Normalität

Manchmal merke ich schon meinen bildungsfernen Hintergrund, aber ist es tatsächlich eine intellektuelle Leistung verschrobene Sätze zu schreiben, die ich nicht verstehe? Anscheinend ist es auch normal, oder modern, oder was auch immer, Halbsätze zu verfassen. Literarische Freiheiten, die aber zu lesen nicht einfach sind. Mag auch sein, dass ich zu alt für diese Texte bin, sind sie doch meistens von Menschen geschrieben, die meine Kinder sein könnten. Da scheint der Zug an mir vorbeigefahren zu sein. Mir fehlen vollkommen die letzten Generationen der schulischen Bildung.

Das bedaure ich sehr!

Manchmal wird auch mit vielen aufgeblasenen Worten stark verklausuliert, was ich (zugegeben, ich verbrenne mir da oft die Zunge) mit einem Satz geschrieben hätte. Viel heiße Luft! Mich schrecken lange Romane und mich schrecken ellenlange Blogartikel – es sei denn, sie sind gut gegliedert und in einer relativ einfachen Sprache geschrieben, die auch ich verstehe. Gegen solche Beiträge habe ich nichts. Leben und leben lassen.

Wer mit behinderten Menschen lebt, weiß, dass es sehr viel schwieriger ist, die Dinge einfach auszudrücken, als mit Fachausdrücken und Fremdwörtern um sich zu schmeißen.

… und jetzt fallt über mich her, nennt mich rückständig und borniert – damit kann ich leben. Diese Sprache verstehe ich!

Veröffentlicht von

piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

8 Gedanken zu „Normalität“

  1. Auf keinen Fall falle ich über dich her, ich stimme lieber mit ein in dein Lied. Ich mag schnörkellos und verständlich. Ich habe mich schon oft gefragt, ob ein Gedicht, neben Essays, (denn da fällt es mir noch ganz besonders auf) dadurch ein gutes wird, das es möglichst gedrechselt daherkommt.
    herzliche Grüße, Ulli

    1. Mit Worten spielen – und ich hoffe, das merkt man bei mir auch – ist ja etwas wunderschönes. Doch manchmal kann man derer auch zu viele benutzen, besonders dann, ˋwenn scho alls gˋschwetzt isˋ und man nur mit anderen Worten weiter labert.

  2. Eigentlich müsste ich hier ja jetzt wütend mit dem Fuß aufstampfen, weil ich mich ja auch (manchmal zumindest) zu denen zählen kann, über die du hier in deinem Blogpost schreibst. Aber erstens ist das dein Empfinden, das ich natürlich respektiere, und zweitens ziehst du ja die beste und einzig wahre Schlussfolgerung: Leben und leben lassen. Wer jemand anderem reinreden will, erkennt nur meistens selber nicht, wie sehr er im Unrecht ist.

    Deswegen klatsche ich eher Beifall, als über die herzufallen. Wenn überhaupt gibt es einen Punkt, bei dem ich dir aufs Heftigste widersprechen möchte: Ich erlebe dich keineswegs als „bildungsfern“!

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