Zwei Welten 🌎

Hier prallen zwei Welten aufeinander. Einerseits die Junioren, die hier daheim sind und das ausnutzen, ihr Ding durchziehen und nicht unbedingt Rücksicht auf ihre Großmutti nehmen. Andererseits meine Mutter, die still am Esstisch sitzt und um sich schaut, mit meinem Kaffeeautomaten nicht zurechtkommt, gewohnt ist, am Nachmittag etwas Süßes zu essen und händeringend (im wahrsten Sinn des Wortes) wartet, bis ich ihr ein Essen kredenze. Ob sie es will – wirklich will, oder ich es nur vermute – weiß ich nicht. Wenn ich frage, meint sie nur: Ich möchte dir keine Umstände machen! Und macht es damit ganz gewiss. 

Ich bin ja selber schuld – weil ich es im Voraus wusste. Eine alte Frau ändert sich nicht mehr. Ich mache alles gerne – auch die Mutti bedienen, nur ich hätte gerne, sie würde etwas mehr, als nur zwei drei Sätze reden und ein bisschen Verständnis für die Macken der Junioren aufbringen…

Mein Fehler ist, dass ich es jedem Recht machen will und ein schlechtes Gewissen allen gegenüber habe. Ich möchte es meiner Mutter schön machen, aber Carsten und Wiebke nicht zu Dingen zwingen, die sie nicht wollen, möchte gemeinsame Zeit verbringen, aber nicht zwischen beiden Positionen hin- und herspringen. 

Kennt ihr die Reise nach Jerusalem in Dauerschleife? Einer bekommt immer keinen Platz – zum Glück in wechselnder Besetzung. Such Life! 

Veröffentlicht von

piri ulbrich

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Asperger-Autistin bin ich obendrein. Ein Kopf voller Fragen: Was denkt er gerade? Was ziehe ich heute an? Wo ist Süden? Soll ich, oder nicht? Warum habe ich in den 70er Jahren meine Haare so verunstaltet? Wie bekomme ich diesen Fleck weg? Was macht eigentlich die - ähm, wie heißt sie noch - die Dings, die... ömpf... die, die immer so schräg aussah? Was macht die Feuerwehr hier? Warum immer ich? Ist dein Blau mein Blau? Wer hat die Schokolade aufgegessen? Wieso regnet es schon wieder? Was? Wieso? Warum?

4 Gedanken zu „Zwei Welten 🌎“

  1. Dürfte wirklich schwer sein, deine Mutter da noch zu ändern. Aber sie kennt deine Kinder ja nun auch nicht erst seit gestern. Da kann man, denke ich, eigentlich schon ein wenig mehr Verständnis erwarten. War das immer schon so, oder ist das erst im Alter anders geworden?

  2. sie ist, glaube ich, schon eine recht alte dame.
    vielleicht hilft dir das: meine mama und meine oma, beides herzliche menschen, haben beide nicht mehr viel gesprochen, je älter sie wurden. sie lebten in ihrer eigenen welt und haben zugesehen, was die urenkelkinder machten, es aber nicht mehr so richtig aufgenommen. ich glaube, es war ihnen alles zu turbulent. sie waren das nicht mehr gewohnt.
    deine mama wohnt auch alleine? wenn ja ist es für sie in ihrem alter (schätze mitte 80?) nicht mehr so leicht in fremder umgebung mit drei menschen zusammenzusein.
    es ist sicher für euch beide anstrengend, für dich aber auch für sie.
    genießt die zeit trotzdem, denn irgendwann mal ist sie nicht mehr da oder kann nicht mehr reisen und zu euch kommen.

  3. Mach’s Dir einfach, bestell Essen beim Lieferservice, mit süßem Nachtisch, und Kuchen vom Bäcker – auf Vorrat. Deine Mutter hat Recht, Du solltest Dir nicht zu viele Umstände machen, sie sieht ja was Du zu tun hast.

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