17. November | vormittags

Wir versuchen einen normalen Tag zu gestalten. Ich organisiere, weil ich denke, dass Hans nicht so bald nach Hause kommt, einen Wohnhausplatz für die Junioren. Will es organisieren und finde keine Kurzzeitpflege in meiner Heimatstadt. Institutionen werden sich bemühen. Versprechen können sie nichts.

So viel Normalität wie möglich.

Meine Schwägerin ruft an und sagt mir, dass MamS operiert wird. Ein Aortenaneurysma wird mit einem Stent geflickt. Er hat viel Blut verloren. Im Brustkorb ist eine große Menge Blut. Die Ärzte sind zuversichtlich. Ich bange, kann mich nicht konzentrieren. Normalität zu halten fällt schwer. Meine Mutter zieht sich zurück. Dabei hätte ich gerne jemanden an meiner Seite – nicht nur die Kinder.

Veröffentlicht von

piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

5 Gedanken zu „17. November | vormittags“

  1. Wenn ich aus meiner Erfahrung sprechen darf, mir hat viel geholfen, da immer wieder zu sprechen, wenn ein schlimmes mein Leben veränderndes Ereignis eingetreten ist. Mir schien, es verlor die Schwere beim Darüber-sprechen, es wurde leichter. Ich hoffe, das darüber schreiben macht es dir auch leichter. Liebe Grüsse Kat.

  2. Das war ein totaler Kraftakt was Du an dem Tag geleistet hast.
    Ich erinnere mich noch, dass ich damals oft in deiner Seite gelesen habe aber in diesen Tagen erst als diese ganzen schrecklichen Tage vorbei waren und dein Mann bereits verstorben war – so war das damals nach dem 17.11.
    Solche Erinnerungstage sind schwer zu ertragen.

    Meine schwersten Zeiten im Leben habe ich auch wie Kat) durch drüber sprechen verarbeitet.

    Alles Liebe auch heute für Dich und Deine Kinder.

  3. Oh Gott, wie schrecklich und wie dramatisch! Ein Aortenaneurysma und eine OP mit einem Stent drum herum, das hat ein Freund von uns gerade ganz knapp überlebt. Die Geschichte war ähnlich: zuerst falsche Behandlung wegen falscher Diagnose (Bauch- keine Rückenschmerzen) in einem Provinzkrankenhaus, dann aber ein schlauer Arzt, der ein CT machen ließ und die Bilder an die nächste Uniklinik übermittelt hat und dann Transport mit Blaulicht direkt in den OP dorthin. Ich bleibe trotzdem skeptisch wie lange er damit weiterleben kann. Er selbst auch.

    Es tut mir so leid, dass Dein Hans das nicht überlebt hat!

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