na bravo

  • der Kerle hat Nasenbluten – Kopf nach unten und tropfen lassen. Einen nassen Waschlappen in den Nacken, Wiebkes warme Küsschen dazu und bei der Gelegenheit bei ihr Fieber messen. 
  • das Töchting hat erhöhte Temperatur und sie will nicht ins Bett. Leise jammernd fährt sie durch die Wohnung, rammt jede Tür und will partout nichts trinken.
  • der Kerle ist inzwischen käseweiß, trinkt unter Zwang eine kleine Astronautenkost, legt sich flach und macht winzigpiep.
  • das Töchting sieht dies und fängt jämmerlich an zu weinen. In den Arm will sie nicht genommen werden. Allein möchte sie nicht sein. Zu Carsten ins Zimmer will sie auch nicht mehr …
  • der Kerle möchte nicht allein sein.
  • ich kann mich nicht teilen!
  • Wadenwickel für Wiebke.
  • Nackenumschläge für den Kerle.
  • Wäsche waschen für mich.

Alles ist wie es ist und wie es ist, ist es gut! Ich wünsche euch einen entspannten Abend.

Wenn ich Kommentare bekomme, dann freu ich mich sehr.

Abends | nach getaner Arbeit


Der Kerle und ich gucken Handball. Ihr sollten ihn hören. Er kommentiert jeden Spielzug sachkundig. Eigentlich könnte ich den Ton vom Fernseher ausschalten – hören tue ich eh nix. „Mach en Tor jetzt!“ Der gute Nebeneffekt ist, dass Carsten sich Käsestangen in den Mund schiebt. Sutsche piano, eine nach der anderen – nur den Apfel übersieht er geflissentlich…

Ein Spruch: „Nehmt die Brasilianer auseinander, setzt sie nie wieder zusammen!“ Carsten ist einfach klasse.

Iona Fyfe

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Hach, ich kann mir endlich die Augen wieder anmalen. Meine Bindehautentzündung klingt ab. Wiebke hört Alfred Jodocus Kwak abwechselnd mit Katholischen Gottesdienst. Versteh einer mein Töchting. Carsten fährt Trecker und pflügt seine Felder – die Furchen gleichen einem Kunstwerk. Schön schräg und Jackson-Pollok-like.

Ich müsste putzen. Ach Quatsch, unser Tisch ist sauber die Wäsche auch, das bisschen Schnee hat das Unkraut zugedeckt – überhaupt, der Kaffee dampft und faul bin ich obendrein. Ich geh lieber malen…

Pflege und ihre Folgen

Ich möchte nicht wissen, wie viele Pflegende just im Moment in ihrer Wohnung herumtigern und nahe der Verzweiflung sind. Vermutlich sind es mehr, als auch ich mir ausmalen kann …

Heute Nacht habe ich fast nicht geschlafen – es lag am Antibiotikum, das ich nicht vertrage. Deswegen habe ich um halb vier in der Nacht einen Zettel für den Busfahrer und die Logopädin an die Tür gehängt, habe die Schaltuhr in den Juniorenzimmern ausgesteckt und mich noch zwei Stunden im Haus herumgetrieben, weil ich es im Bett vor Schlaflosigkeit nicht ausgehalten habe. Leider hat der junge Busfahrer den Zettel einfach abgehängt – saublöd gelaufen, denn so konnte die Logopädin ihn gar nicht lesen. Dass sie verärgert war, ist ja wohl klar. Ob sie meine Entschuldigung angenommen hat? Keine Ahnung, sie hat nicht geantwortet. 

Ab halb sieben habe ich noch eineinhalb Stunden ruhen können.

„Mama, warum hast du mich nicht geweckt?“ Carsten guckt ganz vergnügt aus der Wäsche und freut sich ein Loch in die Mütze, dreht sich zur Wand und pennt noch ‘ne Runde. Wiebke zieht sich gleich die Decke übern Kopf, aber in dem Zimmer riecht‘s verdächtig. Bett nass, Töchting nass und obendrein eine Stinklaune. Mein Mantra ist: Alles halb so schlimm, alles halb so schlimm! 

Bett abziehen, die kleine Frau in die Badewanne setzen, Waschmaschine füllen, Frühstück richten – das schlussendlich keiner gegessen hat – Junioren anziehen und vor lauter Müdigkeit selber kaum auf den Beinen stehen können. Wie vielen Pflegenden geht das so? Und jetzt soll nicht der Satz kommen, dass ich ja meine Junioren in ein Heim geben soll. Es muss doch eine andere Lösung geben! Eine, die allen gerecht wird. 

Für heute wäre mir schon jemand recht, der hier sitzt und gegebenenfalls Wiebke aufs Klo setzt und den beiden Herrschaften ein bisschen was zu essen gibt. Während ich schlafe – beruhigt schlafe. Armes Deutschland, wo Pflege so wenig wert ist.

Ich freue mich über jeden Kommentar – sind sie doch ein Zeichen, dass der Text gelesen wurde. Danke!