Wo bist du?

Ich weiß, dass du nicht auf dem Friedhof bist. Ich weiß, dass du mir nicht helfen kannst. Aber wo bist du? Ich suche dich! Und ich finde dich nicht. Am Anfang warst du im Regentropfen, der in der Tanne hing, du warst im Staub, der im Haus herumwirbelte. Auf dem Mark Knopfler Konzert, ein Dreivierteljahr nach deinem Tod warst du im Blättermeer dabei. Irgendwann warst du verschwunden, hast dich aus dem Staub gemacht und meine Sehnsucht wuchs. Dann haben mir Menschen gesagt, dass es nun an der Zeit wäre, das Trauern einzustellen und ich hatte noch gar nicht richtig anfangen können.

Im Ehebett konnte ich nicht schlafen, deine Seite war so leer – im neuen Bett kann ich nicht schlafen, deine Seite gibt es nicht mehr. Du bist mir abhanden gekommen. Wann? Wo? Was waren die Umstände?

Natürlich vermisse ich deine Berührungen, die Streitgespräche, dein Zuhören, auch deine Hilfe fehlt mir sehr – aber deine Wärme, deinen mir nicht immer verständlichen Witz, das vermisse ich noch viel mehr. Sind es die kalten Nächte, die einsam machen oder sind es die einsamen Nächte, die sie so kalt erscheinen lassen?

Wo bist du? Bist du in meinem Herzen? Dann hast du dich gut versteckt! Bist du in meinem Kopf? Dann dreh dich doch nicht immer im Kreis und guck mich endlich einmal an, damit ich Abschied nehmen kann…

Drei Kreuze

ENDLICH – und es ist Absicht, dass ich dieses ENDLICH groß und fett schreibe – endlich sind die Ferien vorbei!

Nicht, dass ich die Junioren nicht um mich haben möchte, aber über Weihnachten und Neujahr ist das schon eine lange Zeit, zumal wir kaum raus kommen und uns die Decke manchmal auf den Kopf fällt.

XXX – so mache ich drei Kreuze! Carsten freut sich auf seine Kollegen, Wiebke ist skeptisch und weiß nicht, ob sie es gut finden soll, morgens wieder so früh aufzustehen. Ich bin erleichtert nicht mehr alles alleine stemmen zu müssen.

Dass ich Erholung brauche, habe ich auch daran gemerkt, als ich vorhin einen Beitrag im Morgenmagazin angeschaut hatte, darin geht es um den Wünschewagen des ASB. Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten und habe geflennt. Ich weiß, dass es so etwas öfter gibt, aber es kann nicht oft genug verbreitet werden, denn ein bisschen Freude braucht doch jeder Mensch in jeder Lebenssituation, oder?

Ich werde jetzt waschen lassen – Juniorenbetten – aber das ist ein ganz anderes Kapitel…

Worauf

Worauf wartest du?
Wenn du schreiben willst,
dann schreib jetzt. Nachher
hast du den Gedanken vergessen.

Worauf wartest du?
Wenn du jetzt deinen größten Wunsch
erfüllen kannst, mach es,
bevor es zu spät ist.

Worauf wartest du?
Du weißt nicht, ob du im Alter
noch Lust hast zu tun, was du
jetzt machen kannst.

Worauf wartest du?
Geh achtsam um mit dir und den deinen,
damit ein gutes
Miteinander entsteht.

Worauf wartest du?
Versöhne dich mit
deinen Feinden, denn
Groll lässt dich nicht lachen.

Worauf wartest du?
Das Leben rennt, jeden Tag,
nimmt keine Rücksicht auf
Terminkalender,  es ist
unbestechlich.

Worauf wartest du?

©petra ulbrich – nach einer Idee einer guten Bekannten


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kann sein,

… dass ich noch ein paar mal diese Zeilen ändere. Noch ist der Textfluss nicht der, den ich mir erhofft habe.

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Gelingendes Leben

LebenspunkteAber heute fürchte ich nichts, heute zeige ich mich freimütig, schutzlos dem Tag, mache die Demutsgebärde des angegriffenen, schwächeren Wolfs, zwinge den Übermächtigen zur Großmut und wage, mich zu freuen, weil der Morgen frisch und bitter riecht, weil der Himmel makellos ist, weil eine späte rote Rose aufgeblüht ist am schon verdorrenden Busch, weil ich den Tod nicht scheue, weil ich lebe, weil ich auf eine Art lebe, die nur ich weiß und kann, ein Leben unter Milliarden, aber das meine, das etwas sagt, was kein anderes sagen kann. Das Einmalige eines jeden Lebens. Es macht heiter, zu wissen, dass jeder Recht hat mit sich selbst. Schön ist es, älter zu werden, erlöst von sich, von der gewaltigen Anstrengung, etwas zu werden, etwas darzustellen in dieser Welt. Gelassen sich einfügen, irgendwo, wo gerade Platz ist, und überall man selbst zu sein und zugleich weiter nichts als einer von Milliarden. Dies alles, in vielen Worten gesagt, dauert zu fühlen drei, vier Atemzüge lang.

Luise Rinser