Wenn ich denn fliegen könnte

Es wäre zu schön, der Angst einfach wegzufliegen. Wie gerne täte ich es. Dabei weiß ich heute mal wieder nicht, wovor ich Angst habe. Oder ist es die Traurigkeit? Gestern traf ich einen ehemaligen Mitarbeiter meines Mannes. Diesen hatte MamS unter seine Fittiche genommen und ausgebildet. Wir sprachen lange und am Ende musste ich ganz schnell weg, um nicht zu weinen. Ich bin abgetaucht – im wahrsten Sinn des Wortes. Bin im Wasser verschwunden. Wenn alles nass ist,  fallen keine Tränen auf.

Meine Nacht war tief, fest, traumlos, aber viel zu kurz. Der frühe Morgen nur mit viel Mühe zu bewältigen. Ich muss laufen, war laufen. Stetig, immerfort. Nur ist die Unruhe davon  nicht weg, das Bauchgrimmen dafür um so heftiger vorhanden und das Gefühl, allein auf diesem Suppenteller zu sein, gigantisch. 

Dieses Gespräch gestern, im Schwimmbad, hat mich erfreut, hat mir aufgezeigt, dass mein Mann ein toller Vorgesetzter war, ein guter Chef und dass er bei seinen ehemaligen Kollegen immer in guter Erinnerung sein wird – umsonst wird keine Methode nach einem Entwickler benannt! Dieses Gespräch hat auch gezeigt, dass nicht nur ich diesen Menschen vermisse. Doch warum kommt dieses Vermissen mit dieser geballten Gewalt? Warum tut es so weh?

Wenn ihr wollt, könnt ihr uns gerne etwas Gutes tun!

 

Veröffentlicht von

piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

8 Gedanken zu „Wenn ich denn fliegen könnte“

  1. Es ist wie es ist, Trauer und Allein-gelassen-sein tun weh. Und den Zustand allein zu leben empfinde ich auch nicht als „normal“, da fallen mir immer die Bilder unserer Großfamilie mit Großeltern, Tanten und Onkeln aus meiner Kindheit wieder ein. Da waren wir alle sicher und geschützt. Obwohl – zugegeben – das war nicht immer nur harmonisch und frei konnte man sich da auch nicht fühlen.

    1. Aber es war immer jemand da und notfalls konnte man weglaufen – so, wie es meine Mutter gemacht hat, als die Zwillinge ein halbes Jahr alt waren. Vier Wochen München ohne Kinder – die Oma war ja da und versorgte ihre 5 Enkel. Vielleicht bin ich zu wenig egoistisch und sollte einfach mal – wenn nicht ganz, dann wenigstens ein bisschen, mein Ding machen.

      Aber was ist mein Ding? – Und schon kommen sie wieder, die Fragen.

      1. Ja. Ich glaube, das wäre nicht verkehrt, ab und an, auch wenn nur für wenige Stunden, das eigene Ding zu machen.
        Was ist das eigene Ding? Schwierig, man muss sich erkunden, was man will und möchte. Manchmal helfen Zufälle, wie bei mir, als mir eine Schafherde über den Weg lief.
        Petra, ich wünsche dir Mut, zu probieren und zu finden.

      2. Was „mein Ding“ ist, entwickelt sich von selbst, wenn man auch mal – genau wie Gudrun sagt – einige Stunden allein mit sich ohne Pflichtaufgaben verbringen kann. Das kann dann ruhig Schlafen auf dem Sofa oder Zappen im TV sein. Ich z.B. habe immer Besuche allein in einer Therme mit Wasserstrahldüsen in den Beckenwänden sehr geschätzt, in Zeiten wo ich kaum zu mir selber kam.

  2. Gibt es bei Euch Trauergruppen?
    Bei uns gibt es Trauergruppen und/oder auch die Möglichkeit Einzelgespräche mit einer gut ausgebildeten Frau zu führen.

    Erkundige Dich mal-.

    Die Menschen in den Gruppen haben bei uns teilweise Freundschaft geschlossen und sind dadurch nicht mehr ganz so alleine.

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