Jakob

Jakob war der Büffel seiner Herde.
Wenn er stampfte mit den Hufen,
Sprühte unter ihm die Erde.

Brüllend ließ er die gescheckten Brüder.
Rannte in den Urwald an die Flüsse,
Stillte dort das Blut der Affenbisse.

Durch die müden Schmerzen in den Knöcheln
Sank er vor dem Himmel fiebernd nieder,
Und sein Ochsgesicht erschuf das Lächeln.

Else Lasker Schüler

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Dieses Gedicht ist eines meiner Lieblingsgedichte – vielleicht, weil ich mich drin wieder finde?

Ich bin krank. Wir kommen also nicht raus. Die Junioren kommen nicht an die frische Luft. Inzwischen habe ich Fieber – nicht hoch, aber konstant. Zwei Menschen diskutieren mit mir über Essen und Trinken. Gemeinsam mit mir. Gegeneinander. Miteinander gegen mich …Carsten hat kognitiv abgebaut. Wiebke macht sich Sorgen. Aus Solidarität verweigert sie die Nahrungsaufnahme. Ich habe Panikattacken, denke, überlege, wie ich Flüssigkeit in diese beiden bekomme. Es geht, ich schaffe es. Es kostet Kraft, meine Kraft – die ich grad nicht wirklich habe – Fieber!

Normalität aufrechterhalten kostet Kraft. Die Angst versagt zu haben ist groß. Gutsle und Plätzchen oder Bratkartoffeln mit Speck, Rapunzelsalat und Eier vom Gretahuhn – nichts schmeckt oder animiert auch nur zu probieren. Essen ist ein Druckmittel – auf drei Seiten. Es ist sogar schon so, dass auch ich keine Lust mehr habe zu essen. Anscheinend stecken wir in einer Spirale gefangen.

Meine Angst ist eine große dunkle Wolke mit Krallenhänden, die ich nur durch einen Spielenachmittag im Griff habe – und dann kommt die Nacht!