dringend Leben

Und sobald du glaubst die Antwort zu kennen, ändert das Leben die Frage…

Gestern Abend auf einer Weihnachtsfeier fragte mich ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der hiesigen Offenen Hilfen: „Wie schaffst du das alles nur?“ Sehr dankbar war ich ihm, dankbar für diese Frage. Aber an dem Abend wollte ich ihm nichts sagen – zumal ich ihn erst sehr kurz kenne. So, oder so ähnlich habe ich dann auch geantwortet. Er hat verstanden.

Allerdings hat er etwas in mir in Gang gesetzt. Wer fragt mich? Ich funktioniere und manchmal geht alles gut. Manchmal schaffe ich meine Arbeit mit links und mit großer Freude – immer mit großer Liebe. Aber manchmal verzweifle ich auch. Dann überfällt mich eine dunkle Macht mit einer mörderischen Trauer voller Tränen und Selbstmitleid. Ich schaue auf das andere Sofa und heule, bin wütend…

Heulen kann ich dann besonders gut, wenn das Loch sich nach schönen Ereignissen auftut und ich gnadenlos hineinfalle. Erst der wunderbare Bandauftritt – der Referent hat sich bei mir und dem stellvertretenden Bandleiter noch einmal sehr bedankt – dann die Weihnachtsfeier mit netten Menschen. Wenn etwas besonders gut war, dann falle ich. Dann kommt der Wehdam und ich bin ein heulendes Elend. Dann bin ich noch mehr allein, komme mir verloren vor und schaffe, schaffe, schaffe nur – irgendwie. Dann vermisse ich Anerkennung, Mitgefühl und ein bisschen Zuneigung von außen.

Dann bin ich  kratzbürstig und komisch – schrecklich ambivalent und ich verstehe mich selber nicht! Aber ich bin wütend, dass ich so allein gelassen wurde und merke, dass ich meine Trauer mit meiner Funktionalität unterdrückt habe. Es wird dringend Zeit – und ich brauche dringend gute Freunde…

…und andere Fragen und daraus resultierende Antworten!

Manchmal

Bin ich alt? Bin ich nicht zeitgemäß? Bin ich borniert, oder antiquiert? Mich kotzt dieses Zurschaustellen im Internet an!

Twitter, so scheint es, ist ein offenes Medium – wer es zu nutzen weiß und; wer ausreichend Follower hat. Diese bekommen viele, indem sie populistisch mit der Masse schwimmen. Hauptsache #hashtags! Spricht da der Neid aus mir? Sicherlich auch! Bestimmt auch. Was da teilweise abgeht, erschüttert mich. Wie von den verschiedensten Seiten gehetzt wird, gegen scheinbar rechte, linke, farbige, behinderte usw. usf. Menschen, lässt mich Bauchschmerzen kriegen. Wenn Menschen krank sind und nicht mehr weiter wissen, die Reißleine in irgendeiner Form ziehen – es gibt immer welche, die sich darüber lustig machen! Wenn Menschen um Hilfe rufen, kann es gut sein, dass das in diesem Medium ganz schnell untergeht! Deswegen, weil manche Menschen keine Lobby haben…

Ich kann das jetzt nicht weiter ausführen, weil ich erstens nicht das nötige Nowhow habe und Twitter, zweitens für mich, ein undurchschaubares Konglomerat ist, das ich (leider) nicht durchschaue. Zu gerne würde ich diese Plattform selber für meine Belange nutzen, finde aber kein Gehör und bin enttäuscht.

Wisst ihr, gestern habe ich mit keinem erwachsenen (wenn man davon absieht, dass ich die Junioren versorgt, umsorgt und betreut habe) Menschen geredet. Ein richtiges, mich forderndes Gespräch, hatte ich schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr und dann verhallt meine Bitte (Ja, ich bin dankbar, dass sich wenigstens ein paar Menschen bemüht haben) ins Leere. Eigentlich bin ich nicht nur enttäuscht, sondern sogar sehr traurig.

sutsche piano

In diesen Tagen geht’s nur langsam und dennoch liegen oft die Nerven blank. Der Aushilfsbusfahrer guckt mich mit großen braunen Augen an und hat überhaupt keine Ahnung, wie er die Junioren ins Fahrzeug setzen soll. Erst kommt er zu spät, dann findet er den Weg nicht zur Haustür und tragen darf er auch nicht – Himmel, warum macht er dann diesen Job? Wiebke was not amused, sie hat klipp und klar gesagt, dass sie nicht nur behandelt, sondern dass ihr respektvoll begegnet werden soll. Aber es ist ja morgens schon so warm …

Wer jetzt noch gut denken kann, der ist zu beneiden. Ich bekomme nichts auf die Reihe, kann kein Buch lesen, muss meckern, dass die Junioren ausreichend trinken, muss für drei denken, dass wir durch diese heißen Tage kommen. Ob es gut ist, diese Frage stellt sich mir nur am Rand. Wir sind mitten im Klimawandel und ich habe Bedenken, ob wir das noch umdrehen können.

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#MeTwo – Alltagsrassismus in Deutschland. Ich erkenne Parallelen zu behinderten Menschen, auch diese werden ausgegrenzt und teilweise beleidigt. Carsten wurde auch schon als Affe bezeichnet. Denkt mal nach: Wie sehen wir Menschen, die anders aussehen? Wie begegnen wir anderen, die nicht in unser Weltbild passen?