Also, wenn

… das so weiter geht, dann kommen wir nicht in die Ausstellung!

Heute war, als wir am Empfang standen, eine Führung mit einer nervigen Gruppe und die Rezeptionistin hat uns dringend abgeraten – wir würden gar nichts sehen, besonders die kleinen Menschen im Rollstuhl nicht.

So sind wir in die Stadt, Matjes essen. Nur Carsten nicht, der hat lediglich Cola getrunken und er wurde minütlich merkwürdiger, weil schlapper! Zwingen, zu essen, kann und will ich den Kerle in der Öffentlichkeit nicht und da ich alleine mit den Junioren unterwegs war, wollte ich keinen Krach riskieren. Denn Wiebke hätte ihrem Bruder beigestanden und einen Mordskrach gemacht …

Einmal bin ich fast mit den Lenkrädern von Wiebke in den Stadtbahnschienen hängen geblieben. Zum Glück kam keine Bahn und eine mitteljunge Frau war prompt zur Stelle und hat zupackend geholfen. Schön sind auch die bewundernden Blicke der Menschen und die fröhlichen Augen der anderen, wenn Wiebke sie anstrahlt und Carsten drauflosschwätzt.

Fazit: Jetzt schaffe ich es alleine etwas mit den Junioren zu unternehmen. Jetzt mache ich das, was ich kann. Jetzt gehen wir weg. Jetzt und nicht, wenn jemand anderes kann. Jetzt ist unsere Zeit!


Und gegen meine Angst nicht zu genügen, hilft es auch!

Vielen Dank Frau H.

Und wenn es gut werden soll, dann wird es auch gut. Nur an besonders hellblaugestreiften Sommerhimmeltagen fällt es bedeutend leichter und wenn unten alles sattgelbgrün ist und die Finger erdfarbenbraun, die Hecke schon verblüht und der Schneeballbusch treibt, dann kann das Wochenende kommen.

Heute Morgen wartet eine Farbenexplosion auf uns – wir werden eine Nolde-Ausstellung besuchen – heute schaffen wir es nicht, es ist zu dumm, immer steht was im Weg, denn seit Anbeginn der Ausstellung wollen wir hin und immer kommt was dazwischen!
Gut, dann gehen wir essen, irgendwohin wo es schön ist und wir beim Spätnachmittagssonnenschein draußen sitzen können. Irgendwo am Neckar, vielleicht mit Wein, ich mag so gerne einen guten Riesling – und der Carsten kriegt ein Bier.

Jawohl, so machen wir das! Frau H., auch wenn Sie nicht gekommen sind, das ist völlig egal, wir brauchen Sie nicht unbedingt.

Autismus ist nicht gleich Autismus

Asperger Autisten, wie ich einer bin (diagnostiziert) haben völlig unterschiedliche Macken und es ist verdammt nicht leicht ein Schema zu erstellen, woran man Autisten erkennt. Sie sind menschenscheu und dann auch wieder nicht. Fakt ist, dass sie die Mimik und Gesten der anderen kaum deuten können und Ironie selten als solche erkennen. Wenn z. B. etwas geliked (was für ein dummes Wort – Asperger drücken sich gerne präzise aus, vermeiden aber in der Regel Anglizismen) – also, wenn etwas gemocht wird, dann bedeutet das nicht, dass man das gesehen oder anerkannt hat – dafür gibt es andere/ bessere Worte. 

Mich persönlich regen Allgemeinplätze in der Sprache auf. Floskeln und reden um des Redens Willen, wenn nur ‚dahergeschwätzt‘ wird, macht mich kirre. Schon als Schülerin hatte ich mich kurz und knapp ausgedrückt, das Wesentliche gesagt und Überflüssiges weggelassen. Trotzdem ist es nicht karg, meine Sprache nicht eintönig. Ich spiele mit Worten, liebe verschiedenste Wörter für scheinbar denselben Ausdruck, kann aber mit Smileys und Ikons (nicht generell) sehr wenig anfangen – ich kann diese Bilderflut nicht richtig deuten. Manche Zwischentöne, die man nur im Kontext mit Mimik und körperlichen Ausdruck beziehungsweise Gestik erkennt, bleiben mir verborgen. Ich sehe sie einfach nicht!

MamS (Mann an meiner Seite) war sehr ironisch bis sarkastisch und manches was er sagte, habe ich für bare Münze genommen und war gefrustet, wenn mir erklärt wurde, dass man Ironie nicht erklären kann. Autismus hat nichts mit mangelnder oder großer Intelligenz zu tun, es betrifft alle Gruppen, alle Bevölkerungsschichten und alle Altersklassen. Witze verstehe ich nicht und so erzählt mir auch niemand welche, weil ich sie erklärt bekommen möchte und somit ist jeder Witz obsolet. Dabei kann ich trotzdem selber witzig sein und auch Humor haben – ich habe welchen, aber der ist wiederum für andere schwer verständlich. 

Autist sein, heißt die Welt etwas anders wahrzunehmen. Ich sehe zum Beispiel Ordnung in Baumfomationen und ein Muster in der Hecke. Paradox wird es, wenn ich erzähle, dass meine Zahlen Farben haben und das mein Gegenüber so nun gar nicht mit Autisten in Verbindung bringen kann.

Ich bin eher pragmatisch, als ausufernd, schreibe aber Gedichte. Ich lese Romane, aber zu lang und zu ausschweifend dürfen sie nicht sein. Ich habe Fantasie, kann aber mit Esoterik, Horoskopen und alternativer Medizin nichts anfangen. Meine Scheren und Sachen haben einen bestimmten Platz, der kann aber auch wechseln. Mein Sofa im Wohnzimmer steht im Sommer anders, als im Winter […]

Kuddelmuddelgedanken und sicherlich nicht für jeden nachvollziehbar.