Pipi Langstrumpf

Schüchtern

Im Wohnzimmer der Familie Settergren saßen drei vornehme Damen und Thomas und Annika und ihre Mutter. Es war ein herrlicher Kaffeetisch gedeckt und im Kamin brannte ein Feuer. Die Damen plauderten ruhig und leise mitein­ander, und Thomas und Annika saßen auf dem Sofa und blätterten in einem Album. Alles war so friedlich. Aber plötzlich wurde der Friede gestört.
„Gebt Acht!“
Ein durchdringender Ruf kam aus der Diele, und im nächsten Augenblick stand Pippi Langstrumpf auf der Schwelle. Sie hatte so laut und so unerwartet geschrien, dass die Damen in die Höhe fuhren.
„Abteilung vorwärts marsch!“, ertönte der ­nächste Ruf, und Pippi ging mit taktfesten ­Schritten auf Frau Settergren zu.
„Abteilung halt!“ Pippi blieb stehen. „Arme vorwärts – streckt!“, schrie sie und ergriff mit beiden Händen Frau Settergrens eine Hand und schüttelte sie herzlich.
„Knie – beugt!“, schrie Pippi und machte einen schönen Knicks. Dann lächelte sie Frau Settergren an und sagte mit ihrer gewöhnlichen Stimme:
„Ich bin nämlich sehr schüchtern, und wenn ich mich nicht selber kommandiere, dann würde ich in der Diele stehen bleiben und nicht wagen hereinzukommen.“

Astrid Lindgren

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piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

6 Gedanken zu „Pipi Langstrumpf“

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