Bettleserin

Lesen verbinde ich seit jeher mit dem Bett. Niemand hat mir Geschichten vorgelesen, immer nur erzählt und je nach Erzähler waren die Geschichten und Märchen anders, obwohl es die gleichen waren. Das hat mich als Kind schon geärgert. Als Asperger-Autistin, von der ich damals noch nichts wusste, eigentlich normal.

Trotzdem hatte ich als Kindergartenkind nicht die Möglichkeit lesen zu lernen. Ich kannte zwar die Buchstaben, aber das war es auch schon. Meinen Vater sah ich nie lesen. Er hatte entweder einen Pinsel in der Hand oder ein anderes Werkzeug, mit dem er etwas gestalten konnte. Meine Mutter hatte ihre Nähmaschine und mit sich und uns Kindern genug zu tun.

Mein Opa las Zeitung und meine Oma Groschenromane.

Weil ich aber eine rege Fantasie hatte und wissen wollte, was in der Welt passiert, Wissen anreichern wollte, musste ich selber lesen lernen. Einen Fernseher hatten wir nicht und Radio war laut – das störte meine Mutter. Meine Oma gab mir ein Buch, sagte: „Wenn du das gelesen hast, bekommst du ein Fahrrad!“ Das Buch habe ich gelesen – auf dem Bauch liegend. Im Bett meiner Großeltern – total unbequem, da die Matratze durchgelegen war.

Das Fahrrad wollte ich dann nicht mehr. Es war ein blödes Fahrrad. Ein altes schwarzes mit einem breiten Lenker und tiefer gelegten Sattel – überhaupt nicht kindgemäß. Stattdessen habe ich mir ein neues Buch gewünscht.

Als ich endlich ein eigenes Zimmer hatte, war ich eigentlich nur noch dort. Auf dem Bett liegend, ein Buch in der Hand. Ja, wenn ich nicht irgendwelche Aufgaben erfüllen musste.

Abends befahl mir eine gebieterische Stimme, doch endlich das Licht auszuschalten. Ich ging dazu über, wie alle lesenden Kinder, eine Taschenlampe zu benutzen, und erstickte förmlich unter der Bettdecke. Nur um Luft zu holen tauchte ich ab und zu auf. Bis mir meine Mutter die Taschenlampe wegnahm.

Ich kann auch heute nur im Bett gut lesen, oder vielmehr in liegender Position. Früher, mit den Beinen baumelnd auf dem Bauch, jetzt mit Kissen gestützt auf den Rücken liegend. Das Buch weit von mir ausgestreckt, weil mich Lesebrillen nerven. Ich muss mich aber dran gewöhnen, weil meine Arme nicht mehr lang genug sind. In der Badewanne kann ich besonders gut lesen. Lesen im Sitzen verbinde ich mit Schule, Arbeit und lernen. Nein, das ist nicht meins und schmälert mein Lesevergnügen.

Ohne zu lesen kann ich nicht einschlafen. Wenn es nur eine Seite ist, schnell noch diesen Abschnitt, diesen Satz und meistens schlafe ich mitten drin ein …

Quasselstrippe

Carsten kaut mir ein Ohr ab. Von der Sekunde an, als er wach war, redete er heute Morgen ohne Punkt und Komma. Von Weltraumabenteuern, die er nächstens bewältigen konnte, bis zu der ungeliebten Betreuerin, die noch mindestens eine Woche krank geschrieben ist und dass ihm das einerseits freut, andererseits aber auch nicht, weil die Gruppe unterbesetzt ist und keine guten kognitiven Angebote stattfinden. Er redet davon, dass es langweilig ist und er sich auf die Physiotherapie freut. – Ich nicht, denn mir tun noch immer sämtliche Gelenke weh!

Wiebke hat sich gestern Abend noch geschminkt und ist so schick ins Bett gegangen. Da sie sich selber ausziehen kann und ich um 22:00Uhr nur kurz gucke, ob sie auch zugedeckt ist, habe ich die Kriegsbemalung nicht gesehen. Baden, Bett waschen, Teppich putzen – denn der wurde kurzerhand mitgeschminkt. „Ich will aber heute nicht turnen!“ Mein Töchting ist gerade auf Oppositionskurs. Gestern wollte sie schon nicht zur Bandprobe, weil‘s ihr da zu laut ist. Als ich zum abholen kam, war sie noch feste am trommeln…

Wenn ich Kommentare bekomme, dann freu ich mich sehr. Wenn ihr wollt, könnt ihr uns auch gerne etwas in den imaginären Hut werfen!

Babys schlafen

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Alles schläft hier!
„Du Mama, hast du mal ne Kiste für mich?“
„ja, für was brauchst du die?“
„für mein Baby, das braucht ein Bett – wenn wir doch alle krank sind, dann darf so ein kleines Baby erst recht nicht ohne Zudecke und warmen Kissen sein!“

Wiebke ist – je nach Lust und Laune – eine gute Puppenmutter. Nur manchmal, aber äußerst selten, schmeißt sie ihre Sippschaft quer durch’s Zimmer… Heute liegen ‚Mama‘ und ‚Kind‘ einträchtig nebeneinander und nur ab und zu, wird das Puppenkind entweder geküsst oder es bekommt einen Nasenstüber.


Ich bemühe mich seit gestern Nachmittag um eine Haushaltshilfe der Krankenkasse – aber auch hier dauert es, bis ich überhaupt eine sachverständige Mitarbeiterin an die Telefonstrippe bekam. Bei einer Zusage, habe ich deswegen noch lange keine Haushaltshelferin im Krankheitsfall – denn in unserer (und den anderen) Diakoniestationen sind Mitarbeiter krank oder können sooo früh (6:30uhr) noch nicht da sein.