vermutlich krieg ich den Hals nicht voll

  • Herpes Zoster am Hals – es juckt wie Bolle und fängt langsam an, weh zu tun. Carsten ist zum Glück nicht anfällig, aber Wiebke meldet bei Herpes jedesmal laut: Hier! Wie ich sie nicht anstecken kann, weiß ich nicht – bei dem engen Körperkontakt, den wir zwangsläufig haben. 
  • Plätzchen habe ich keine mehr gebacken. Die JVA-Heilbronn hat einen kleinen Stand auf dem Weihnachtsmarkt und verkauft dort leckere Kekse. …und das zu einem fairen Preis. Da ist für mich klar, dass ich nicht mit einem ansteckenden Hautausschlag in der Küche stehe und selber backe.
  • Bücher habe ich nun auch genug. Heute Mittag kam ein Päckchen mit Lesefutter. Danke Kat!
  • Die Junioren singen seltsame Lieder! „Mama wir machen das, weil unsere Geheimsprache so schön weihnachtlich klingt!“ Carsten dirigiert, Wiebke lacht sich krumm und schief. Da sie sich während des Singens die Schuh auszieht, fällt sie wirklich fast vom Rolli.
  • Der Kerle erzählt mir gerade, dass das Essen in der Werkstatt soooo lecker war und er einen ganzen Teller voll gegessen hätte. Das Töchting relativiert und meint lapidar: „Das war ein Minitellerchen, aber er hat aufgefuttert!“ Es gab Pizza mit Mais. 
  • Ich hatte mir Sushi gekauft – war auch superlecker. Sushi mochte MamS nicht!

Trezoulé

Bin unruhig, angstvoll, traurig mit Augenschmerzen, alleine, es regnet leise Schneeflöckchen, es rinnen warme Tränen. Ich fühle mich überfordert, ausgenutzt, in Stich gelassen – und dann kommt von ganz woanders ein Engel und hilft für einen kurzen  Moment in der Not!

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Meine Kraft, die ich draußen verbrauche, kann ich drinnen nicht voll auftanken. Carsten & Wiebke sind aufgeregt – die Band spielt in Stuttgart auf der Weihnachtsfeier des Sozialministeriums. 🎄

16. November | der Tag davor

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Die nächsten Tage muss ich überstehen und den Junioren dabei helfen. Heute vor 6 Jahren waren wir im Pfannekuchen! Seit 6 Jahren überlege ich welchen leckeren Pfannkuchen MamS gegessen hat – ich weiß es nicht mehr. Alles was nach 13:30Uhr passierte, ist ein festgebrannter Film auf meiner Festplatte. 

Konglomerat

Konglomerat ist ein Wort meines Vaters – ich erinnere mich. Die Gemengelage meiner Gedanken lässt mich einfach nicht zur Ruhe kommen. Ich sag‘ dazu immer Kuddelmuddel – das lustige Wort macht es aber nicht besser!

Hab‘ die Junioren weggebracht, unter Tränen. Besonders Wiebke hat sehr geweint. Fremde Menschen wollten sie trösten – mein Töchting hat noch mehr geweint und geschrien. Heimweh, schon vor der Abreise in die Ferien! Das kann heiter werden. Betüddelnde Betreuer – Wiebke kann so was gar nicht gebrauchen. Genauso wenig, wie gestreichelt und angefasst werden. Haben die Leute meine „Gebrauchsanweisung der Junioren“ nicht gelesen?

Zum Glück sind 2 Frauen dabei, die meine Junioren und ihre Marotten kennen, die wissen, dass Wiebke Autistin ist und möglichst in Ruhe gelassen werden möchte. Erst recht, wenn sowieso schon Holland in Not ist und die Tränen fließen. Carsten freut sich auf den Urlaub – aber: „Du Mama, ich freu mich jetzt schon, wieder nach Hause zu kommen!“

Meine Junioren sind nicht dumm. Besonders der Kerle ist äußerst empathisch und spürt, dass mich etwas sehr bedrückt – ich muss die Situation klären, aber alleine kann ich das nicht. Dazu brauche ich das gegenüber, das bereit ist, auch zu reden!

Es ist Herbst! Die dunkle Jahreszeit fängt an. Es wird kalt. Kalt, wie im Winter. Die Junioren frieren sitzend auf ihren Rollstühlen. Dieses Jahr hatten wir kaum Frühling und einen Herbst auch nicht wirklich. Der Winter ist nicht unsere Jahreszeit!

Ich schreibe Gedichte, die kaum jemand lesen mag. „Besinn dich auf die Fähigkeiten, die du hast und schau nicht immer, was du nicht kannst!“ Mit meinen Gedichten kann die wohlmeinende Freundin – kann kaum jemand aus meinem Umfeld etwas anfangen. Ich schreibe trotzdem. Ist es Trotz? Nein, ich schreibe, weil ich es möchte, weil es ein Bedürfnis und ein großer Ausgleich zu den Unwegsamkeiten ist. Niemand muss sie lesen oder gar hören – ich tu’s in erster Linie für mich. Dennoch wäre es schön – das hatten wir ja schon.

Ich wünsche allen ein schönes, eine Stunde längeres, Wochenende.

…übrigens: ich gehe jetzt zum Singen in die Badewanne!

eineinhalb Stunden später

Die Helferin wird nicht mehr kommen. Wir haben uns nicht aussprechen können. Sie hat mir, mit großen Vorwürfen, den Bettel vor die Füße geworfen!

Eigentlich erleichtert mich das. So ist wenigstens ein Schlussstrich gezogen und ich brauche keine Rücksicht mehr zu nehmen!

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