ein Versuch

Festgefahrene Parteien miteinander ins Gespräch zu bringen, ist Schwerstarbeit. Wenn dann auch noch einige Gesprächsteilnehmer mauern und nichts sagen und jedes Wort aus dem Mund gezogen werden muss, oder nur schwammige Worthülsen kommen, um ja nichts falsches zu sagen und auf Prinzipien geritten wird – dann tue ich mich schwer.

Ausgerechnet ich wurde als Vermittler auserkoren. Mediator zu sein, ist Knochenjob. Aber es schult und ich habe viel gelernt, habe mich bemüht Du-Botschaften zu vermeiden, habe verhärtete Fronten, wenigstens ein bisschen, aufgeweicht. Ich werde mich ein wenig mehr mit dem Mediatorenjob beschäftigen, kann er mir doch helfen, mein Verhältnis zu meiner Schwester zu klären, oder wenigstens besser zu verstehen lernen.

Jetzt bin ich ausgepowert und habe ein verdammt schlechtes Gewissen den Junioren gegenüber, weil ich mit ihnen eigentlich zum Offenen Treff in die Stadt fahren wollte. Ich bewundere ihren Langmut – sie sind so toll und nehmen das Versäumnis gelassen hin. Danke Carsten, Danke Wiebke!

Absagen und andere Katastrophen

Man muss lernen, auf sich selbst zu warten.

Vor allem muss man überhaupt warten lernen. Unsere Verabredung für heute hat kurzerhand beschlossen erst später zu kommen. Ihr ginge es nicht gut und sie müsse sich erst einmal ausruhen. Ich habe auf die Tube gedrückt, dass die Junioren rechtzeitig gebadet und angezogen sind, habe mir ihr motzen und Gemecker angehört und mein schlechtes Gewissen deswegen damit beruhigt, indem ich mir, wie ein Mantra aufsage, dass es zum besten für Carsten und Wiebke ist.

Das Wetter ist schön, wir müssen raus – raus, an die frische Luft – und dann ruft die Pastorenfreundin an und verschiebt ihrerseits die Verabredung.

Mein Bauchgrummeln wird davon nicht weniger. Jetzt ist es angenehm, jetzt habe ich die Junioren so weit, dass sie bereit sind Eis essen und ein kurzes Stück spazieren gehen zu wollen. In zwei Stunden beginne ich wieder Überzeugungsarbeit zu leisten und glaubt mir – das kostet enorm viel Kraft!