Absagen und andere Katastrophen

Man muss lernen, auf sich selbst zu warten.

Vor allem muss man überhaupt warten lernen. Unsere Verabredung für heute hat kurzerhand beschlossen erst später zu kommen. Ihr ginge es nicht gut und sie müsse sich erst einmal ausruhen. Ich habe auf die Tube gedrückt, dass die Junioren rechtzeitig gebadet und angezogen sind, habe mir ihr motzen und Gemecker angehört und mein schlechtes Gewissen deswegen damit beruhigt, indem ich mir, wie ein Mantra aufsage, dass es zum besten für Carsten und Wiebke ist.

Das Wetter ist schön, wir müssen raus – raus, an die frische Luft – und dann ruft die Pastorenfreundin an und verschiebt ihrerseits die Verabredung.

Mein Bauchgrummeln wird davon nicht weniger. Jetzt ist es angenehm, jetzt habe ich die Junioren so weit, dass sie bereit sind Eis essen und ein kurzes Stück spazieren gehen zu wollen. In zwei Stunden beginne ich wieder Überzeugungsarbeit zu leisten und glaubt mir – das kostet enorm viel Kraft!

Überholspur

Leben geht weiter, auch wenn das eigene vielleicht mit angezogener Handbremse läuft.Um mich herum tobt die Welt im immer gleichen Tempo. Mich überfordert das. Ich kann aber nicht erwarten, dass sich andere zwangsläufig meinem Rhythmus anpassen. So rauscht einiges an mir vorbei.

Heute nicht! Nachdem es ein Missverständnis gab und wir nicht mit spazieren gehen konnten oder sollten oder wollten habe ich die Junioren ins Auto verfrachtet und bin mit Ihnen in die Stadt gefahren – Taschengeld ausgeben und Eis essen.

Eigentlich wollten die Herrschaften nicht von der Miste und mein Unterkiefer sieht noch aus, wie der einer aparten Neandertalerin, aber ein wenig Schminke macht auch einen Zahnarzteingriff fast unsichtbar.

Gut war‘s, dass wir ins Zentrum gefahren sind. Freundliche Menschen waren unterwegs; ein Werkstattkollege mit Betreuer, nette junge Mädels, denen Carsten zuwinkte, ein Iraker, der uns einfach angesprochen hat und mit dem wir ein Weilchen sein Deutsch aufbesserten. Im Spielwarengeschäft war die supernette Verkäuferin… Alles gut, alles paletti!

Bei der Eisdiele am Neckar war draußen kein Tisch mehr frei. Ganz am Rand saß eine hübsche Frau mit Kopftuch, auf diese steuerte ich zu, saß sie doch alleine an einem Tisch. Wir durften uns zu ihr setzen und kamen ins Gespräch. Langsam mit englischen Worten, in deutscher Sprache und sogar auf Arabisch. Edif kam aus Jordanien und war so schön, wie eine Prinzessin.

Seht ihr, manchmal muss man etwas wagen, sich Nischen suchen, auf Menschen zugehen – alles in meinem/der Junioren ihrem Tempo, dann kann ich mir eine Auszeit auf der Überholspur des Lebens gönnen.

Es ist Frühling und wir schaffen manches auch allein!