigen Knacks haben – jeder einen anderen und nur 2 von 6 gestehen sich das ein. Leiden die anderen nicht unter dieser Lieblosigkeit? Stimmt nicht, lieblos ist sie nicht – sie kommt aus ihrem Panzer nicht heraus und ich gehe nicht zurück in den Eiskeller, denn ich will nicht auch noch erfrieren …

Veröffentlicht von

piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

7 Gedanken zu „Sie ist doch meine Mutter“

  1. Wenn man es denn dann als Knacks bezeichnen mag, hat sie ihn nicht an dich weiter gegeben, denn du kannst oder möchtest reden, du kannst Liebe geben, wahrscheinlich, hat sie es nie selbst erfahren, in den Arm genommen zu werden. Ich würd jetzt gern dir gegenüber sitzen oder dich einfach mal in den Arm nehmen.

  2. Ich kenne diese Frau? Wenn ich deine Worte hier lese, dann weiß ich es nicht, ob ich sie wirklich kenne. Meine Krankheit und die vergangenen Jahre lassen Erinnerungen verblassen, ja es sind Momente da, aus der Schule, wenn sie mit deiner Schwester am schimpfen, nein eher diskutieren, weil alle werden gleich behandelt, auch ihre Tochter, war. Es war mir nicht bewusst, dass sie immer so gegenüber deiner Schwester oder euch allen war. In diesem Augenblick vermisse ich meine Mutter, die im April schon sieben Jahre nicht mehr lebt, noch mehr, die Gedanken an die Liebe die sie mir gab, Ich hätte dir gern von ihrer Liebe abgegeben, Wann willst du morgen fahren?

  3. Meine Eltern haben mich auch nie in den Arm genommen. Sie sind aber wahrscheinlich auch selber nie in den Arm genommen worden. Ich habe diese Kette zerschnitten und bin ein ganz großer In-den-Arm-Nehmer. Heute grolle ich meinen Eltern nicht mehr.

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