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außerplanmäßig

Angst, nackte Angst packt mich, wenn ich Carsten angucke! Heute Vormittag hab ich ihn wieder abholen müssen. Dabei wollte ich was ganz anderes berichten – über Verkäuferinnen, die die Kunden nur als leidiges Übel betrachten. Aber das scheint mir jetzt so banal und überflüssig, soll’n sie doch!

Die Angst um Carsten ist so groß, dass ich heute Nacht gucken musste, ob der Kerle noch atmet. Gestern wollte er schon nicht mit seiner Dienstagsgruppe in die Stadt, dass er daheim blieb und Wiebke allein ging und erst einmal süße Milch mit Honig trinken musste. Heute hat er (ich empfinde es als eine Unverschämtheit von ihm, gewollt oder nicht gewollt, tut nichts zur Sache) auf den Esstisch in der Werkstatt gekotzt. Zwar noch bevor das Essen da war, aber immerhin mit dem Erfolg, dass er, weil er umgezogen werden musste, nichts essen brauchte.

Der Kerle sieht aus wie der Leibhaftige und ich habe wahrhaftig Angst, dass er mir wegstirbt. (so nun ist es raus und ich kann eine Runde heulen). Die Astronautenkost mag er auch nicht mehr, wenn er daran riecht, wird es ihm schon schlecht. Normale (das soll jetzt nicht zynisch klingen) Magersucht ist schon schwer, aber einem behinderten Menschen beizubringen, dass er essen oder wenigstens trinken muss, um nicht zu sterben, ist eine harte Nuss.

Carsten macht nur ein bedröbeltes Gesicht, leidet und ich leide mit. – Es ist zum Kotzen!

Entschuldigt, dass ich unter diesen Umständen noch weniger in anderen Weblog lesen oder gar kommentieren kann. Tut mir leid!

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starke Worte

… aber, ob es etwas bringt?

Ich hasse telefonieren. Punkt, aus, Komma – aber ich habe gestern sehr viel Zeit am Telefon verbracht, sogar freiwillig. Habe mit einer Mitarbeiterin vom Sozialen Dienst der Werkstatt gesprochen und vereinbart, dass wir uns kommende Woche zusammensetzen, habe mit der Geschäftsführerin der hiesigen Lebenshilfe telefoniert, mit der Leiterin der Diakoniestation und mit der Dame der Krankenkasse. Bin keinen Deut weiter gekommen, habe eher noch Rückschritte machen müssen, denn die Klinik an der Ostsee, von der ich dachte, dass diese etwas für die Junioren wäre, machen keine Reha sondern nur Vorsorgekuren (was immer das auch heißen mag); sie können essgestörte kleinwüchsige Menschen im Rollstuhl nicht aufnehmen.

Mir ist übel. Mit Kopfschmerzen habe ich mich wieder ins Bett gelegt, nachdem die Junioren einigermaßen munter in die Werkstatt gefahren sind.

Ich will nicht – genau, ich will etwas nicht – ich will nicht alleine zur Kur fahren, während Carsten und Wiebke nur versorgt werden, zumal ich diesen ganzen Bohei gemacht habe, damit die beiden zur Kur fahren – und nicht ich! Außerdem möchte ich (ihr lest die Relativierung) in keine Kur für pflegende Angehörige, weil ich mich dort nicht richtig aufgehoben gefühlt hatte. Ich gehe natürlich, auch deswegen, weil ich mich einmal zu jeder Mahlzeit an den gedeckten Tisch setzen möchte und das genieße. Wenn, ja wenn es eine Kur für Mütter wäre, die ihre Kinder pflegen, dann würde ich nicht so ein großes aber haben. Aber die Problematik der alten Pflegebedürftigen liegt mir ferner, als pubertierende 13jährige …

Mal sehen, was der Tag heute bringt – wir werden sehen!

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