Autorpetra ulbrich

Vielleicht

Vielleicht wäre es ein guter Weg, um sich zu verändern, wieder zu lernen, erstens den Mund aufzumachen und eine eigene Meinung zu haben. Dann diese mutig zu sagen und zweitens nicht mehr still zu sitzen, sondern auch was tun, statt nur zu schwätzen!

Ich höre immer wieder: Man müsste mal. Man könnte doch. Es wäre doch schön. Wenn ich dann gezielt frage, dann kommt – nicht immer, aber immer öfter: Leider habe ich jetzt grad keine Zeit. Ich habe doch eine eigene Familie, die mich fordert. Das kann ich nicht. 

Heute habe ich die große Wunschtochterfamilie eingeladen mit uns zum Bonbonmuseum zu fahren. Damit schlage ich 2 Fliegen mit einer Klappe, wir sind nicht alleine unterwegs und die kinderreiche Familie hat ein weiteres Auto zu Verfügung und vielleicht springt auch noch die eine oder andere Süßigkeit in manche Hosentasche …

noch mehr Ameisen

… aber diesmal emsig helfende!

Eigentlich war ich sauer, als um 16Uhr die sich vorstellende Helferin nicht gekommen war. „Unzuverlässig!“, so dachte ich. Ich schrieb ihr um viertel nach vier eine Kurznachricht und damit schien der Fall für mich erledigt. Sie antwortete, dass sie halb fünf gedacht hatte und unterwegs sei.

Dann stand sie vor der Tür. Eine kleine unscheinbare Rumänin, scheinbar wenig selbstbewusst – aber sie war da! Ja, und da sie nun mal hier war, habe ich mich mit ihr unterhalten. Und je länger wir sprachen, umso sympathischer wurde J. mir. Carsten hat sich irgendwann zu uns gesellt. Wir redeten von diesem und jenem, von Musik, der deutschen Sprache, derer (! ist wahrscheinlich auch schon falsch) schweren Grammatik, über Gott und Glauben, Kindernamen und deren Bedeutungen. Wir sind zusammen spazieren gegangen. Wiebke ist ein bisschen aufgetaut, Carsten hat ihr Komplimente gemacht und ich habe all meine Vorurteile wegen des Zuspätkommens über Bord geworfen.

Meine Angst, dass sie nichts ist – weil unzuverlässig – hat sich verkrümelt. J. ist einfach eine herzensgute Frau. Gar nicht einfach, eine studierte Gehörlosenlehrerin – also jemand mit sonderpädagogischer Ausbildung. Nach anfänglichen Störungen, denke ich, dass wir einen guten Draht zueinanderfinden können.

Ameisen wird man nicht los – so schrieb Jule im Kommentar – aber vielleicht ist J. ein Gottesgeschenk und ich kann mich mit den kleinen Viechern arrangieren.

Klingt das jetzt kuddelmuddelig und abstrus? Mag sein – im Moment ist es gut so wie es ist.

 

Ameisen

Der Emil hat in seinem Blog einen Text, dass die Angst ein Raubvogel sei. Schön, kräftig mit weiten Schwingen. – Nein, meine Angst ist kein Raubvogel, kein wunderschöner Adler, der majestätisch am Himmel kreist und auf Beute lauert. Mit solch einer Angst könnte ich umgehen, hätte Respekt vor ihr und würde sie gar bewundern. Greifvögel sind erhabene Tiere.

Meine Angst ist ein Ameisenvolk – überall und nirgends, es kriecht in jede Ritze, in jedes kleine Loch und immer kommen noch mehr und noch welche. Die Angst vermehrt sich und kaum habe ich einige wenige abgestreift, kommen doppelt so viel nachgerückt. Sie beißen mich, saugen an mir, schicken Kundschafter zurück in den Bau und noch mehr kommen. Ich kann nicht weglaufen, ich bin gelähmt von ihrem Gift. Ich werde sie alleine nicht los, ich wünschte mir Hilfe, wünsche mir, dass mir jemand diese sechsbeinigen Viecher abstreift …

verlieren und finden

Ich habe mich verloren
will mich suchen
in der Welt

Will mich finden
im Gebüsch
der Gedanken

Ich habe mich gefunden
suchend
in der Welt

Nur meine Gedanken
verlieren sich
im Nirgendwo

© petra ulbrich

Bewunderung

… und Hochachtung vor den Junioren!

Besonders Carstens Umgang mit diesen heißen Temperaturen verdient meinen größten Respekt. Natürlich schlaucht auch ihn das Extremsommerwetter, aber er ist zufrieden. Er kann YouTube-Videos gucken, oder Fußball – momentan gibt’s auf SWR-Fernsehen VfB Stuttgart gegen Atlético Madrid – der Kerle schreit, als wäre er im Stadion dabei. Nebenbei rede ich ihm Essen und Trinken in den Mund. Das macht ihn aber nichts, er mümmelt trotzdem wenig bis nichts. „Mir geht’s gut! Mama nerv mich nicht.“

Wiebke sitzt im dunklen Zimmer und hört Schlager. Auch ihr quatsche ich die Ohren voll, dass sie isst und trinkt. Das Töchting ist nicht ganz so mit sich und der Umwelt im reinen, aber ihr geht’s gut. „Ich bin fröhlich, Mama – reicht das nicht?“

Ich habe wieder Gewissensbisse. Hätte ich nicht heute morgen das Planschbecken aufbauen sollen – aber auf der Terrasse ist es brüllendheiß. Hätte ich nicht mit ihnen in den Wald fahren sollen – doch der nächste ist ziemlich hügelig und mit 2Rollis packe ich das nicht. Hätte ich nicht doch noch irgendwo einen Helfer auftreiben können – aber schnitzen kann ich mir keinen. Wir sitzen drinnen! Wir kommen/können nicht raus – mich frustriert das ungemein.

Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war. Mark Twain

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Zeit ist wichtig

Zeit miteinander zu haben, diese auch nehmen, zusammen kuscheln und – zufrieden sein!

Manchmal ganz schön schwer!

Das hast du gut gemacht

Ist das nicht wunderbar wie wir Menschen miteinander umgehen, uns gegenseitig unsere Anerkennung bekunden und würdigen, was ein Anderer vollbracht hat?

Schon, ja – wenn es denn wahr wäre!

Die Wirklichkeit sieht leider anders aus: Neid, Eifersucht, Misskunst, bösartige Kommentare und noch vieles mehr. Kurz und gut: Er wird hintenrum nach Strich und Faden „heruntergemacht“. Wehe dem, der einen Erfolg vorzuweisen hat!

Dabei ist es so einfach; ein gutes Wort kostet nicht viel – lediglich ein wenig Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Wir haben es doch alle dringend/zwingend für unser Selbstwertgefühl nötig und erhalten es sehr, sehr selten. Ich meine die echte, ehrliche Anerkennung, nicht die Worthülsen und Phrasen bei Lobhudeleien und Empfängen.

Aber warum tun wir uns dann so schwer mit der Anerkennung?

Deswegen jetzt hier und sofort: Liebe Dani (auch wenn du es gar nicht liest), herzlichen Dank dafür, dass du uns gestern Abend so liebevoll aufgenommen hast! Auch und gerade deswegen, weil die Junioren gar keine Lust mehr hatten und ich sie nicht alleine motivieren konnte!

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