Liebenzeller Terrassengeschichten

Mitternacht ist längst vorüber, Heinz Rudolf Kunze singt für mich schon seit mindestens 2Stunden und ich frage mich: Was will ich eigentlich? Wer bin ich? Bin ich wirklich die, die ich vorgebe zu sein?

Mit der Gewissheit, dass ich endlich meinen toten Mann loslassen muss, gucke ich in den wolkenverhangenen Nachthimmel, sehe kurz die ISS aufblitzen, winke gedankenverloren nach oben, bete bittend um mein Seelenheil und einen Schlaf voller süßer saurer Gurkenträume. Nachts ist es gar nicht so still und dunkel, wie man immer meint …

… und so

Heimat ist da, wo sich das WLAN automatisch verbindet!

Wie sehr vermisse ich das Internet? Ach, schon sehr.  So ganz ohne, fühle ich mich ein wenig wie im Tal der Ahnungslosen. Ich kann die elektronische Tageszeitung nicht lesen; weiß nicht, wer gestorben ist und ob schon wieder eine Skulptur aus den heimischen Weinbergen gestohlen wurde. Dass die Welt nicht untergeht, merke ich hier auch und der „smarte amerikanische Präsident“ ist auch im schwarzen Wald ein Twittermann, der nicht ernst zu nehmen ist. Viel mehr kriege ich nicht mit und wer was wo Zuhause im Rathaus macht, ist meilenweit entfernt. Schade!

Hinterwäldlerisch finde ich das und ein bisschen auch bevormundend, dass eine Kurklinik für erwachsene Menschen kein Internet anbietet. Deutschland ist eh auf diesem Gebiet Entwicklungsland.

Ja, ja – ich soll mich erholen! Tue ich doch; aber dumm sterben, will ich trotzdem nicht….

Himmel die Berge

Warum sind die Junioren nur so weit weg? Warum achtet dort, wo sie sind, niemand darauf, dass sowohl Carsten, als auch Wiebke seit Tagen nicht (Vorsicht ein heikles Thema) abgeführt haben. 

Eben ruft mich die diensthabende Ärztin an, dass der Kerle, laut Patientenakte, überhaupt noch keinen Stuhlgang hatte und er sehr unruhig sei. Meine Güte – meine Befürchtungen bewahrheiten sich wieder. Dabei habe ich mir so gewünscht, Unrecht zu haben! Zugenommen hat er auch noch kein Gramm, abgenommen hat er 500g. Sche.ße, Sche.ße, Sche.ße! Vermutlich hat er auch noch eine Blasenentzündung. Einmal in seinem ganzen Leben hatte er bis dato eine  – und dann geht er zur Kur, wo er aufgepäppelt werden soll und wird krank. 

Ich habe große Lust da hin zu fahren! Mensch, das sind Fachleute, eine Spezialkurklinik für behinderte Menschen und dann kommt so was. Ich könnte kotzen.  

Aufgehängt

Menno, was bin ich platt – ich wurde durchs Terrain gejagt, war in der Muckibude (was nicht so mein Ding ist), habe Gymnastik im Wasser gemacht, bekam eine Wärmepackung, einen Vortrag über Demenz (niemand pflegt hier seine Kinder) und zu guter Letzt bin ich auch noch aufgehängt worden – im Schlingentisch – und das war richtig gut. Mein Betonschulterbereich dank!

Jetzt gucke ich Fußball – liegend, den Kopf leicht geneigt, damit er nicht so tief fällt, wenn ich in Morpheus Arme sinke…