vor dem Tag

 

Ich wache bis heute fast jeden Morgen mit Angst auf. Angst, den Tag nicht zu schaffen, den Junioren nicht gerecht zu werden. Manchmal auch davor, dass ich gesundheitlich schlapp mache.  Es gibt Morgen, da ist die Angst so stark, dass ich denke, dass andere denken, ich wäre ein Blender und Hochstapler. Dann wiederum ist da die Zukunftsangst und die vor dem Verlust des Lebensstandards.  Die Angst davor, dass Freunde und Bekannte sehen, dass ich Angst habe und mich deswegen total alleine lassen ist heftig – sie könnten hinter meine Fassade gucken. An einigen Morgenden möchte ich deswegen nicht aufstehen und einfach liegen bleiben. 

Dann, dann nehme ich meinen ganzen Mut zusammen und stehe trotzdem auf…

Ausnahmezustand

Dass ich so (überzogen) reagiere, wie ich reagiere beziehungsweise agiere, liegt daran, dass ich schon viel zu lange unter Anspannung stehe.

Die Freizeit zu Ostern, die mir eigentlich ein bisschen Luft verschaffen sollte, war wohl für die Junioren eine gute, eine schöne Zeit – ich habe aber auch gesehen, dass Carsten abgenommen hat. Vermutlich wird die Quintessenz sein, dass der Kerle auf keine Freizeit mehr mitgenommen wird, weil sein Essverhalten dort nicht gehändelt werden kann. Das stimmt mich traurig, macht nicht wütend und bringt mir keinerlei Entlastung. Eher drückt es noch mehr und mein schlechtes Gewissen steigt.

Kannst du nicht dafür sorgen, dass dein Kind nicht verhungert? Bist du nicht einmal in der Lage ein vernünftiges Essen zu kochen, dass dem Kerle auch schmeckt und er es mit Freuden isst? Schafft du es nicht, deinen Sohn zu motivieren, wenigstens ausreichend zu trinken?

Für Außenstehende muss ich wie eine Rabenmutter erscheinen – lässt ihr Kind vor dem vollen Kühlschrank verhungern. In Deutschland, wo es alles zu kaufen gibt, wo die meisten Kinder zu dick sind und bestimmt niemand mangelernährt sein muss …

Meine tägliche Sorge dreht sich um die ausreichende Ernährung. Ich habe alles durch! Ignorieren, das kochen, was beliebt ist, Essen schön anrichten, PEG-Sonde, sogar die, die direkt in den Dünndarm führt. Magenspiegelung und medizinische Untersuchungen ergaben kein Ergebnis und sterben will Carsten nicht – auch nicht unterbewusst, wie mir wohlmeinende Ratschlagende einreden wollten.

Die Angst um ein Kind, kann nur jemand nachvollziehen, der das selber schon durchgemacht hat und dann ist es nicht dasselbe. Mein Ventil ist dann um mich zu schlagen, verbal und wen es trifft, der kann entweder damit umgehen, oder er findet mich zum kotzen…

Weisheit am Abend

Es gibt ein Wort, das lautet etwa so: „Fürchte weniger, hoffe mehr. Iss weniger, kaue mehr. Jammere weniger, atme mehr. Rede weniger, sage mehr – und alle Dinge werden dir gehören.“


… und so werden wir – nach einem schönen Nachmittag mit der Wunschtochter – sutschepiano machen und den Sonntag ausklingen lassen. Manchmal ist weniger mehr!