noch mal Sehnsucht

Ich habe dich so vermisst, gestern, oder ist es schon länger her? Jedenfalls war es das, nachdem du von mir weggingst.

 Ich werde dich für den Rest meines Lebens vermissen. Aber,  du sollst wissen, dass ich nicht unglücklich bin – nur traurig.  Du warst ein Teil meines Glücks. Dafür bin ich dankbar, du wirst immer in meinen Gedanken sein! Mach dir keine Sorgen um mich, ich bin selber groß und lebe mein Leben in wechselnden Ringen. 

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No

Nöö, ich mag grad keine Geschichten erzählen – lieber lesen, aber auch da bin ich faul. Viel zu sehr bin ich in meiner inneren Welt gefangen – ich grüble nicht. In mir ist es aufgeräumt. Nach Außen scheint alles gut und wenn ich mich selbst betrachte – als Beobachterin – dann kann ich auch nur vor die Fassade gucken und sehe eine Frau, die nicht auffällig ist. Eventuell sehe ich die Augen hinter der kleinen Brille, kann den Schalk wittern, der sich gut versteckt hat, kann die Sehnsucht entdecken, die unterdrückt wird, kann die Hoffnung erahnen, die langsam keimt …


Es war einmal eine kleine Frau, die einen staubigen Feldweg entlanglief. Sie war offenbar schon sehr alt, doch ihr Gang war leicht und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens.

Bei einer zusammengekauerten Gestalt, die am Wegesrand saß, blieb sie stehen und sah hinunter.

Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Decke mit menschlichen Konturen.

Die kleine Frau beugte sich zu der Gestalt hinunter und fragte: „Wer bist du?“

Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. „Ich? Ich bin die Traurigkeit“, flüsterte die Stimme stockend und so leise, dass sie kaum zu hören war.

„Ach die Traurigkeit!“ rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.

„Du kennst mich?“ fragte die Traurigkeit misstrauisch.

„Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal, hast du mich ein Stück des Weges begleitet.“

„Ja aber…“, argwöhnte die Traurigkeit, „warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?“

„Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?“

„Ich…, ich bin traurig“, sagte die graue Gestalt.

Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. „Traurig bist du also“, sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. „Erzähl mir doch, was dich so bedrückt.“

Die Traurigkeit seufzte tief.

„Ach, weißt du“, begann sie zögernd und auch verwundert darüber, dass ihr tatsächlich jemand zuhören wollte, „es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest.“

Die Traurigkeit schluckte schwer.

„Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: ‚Papperlapapp, das Leben ist heiter.‘ und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: ‚Gelobt sei, was hart macht.‘ und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: ‚Man muss sich nur zusammenreißen.‘ und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: ‚Nur Schwächlinge weinen.‘ und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen.“

„Oh ja“, bestätigte die alte Frau, „solche Menschen sind mir auch schon oft begegnet…“

Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen.

„Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf, wie eine schlecht verheilte Wunde und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe. Stattdessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu.“

Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt. Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel.

„Weine nur, Traurigkeit“, flüsterte sie liebevoll, „ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr Macht gewinnt.“

Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin: „Aber…, aber – wer bist du eigentlich?“

„Ich?“ sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd. „Ich bin die Hoffnung.“

Verfasser/Autor: Inge Wuthe – Gestalttherapeutin

 

Frage | 7. April 18

Hast du dir nicht schon einmal etwas gewünscht, was dir unmöglich erschien, in Erfüllung zu gehen?


Meine Oma sagte: „Kind, pass auf, was du dir wünscht, es könnte Wahrheit werden!“ Und, sie meinte es in jeder Hinsicht. Als mich letztens eine Verkäuferin fragte, ob ich noch einen Wunsch hätte, antwortete ich ihr: „Ganz viele, aber die können Sie leider nicht erfüllen!“ Dabei war mir diese Frau sehr sympathisch, nur kannte ich sie eben nicht richtig, weiß nur, dass sie auch oft alleine ist … Hätte ich – sollte ich – müsste ich nicht – könnte, vielleicht? Ich habe mich nicht getraut, sie zu fragen, ob wir nicht einmal einen Kaffee zusammen trinken wollen.

ad hoc

… dahergeschwätzt oder geschrieben!

Ich fühle mich machtlos, manchmal sehr gefangen in der Maschinerie der Konventionen. Wenn ich dann auch noch immer angeknockt bin, noch lange nicht ausgezählt, dann lobe ich mir einen Montagmorgen, der leise rieselnd mit Schnee, in die neue Woche startet. Vorgenommen habe ich mir lediglich, dass ich versuche, die Fressattacken in Zaum zu halten.

Kortison ist ein Teufelszeug, das noch nicht einmal immer wirkt – eins, ist allerdings unausweichlich bei mir; ich fange an zu futtern und das ist gar nicht gut. Jedes Pfund mehr, macht mich unbeweglicher und von meiner Beweglichkeit lebe ich. Ich brauche sie, muss schnell reagieren können – in jeder Hinsicht. Diszipliniertheit ist nicht meine stärkste Eigenschaft, ich bemühe mich, schlage aber auch mal aus der Bahn und so fallen 5Pfund heftig ins Gewicht. Wie ich das schaffen soll abzunehmen, weiß ich nicht. Laufen geht nicht – weil nicht schnaufen… wie alt bin ich eigentlich? Hundert? Wie alt seid ihr? Zwanzig? Oder je nach Befindlichkeit!