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Fortsetzung folgt

… und hiermit soll’s damit auch genug sein:


Am nächsten Morgen, ihr Vater lag, auch deswegen, weil er nicht mehr anders konnte, auf seinem Pflegebett im Wohnzimmer und rührte sich nicht. Wie auch, er war stocksteif. Sie hatte in der Nacht das Fenster aufgerissen, weil ihr der Gestank, der von dem alten Mann ausging, dermaßen auf die Nerven ging, dass sie höllische Kopfschmerzen bekam. Gestern Abend hatte sie noch versucht das Blut abzuwischen, war aber dann doch zu müde gewesen und außerdem, warum sollte sie, wegen diesem bisschen, sich mühsam aufrappeln, ins obere Stockwerk gehen, dort aus dem Badezimmerschrank einen Waschlappen nehmen, diesen mit warmen Wasser tränken und damit die Stichwunde am Hals ihres Vaters versorgen, wenn die Wunde sowieso von selbst aufgehört hatte zu bluten. Vergebene Liebesmüh, jetzt war es erst einmal an der Zeit das Fenster zu schließen, wenn sie selber nicht erfrieren wollte.

Dabei stolperte sie über das blutige Messer. Dieses Messer, das sie, als sie jung war und noch den Traum hatte, Metzger zu werden, für viel Geld gekauft und seitdem gehütet hat, wie ihren Augapfel – dieses Messer war durch das viele schleifen sehr dünn geworden, spitz und scharf und als ihr Vater nach ihr rief, wollte sie gerade Gulasch schneiden – zu fitzeligen Fleischstücken zerkleinern. Sie mochte es nicht, wenn das Fleisch so klein war, aber der Vater konnte schon lange nicht mehr mit Messer und Gabel essen, für ihn war ein Löffel völlig ausreichend. Als er so schrie, war sie so wütend gewesen, dass sie, als sie ins Wohnzimmer stürmte, gar nicht mehr realisierte, dass sie einen sehr scharfen Gegenstand in Händen hielt.

Mit der linken Hand umklammerte sie das Messer und mit der rechten griff sie nach dem Rumsahnestück, als sich ihr Vater mit einer unbedachten Bewegung aus dem Bett beugte und heraus fiel. Geradewegs ins offene Messer! Eine Sau, die abgestochen wurde, konnte nicht stärker bluten. Sie traf also keine Schuld. Wie sie diesen alten Mann allerdings zurück ins Bett gewuchtet hatte, fiel ihr auch, nach längerem nachdenken nicht ein. Jedenfalls lag er, jetzt am Morgen, wieder zugedeckt unter der Bettdecke. Bleich und kalt. So kalt wie sie und wenn sie sich nicht bald etwas anziehen und die Heizung aufdrehen würde, dann wären sie beide tot.

Regina, was hast du gemacht?, dachte sie. „Re gi na“, eine leise brüchige Stimme bahnte sich zitternd ihren Weg „Regina, mir ist schlecht!“

Hatte sie also doch nicht – wieder einmal – ganze Arbeit geleistet!

Autor: piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

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