Kurzsehen oder Brille suchen

Ich habe das Glück kurzsichtig zu sein. So kurzsichtig, dass ich ohne Brille Bekannte und Freunde auf der Straße nicht erkenne; was mir oft schon den Vorwurf der Hochnäsigkeit eingebracht hat. Vorteil ist, dass, wer von meiner Sehschwäche weiß, das akzeptiert und ich denen, auch wenn ich sie erkenne, aber im Moment nichts sagen möchte, einfach aus dem Weg gehen kann. – Ich bin ja kurzsichtig! Ein weiterer, viel schönerer Vorteil ist, dass ich so im Bett ohne Brille lesen kann. An die Halbbrillen meiner Altersgenossinnen kann ich mich nicht gewöhnen und auch meine Gleitsichtbrille fliegt, sobald ich ein Buch in den Händen habe, auf irgendeinen Tisch, ein Regal oder sonstige Ablage. Nachteilig ist das nachkommende Suchen, wenn ich die Brille für ‚etwas in der Ferne’ brauche. Meistens weiß ich nur entfernt, wo ich das Ding hingelegt habe…

Seit neuestem habe ich eine randlose superschicke, sehr leichte Brille mit kaum Bügel; sprich: man sieht sie nur mit Brille richtig. Da müsste ich, um meine Brille zu finden, eine andere aufsetzen. Um diese aufsetzen zu können, müsste ich wiederum wissen, wo diese ist.

Jemand wohlmeinendes hat mir geraten doch ein Band an die Brille zu knüpfen, um diese dann bei Nichtgebrauchen um den Hals hängen zu haben. So würde ich mir die Sucherei ersparen… Einen entscheidenden Nachteil hat das aber: ich mag das Gebammelse nicht, es stört mich und obendrein gefällt es mir auch überhaupt nicht.

So halte ich es mit dem Spruch: Wer suchet, der findet!


Jetzt habe ich ganz was anderes geschrieben, als das, was ich ursprünglich wollte. Ich wollte von einem versenktem Buch erzählen – das tu ich dann ein andermal.

Veröffentlicht von

piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

5 Gedanken zu „Kurzsehen oder Brille suchen“

  1. Ich musste jetzt schmunzeln. Zu DDR-Zeiten waren die Telefonverbindungen oft grottenschlecht und ich habe den schlechten Ruf auch noch verstärkt. Wenn eine ganz bestimmte Verwandte anrief, habe ich immer in den Hörer gebrüllt: „Hallooooo? Wer ist denn da? Ich höre nichts.“
    Brille am Band wäre auch keine tolle Lösung. Mein Gartennachbar hat sich schon zweimal gegen den Gartenzaun gelehnt und dabei seine umgehängte Brille zerknackt. Jetzt sucht er lieber.

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