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Krankenhausgeschichte

Wohlgemerkt, es ist eine Momentaufnahme und meine Junioren sicherlich ein Sonderfall, aber an der prekären Notaufnahmesituation ändert das nichts.

Wiebke ist sehr gut versorgt worden – sowohl hier Zuhause von der einfühlsamen Notärztin und dem Rettungssanitäter, als auch in der Notfallaufnahme des Krankenhauses. Trotzdem hätte ich mein Töchting nicht im Krankenhaus gelassen, so wie ich vor Weihnachten Carsten nicht dort lassen wollte! Weil es nicht genügend ausgebildetes Personal gibt – noch nicht einmal für normale Patienten, schon gar nicht, für so pflegeintensive Menschen, wie meine Junioren.

Medizinisch ist alles wunderbar gelaufen, es wurden sogar Untersuchungen gemacht, die (meines Erachtens) nicht zwingend notwendig waren – aber ich bin kein Arzt und kann die Ärztin im Krankenhaus verstehen, die noch nie etwas von einem Seckel-Syndrom gehört, geschweige denn einen Menschen mit dieser Behinderung gesehen hat. Menschlich war es auch völlig okay. Die wenigen Krankenschwestern mühten sich ab und haben wirklich ihr bestes getan. Leider habe ich mich dennoch oft sehr allein gelassen gefühlt. Zum Beispiel, als Wiebke plötzlich anfingt aus vollem Schwall zu kotzen. Nur gut, dass ich wusste, wo die Nierenschalen und die Tüten sind. Da saßen wir, beide vollgekleckert und stinkend und keiner kam, mir den Behälter abnehmen. Weil niemand Zeit hatte! Zum Glück ist nichts schlimmeres passiert – aber Wiebke im Krankenhaus lassen, zur Beobachtung, nein das wollte ich nicht. Das kann ich auch nicht! Carsten ist ja noch da. Er war allein und das am Vorabend seines Geburtstages – ich bin stolz auf den Kerle, er ist toll und hat das tapfer weggesteckt.

Die Thematik ist keine spezielle, auf uns zugespitzte; die Thematik betrifft alle – es fehlt an ausgebildeten Pflegepersonal. Besonders in der Notaufnahme sind sie hoffnungslos überlastet. Wenn dann auch noch Menschen mit Nasenbluten kommen, oder Besoffenen muss Blut abgenommen werden, oder andere Lappalien, dann kann es schon mal vorkommen, dass Fehler passieren. Bei uns sind keine geschehen, alles war passend. Auch deswegen, weil ich dabei war…

… ich stelle mir gerade vor, dass einer meiner Junioren dort alleine gelegen hätte!

Autor: piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

5 Kommentare

  1. Ihr habt das wirklich toll gemeistert, aber ich möchte deinen Gedanken dass im Krankenhaus alle überfordert sind aufgreifen. Eines kann ich dir versichern in Österreich ist das überhaupt nicht anders, zuwenig Personal usw.
    Ich kann einfach nicht verstehen wie man denken kann, dass die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung rentabel sein kann – nein, sogar sein muss – laut der Politik – das kann nicht und das wird nie funktionieren, und wenn, dann eben immer auf dem Rücken und zu Lasten der Patienten.

    Ach ich ärgere mich immer grün und blau über die Engstirnigkeit unserer Politiker…

  2. Warum soll das Krankenhaus kostendeckend sein? Ist es der Stuttgarter Tiefbahnhof? Und das ist nur eine Sache, während es im Gesundheitssystem um Menschen geht. Brauchen wir 200 Krankenkassen(mit Direktoren…) und Werbeabteilungen etc., oder würde man das Geld der Versicherten nicht besser für ausreichend bezahltes Personal und die achtsame Behandlung von Patienten ausgeben?
    Warum lassen wir uns zu Opfern von Lobbyisten und Funktionären machen?
    Ich wünsche Dir weiter viel Kraft, und vorallem Menschen, die sich ebenso nicht alles gefallen lassen und sagen wie sie es sehen.

    • So sehr ich diesen Kommentar auch schätze, so sehr habe ich damit auch Bauchschmerzen, weil ich nicht nachvollziehen kann, wer ihn verfasst hat.

      Als gebranntes Kind – es häufen sich auch hier im Blog wieder die Trollkommentare – bin ich nicht nur skeptisch, sondern sogar genervt von Fake-Adressen.

  3. Pingback: Kleinigkeiten – Fädenrisse

ich freu mich über Kommentare

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