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Alltag, mal wieder

Wir sind wieder im Süden! Unser Alltag hat uns wieder. Ob Ulli das so profan wirklich wissen will?

Die letzten dreieinhalb Tage waren jedenfalls kein Alltag. Es waren schöne Tage, voller Harmonie und Gemeinschaft. Für mich waren es sehr anstrengende Tage mit einer An- und Abreise von jeweils fast 500 km. Wunderbar ist, dass die Junioren gute erfahrene Autofahrer sind und nicht an der ersten Ecke schon quengeln, wann wir endlich da sind. Es macht Spaß mit den beiden zu reisen.

Wegfahren sind meine kleinen Fluchten vom Alltag. Dabei hätte ich es Daheim bequemer, alles liegt da, wo es hingehört und Stufen haben wir nur vor der Haustür. Meine Mutter hat zwei Treppen im Haus und so trage ich mein Töchting, das 26kg wiegt am Tag mehrmals aufs Klo oder von einem Zimmer ins andere. Da ist der Kerle mit seinen 12kg ein Floh. Aber auch Flöhe wollen von A nach B.

Wir sind alle gerne in meinem Elternhaus. Es riecht ganz anders, überall sind kleine Kostbarkeiten. Kunstgegenstände, Kunstgewerbe, Patchworkdecken, Skulpturen von uns Kindern. Webarbeiten, die wir Kinder gemacht haben liegen ganz selbstverständlich als Teppiche herum. Unsere Bilder hängen an den Wänden, auch die der Enkel. Dennoch ist nichts zugemüllt und chaotisch. Ein Künstlerhaus! Manchmal sehne ich mich nach diesem Alltag zurück. In so mancher Ecke saßen wir Geschwister zusammen und malten, werkten, töpferten, und zeichneten. Ja, wir schneiderten sogar unsere Kleidung und strickten, häkelten …

Diese Geschäftigkeit vermisse ich hier. Dieser Alltag ist so ein ganz anderer. – Ich liebe sie beide nicht immer – ich brauche die Fluchten, um geerdet zu werden und zu wissen, zu spüren, was ich habe!

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keine Internetverbindung

Ich schaue den Wolken nach. Bediene meine Herrschaften. Unterhalte mich mich der großen Mutter und versuche immer wieder einmal zu lesen. Zumindest die Adventsgeschichte mit der ungeduldigen Fliege und der faulen Spinne.

Es ist für mich sehr ungewöhnlich, dass ich nicht geschminkt bin – ich komme mir auch sehr entblößt vor – aber meine geschundene Augenhaut dankt es mir.

Hier ist es still – zwar mit mordsmäßiger Arbeit – ich überlege noch ein paar Tage zu schwänzen. So wohl gefühlt, hab ich mich lange nicht.

viel zu früh

Der Wecker klingelt viel zu früh um halb sechs! Ich war grade wieder eingeschlafen – heute Nacht musste ich Carsten 2mal umdrehen und Wiebke zurück ins Bett schieben. …und dann konnte ich nicht wieder einschlafen.

War halt wieder lustig, der Morgen!

Gleich geht’s auf die Straße, auf die Autobahn Richtung Norden – immer geradeaus, bis zum Rattenfänger. Ich freue mich auf meine Stadt!

The Doors


Meine Augen sind immer noch dick, inzwischen juckt das ganze Gesicht. Meine Ohren sind gut – ich schwelge in Erinnerungen.

Robert

»Ich bin nicht nur überzeugt, dass das,
was ich sage, falsch ist,
sondern auch das, was man dagegen sagen wird. Trotzdem muss man anfangen, davon zu reden.«

Robert Musil

Genau, denn wer redet, der kann zwar etwas falsch machen. Aber immerhin wird was getan. Denn, wer nichts sagt, der hat schon von Vornherein alle Chancen verspielt. 

Sie fliegen – die Brillen und die Uhren. Rollstühle – ja, gleich alle beide – müssen angepasst werden. Wiebkes Sitzschale seit ca. sechs Wochen! Carstens neuer Rollstuhl – endlich ist er da – nur rudimentär. Flugbrillen deswegen, weil der fahrbare Untersatz dann nicht sitzbar ist. Den Frust kann ich verstehen…

Sie fliegen – die Vögel. Zum Futterhäuschen, das inzwischen gut gefüllt ist. Nachbars Katzen scheuche ich vom Acker und sie fauchen mich an, als ob ich Teufels Großmutter wäre. 

Sie fliegen – die bunten Blätter, die letzten im Jahr. Der Wind treibt sie übers Feld. Zusammen mit den trüben Gedanken Wehen sie davon.

Der fliegende Robert ist eh von gestern.


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