eingeknickt und sonst so

Und kein gutes Gefühl dabei! Es ist nun, von Krankenkassenseite eine Anfrage an die einzige Kurklinik für behinderte Menschen, geschickt worden. Demnächst werden wir so zur Kur dürfen/müssen/wollen. Sehr glücklich bin ich darüber nicht. Auch wenn es tatsächlich zu einer Gewichtszunahme käme – es würde mich sehr freuen – so ändert sich hier Zuhause wahrscheinlich nichts.

Wiebke ist anscheinend traumatisiert. Sobald ich die Autotür öffne, egal bei welchem Fahrzeug, sitzt sie angespannt und ängstlich im Sitz und wird erst wieder lockerer, wenn sie auf ihrem Rolli hockt. Eine, ebenfalls behinderte, Mitfahrerin meint es gut und schnallt mein Töchting vorschnell ab (obwohl Wiebke das selber kann) – gestern kam es zwischen den beiden zu einem Streit. Der Busfahrer – der nichts vom Sturz wusste, weil ständig ein Wechsel ist – meinte etwas genervt: „Wiebke, S. meint es doch nur gut!“ Tja, da bewahrheitet sich der Spruch von gut gemeint und schlecht getan mal wieder… Keinem ist ein Vorwurf zu machen!

Veröffentlicht von

piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

4 Gedanken zu „eingeknickt und sonst so“

  1. Jeder erwartet, wenn es um die eigenen Sprößlinge geht, den idealen Erzieher, den idealen Pfleger, den idealen Lehrer, den idealen … Du hast die Situation im Bus erkannt. Nimm doch einfach die Hände der Freundin in deine beiden Hände, halte sie und sag ihr, dass deine Tochter Angst hat, wenn sie einfach abgeschnallt wird. (Oder so ähnlich, ich kenne die Beteiligten ja nicht.) Der Busfahrer bekommt es auch gleich mit und Wiebke spürt, dass nichts Beunruhigendes in der Situation ist. „Gut gemeint und schlecht gemacht“ finde ich eine Wertung, die keinen weiter hilft. Es geht nur gemeinsam.
    Ich wünsche mir sehr, dass ihr die Kur bekommt und dass du sie annehmen kannst, ohne Vorbehalte.

    1. Es ist keine Wertung, wenn ich davon schreibe, dass es gut gemeint ist und eine andere Wirkung eingetreten ist – es ist Tatsache. Aber darum geht es nicht, es geht um die Angst, die Wiebke hat und diese möchte ich aufheben …

      Zur Kur schreibe ich nichts, ist eh alles verfahren.

  2. na klar hat wiebke nun angst nach dem vorgefallenen.
    ein mulmiges gefühl hätte jeder andere auch.
    ich hoffe, die mitfahrende läßt jetzt nach dem streit das vorschnelle abschnallen und wiebke kann es wieder selber machen und du kontest die wogen glätten zwischen den beiden. irgendwann wird das unfallgeschehen wieder verblassen, hoffentlich bald!

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