Abends | nach getaner Arbeit


Der Kerle und ich gucken Handball. Ihr sollten ihn hören. Er kommentiert jeden Spielzug sachkundig. Eigentlich könnte ich den Ton vom Fernseher ausschalten – hören tue ich eh nix. „Mach en Tor jetzt!“ Der gute Nebeneffekt ist, dass Carsten sich Käsestangen in den Mund schiebt. Sutsche piano, eine nach der anderen – nur den Apfel übersieht er geflissentlich…

Ein Spruch: „Nehmt die Brasilianer auseinander, setzt sie nie wieder zusammen!“ Carsten ist einfach klasse.

zähle nicht | 2ter Teil

16:00 Uhr: S., eine Freizeitbegleiterin hat angerufen. Carsten isst nichts. Sie haben ihn schon seine Aufbaunahrung unters Essen gemogelt. Er isst trotzdem nichts. Für wie blöd halten sie eigentlich den Kerle, dass er das nicht merkt?  Angeboten haben sie, dass sie mir Carsten vorbeibringen, wenn ich das möchte. Ich möchte nicht! Mir geht’s heute so beschissen, da kann ich nicht dafür garantieren, dass ich meinen Sohn, vor lauter Sorge, nicht verhaue. Ich habe Angst! Ich habe eine Mordsangst und muss das alles mit mir alleine ausmachen. Ich zerspringe bald vor Sorge. In meinem Kopf rattert es.

Ich kann die Betreuer verstehen. Sie haben auch Angst. Angst, etwas falsch zu machen.

Wie lange suche ich eigentlich schon nach einem Psychologen für Carsten? Läuft es darauf hinaus, dass wir wieder eine PEG anlegen lassen müssen? Aber damit hat er ständig gekotzt!

Wird das denn nicht besser – und alles alleine.

Wenn ihr wollt, könnt ihr uns gerne etwas Gutes tun!

Zehen und Zinkverband

Von Fingern und Zehen
schneid ich schnell mir die Zeit
– doch manchmal, da hätt’ ich gern mehr!

Hätt’ mehr für die Liebe
und Mitmenschlichkeit
– doch wo krieg’ ich sie her?

©petra ulbrich

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Carsten hat sich – wie könnte es besser sein? – gerade den großen Zeh gebrochen. Dieser ist blitzeblau, mindestens doppelt so dick und wir gehen nicht zum Arzt. Stattdessen gibt’s ein Kühlpack und ich versuche – wenn ich dran darf und das Schmerzmittel wirkt – die beiden äußeren Zehen miteinander zu fixieren. Was anderes würde ein Arzt auch nicht tun. Eigentlich heißt es: Schmerz lindern und abwarten. Der Kerle meint dazu: „Dumm gelaufen! Dabei kann ich gar nicht laufen!“