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Kompromisslos gute Nacht

Jetzt geht’s schon wieder los und die Frau macht ihr Ding! Klar, natürlich, was fürˋn Ding soll ich sonst machen? So wird das nie was – was soll eigentlich was werden? Verbogen habe ich mich genug und manchmal so sehr, dass ich mich selber nicht mehr erkannt habe. Bin mit der Herde gerannt, habe mit den Wölfen geheult und – damit ich ja nicht auffalle – habe Dinge gesagt, von denen ich vermutete, dass mein Gegenüber es hören wollte, obwohl ich es gar nicht so meinte; und es kam mir nicht einmal als Lüge vor.

Nur habe ich mich dennoch unwohl gefühlt, weil ich nicht ich war, sondern jemand, von dem ich annahm, dass man es so von mir erwartete. Aber ich wurde akzeptiert. Der Preis ist mir zu hoch. Ich will mich nicht verstellen. Ich bin damit nicht zufrieden. Ich bin damit nicht glücklich. Ich fühle mich nicht wohl. Marionette, Mitläufer, Aufziehpuppe, ohne eigenes Denken, ohne eigenes sein, ohne Identität. Ich kann nicht lobhudeln, ohne es auch wirklich zu meinen. Ich kann nicht – nein, ich will nicht, mit Menschen zusammen sein müssen, nur weil sie mir gutes tun wollen und mich damit einengen. Ich bin kein Herdentier, bin kein Teamplayer. Ich schaff lieber für mich, was nicht heißt, dass ich egoistisch bin, denn mir liegt nicht so viel an mir. Ich bin schon altruistisch eingestellt und mein Hauptziel ist es, dass es allen gut geht. Aber nicht um den Preis, dass ich auf der Strecke bleibe, dass ich hinnehme, wenn jemand dumm daherschwätzt und sich mir die Zehennägeln kräuseln, wenn offensichtliche Dummheiten gemacht werden und ich diese stillschweigend hinnehmen soll.

Ich bin pragmatisch und jeder Schwulst geht mir gegen den Strich. Alles, was zu schön ist und zu verherrlicht, zu zu zu sehnsuchtsvoll, zu wünschenswert ist mir too much. Ich mag keine Rosamunde-Pilcher-Geschichten, keine Andrea Berg, Helene Fischer oder Zillertaler Schürzenjäger – das ist mir alles zu überkandidelt. Ich habe einen Anspruch an mich und an die Produkte (damit schließe ich Menschen ein) – ich mag es gut, mag“s nicht pompös und nicht zu bieder. Für mich ist das beste gerade gut genug. Ich brauche keine 10 Hosen, zwei reichen auch, aber die sollten dann gut sein und kein Schund. Ich mache keine Kompromisse mehr um der Kompromisse Willen. Ich bin unbequem. Bequem ist Mittelmaß. Mein Anspruch ist ein anderer. Ich will nicht alles, aber das was ich will, das will ich richtig.

Oh Himmel – ich hab mich wieder verrannt und ich weiß gar nicht, ob ich mich verständlich ausgedrückt habe und dieses Statement ist auch nur ein Teil von meinem Lattenzaun und mir. Vermutlich liest der eine oder die andere auch nur die Zwischenräume und der andere oder die eine, nur die Latten und jeder hat ein anderes Bild vor Augen …

Autor: piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

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