Nichts hält mich auf

Lange Nächte ohne Wege, keine Treppe irgendwohin – floaten im Salzwassertank, imaginäre Himmelslichter sehen und die dummen Sprüche überhören.

Diabetikerromantik ist, so weiß Gott, nicht meine. Auch nächtliche Suchaktion einer Hubschrauberbesatzung und Zimmerausleuchtung, weil der hiesige Juwelier ausgeraubt und die Diebe flüchtig sind, brauche ich nicht. Über den Dächern schwebt keine Nachtigall, stattdessen wabert der Muff längst vergangener  guter Zeiten und morgens singt keine Lerche ihr Liebeslied. 

Nachts sind Gedanken auf Achse – hier, nicht anders, als Zuhause. Ich denke in Worten und male damit Bilder, die Jackson Pollock Konkurrenz machen. Wirr, bunt, scheinbar ohne jegliche Struktur   – ich werde sie entschlüsseln! Nur heute nicht mehr, heute mache ich schwarz, lasse meine Seele frei und hoffe darauf, dass mich morgen jemand erkennt. 

Kurgeschichten

In mir schlummert eine russische Seele, zumindest eine melancholische!

Hier ist ein Patient, ein russischer Arzt, der wunderbar singt und dazu Klavier spielt – seine Lieder berühren mich, auch wenn ich die Texte nicht verstehe. Ich sehe die Taiga vor meinem inneren Auge, die Weite, die Tundra und den Kaukasus, spüre die Wehmut und bin wieder gefangen in meinen Gefühlen. Ist es gut? Ist es schlecht? Es ist, wie es ist!

Mein psychischer Zustand gleicht dem einer Achterbahnfahrt, auch deswegen, weil Wiebke blockt und ich aus der Entfernung nichts machen kann – mein Mutterherz blutet, mein schlechtes Gewissen schreit …

Gekuddelmuddelt

Wassertropfen habe ich im Ozean gezählt – jeden einzelnen und es war keiner zuviel.
Asteroiden sah ich fliegen am Rande des Universums. Jetzt sitze ich in der Wüste und bade meine Füße im endlosen Sand.

Es ist alles so weit weg – wenn ich mir diesen Stern hole, ist er vielleicht schon erloschen. Sein Licht, das jahrhundertelang auf dem Weg gewesen ist, hat keinen Anfang mehr. Mein Ritt auf dem Vulkan zum Ende des Regenbogens endet jedoch nie.
In diesen Nächten, in denen der Sommer an die Tür klopft, in diesen Nächten kann alles und nichts geschehen.